Ehrenamt trotz Rente

Warum eine Frau in Beesenlaublingen weiter die Bibliothek öffnet

„Sie ist mein Lebenswerk“, sagt Anita Schors. Einmal pro Woche bietet sie den Anwohnern nun Bücher, CD, Zeitschriften und Hörbücher an.

Von Carsten Roloff 12.10.2021, 10:00
Anita Schors große Leidenschaft ist das Lesen, weshalb sie die Bibliothek am Leben erhält.
Anita Schors große Leidenschaft ist das Lesen, weshalb sie die Bibliothek am Leben erhält. Foto: Engelbert Pülicher

Beesenlaublingen/MZ - Das Lesen war schon immer ihre große Leidenschaft. Vor allem während ihrer Kindheit habe sie die Bücher förmlich verschlungen, erzählt Anita Schors. Die Beesenlaublingerin genießt seit dem 30. Juli dieses Jahres ihren wohlverdienten Ruhestand, will aber ihr Ehrenamt unbedingt weiter ausüben.

Sie möchte die Bibliothek im Ort am Leben erhalten. Jeden Dienstag von 13.30 Uhr bis 16.30 Uhr haben „Bücherwürmer“ aus der Umgebung die Chance, sich nicht nur Romane, sondern auch CD, Videos, Zeitschriften oder Hörbücher auszuleihen.

„Die Bibliothek ist mein Lebenswerk. Als ich 1987 angefangen hatte, stand mir nur ein kleiner Raum zur Verfügung. Nun kann ich den Interessenten insgesamt 10.600 Medieneinheiten anbieten“, berichtet die Bibliothekarin aus Leidenschaft.

Anita Schors wurde 1957 in Alsleben geboren, wuchs in der Saale- und Schifferstadt auf und schloss in Leuna eine Lehre als Maschinist für Wärmekraftwerke erfolgreich ab. Anschließend arbeitete sie bis zur Geburt ihrer Tochter Kathrin (43) in der Bernburger Schuhfabrik „Bernia“, ehe sie in die Ziegelei nach Beesenlaublingen wechselte.

„Ich wünsche mir, dass 2022 nach zweijähriger Unterbrechung das Bibliotheksfest in den Sommerferien wieder stattfindet.“

Anita Schors, Bibliothekarin in Beesenlaublingen

In dem Ort übernahm sie am 1. Juni 1987 die hiesige Bibliothek. Nach der Wende blieb die Bibliothek bis 1998 ihre erste Arbeitsstelle. Parallel arbeitete die stolze Oma der beiden Enkel Nick (22), der bei ihr lebt und Luca (14) bis 2013 im Bürgerbüro der Gemeinde.

Dann wurde in der Grundschule Beesenlaublingen die Stelle der Sekretärin frei. Diesen Job meisterte sie bis zu ihrem Renteneintritt und hatte in dieser Tätigkeit natürlich vielfältige Kontakte mit dem Nachwuchs.

„Lesen bildet. Die Kinder lernen über die Bücher nicht nur viele wichtige Dinge für ihr künftiges Leben, sondern auch ganz nebenbei die richtige Rechtschreibung“, ist sich Anita Schors sicher. Kleine Geschichten oder Naturbücher stünden bei den Grundschülern ganz oben auf der Hitliste.

Bei den älteren seien es Abenteuerbücher und natürlich „Harry Potter“. Doch die Corona-Pandemie hat sich in mehrfacher Hinsicht auch auf die Bibliothek ausgewirkt. Die Besucherzahlen sind zurückgegangen.

Anita Schors bringt einige Medien bis zu den Lesern nach Kustrena, Poplitz, Beesedau

Schon während der Pandemie hat sich die ehemalige Sekretärin Gedanken gemacht, wie sie die Wünsche ihrer treuen Stammkundschaft erfüllen kann, zumal vor allem die älteren Menschen durch die nötigen Baumaßnahmen an der Ortsdurchfahrt in ihrem Bewegungsradius erheblich eingeschränkt sind. Wenn das Telefon klingelt, macht sich Anita Schors auf den Weg nach Kustrena, Poplitz, Beesedau oder Mukrena und bringt die gewünschten Ausleihobjekte zu Frau oder Mann.

„Ich wünsche mir, dass 2022 nach zweijähriger Unterbrechung das Bibliotheksfest in den Sommerferien wieder stattfindet, an dem Kinder kostenlos teilnehmen können. Es bringt Alt und Jung zusammen und wurde von den Kitas und den Horts immer sehr gern angenommen“, so Anita Schors.

Bei der Ausrichtung des Festes kann sie sich übrigens auf ihre „alte Clique“ verlassen: die ehemalige Ortsbürgermeisterin Christa Kupfernagel, deren Nachfolgerin Sabine Fischer, Birgit Breitenbach, Bettina Weinert, Ilonka Henze, Elke Brücher, Peter Heide und Ulf Mattner sowie weitere fleißige Helfer.