Vogel des Jahres 2022

Naturschutzbund hat fünf Kandidaten ausgewählt

Vogel des Jahres 2022 wird erneut öffentlich bestimmt. Zur Wahl stehen Wiedehopf, Mehlschwalbe, Steinschmätzer, Feldsperling, Bluthänfling.

Von Regine Lotzmann 12.10.2021, 10:09
Das Rotkehlchen ist Vogel des Jahres 2021. Auch dieses possierliche Tierchen wurde öffentlich gewählt.
Das Rotkehlchen ist Vogel des Jahres 2021. Auch dieses possierliche Tierchen wurde öffentlich gewählt. Foto: Paul Bertrams

Aschersleben/MZ - Der Wiedehopf gefällt ihr, gibt Grit Liebelt zu und spricht von einem in Europa inzwischen selten gewordenen Vogel mit gebogenem Schnabel und für ihn typischer Federhaube auf dem Kopf. „Aber einen wirklichen Favoriten habe ich noch nicht“, sagt die für Sachsen-Anhalt zuständige Sprecherin des Naturschutzbundes (Nabu). Doch natürlich möchte auch sie an der Abstimmung zum Vogel des Jahres teilnehmen.

Zu der hat der Nabu nun wieder landesweit aufgerufen. Nach dem Erfolg im letzten Jahr, als es die Aktion zum 50. Mal gab und erstmals Naturfreunde selbst abstimmen durften, will der Naturschutzbund das wiederholen. „Bei der ersten öffentlichen Wahl hatten sich über 455.000 Menschen beteiligt und das Rotkehlchen zum Vogel des Jahres 2021 gekürt – eine überwältigende Beteiligung“, findet Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller und erklärt:

„Wir freuen uns sehr, dass das Interesse an Naturschutz und der heimischen Vogelwelt so groß ist und legen darum die Vogelwahl auch für die kommenden Jahre in die Hände aller, die mitentscheiden wollen.“

„Bei der ersten öffentlichen Wahl hatten sich über 455.000 Menschen beteiligt und das Rotkehlchen zum Vogel des Jahres 2021 gekürt – eine überwältigende Beteiligung.“

Leif Miller, Nabu-Bundesgeschäftsführer

Um das Verfahren ein bisschen zu vereinfachen, haben die Experten mit Wiedehopf, Mehlschwalbe, Steinschmätzer, Feldsperling und Bluthänfling fünf Vertreter ausgewählt, zwischen denen sich die Wähler entscheiden können. Denn in Deutschland leben immerhin 307 verschiedene Vogelarten. Die fünf Kandidaten stehen dabei für unterschiedliche Naturschutzprobleme, auf die der Nabu auf diese Weise aufmerksam machen möchte.

„So sind mit Mehlschwalbe, Steinschmätzer und Wiedehopf gleich drei Zugvogelarten auf der Wahlliste“, erklärt Leif Miller und weiß, dass Zugvögel besonders stark unter dem Klimawandel leiden. „Schließlich sind sie gleich an mehreren Orten der Welt auf intakte Verhältnisse angewiesen.“ Laut Grit Liebelt würden in Sachsen-Anhalt gleich drei der fünf Arten auf der Roten Liste stehen und damit als gefährdet oder stark gefährdet gelten.

Der Wiedehopf

Liebelt bezeichnet den Wiedehopf mit seinem langen Schnabel und den orangefarbenen Scheitelfedern als optisch spektakulärsten Kandidaten. „Früher war er in Deutschland weit verbreitet, heute gibt es nur noch wenige Vorkommen - zum Glück auch in Teilen von Sachsen-Anhalt.“ Die Art wäre deutlich häufiger, wenn es mehr halboffene Landschaften mit vielen Insekten gäbe, wie Weideflächen oder pestizidfreie Weinberge. Der Wahlkampfspruch des Wiedehopfs heißt deshalb: „Gift ist keine Lösung!“

Der Wiedehopf hat eine prächtige Haube.
Der Wiedehopf hat eine prächtige Haube.
Foto:Nabu/Cewe/Paul Gläser

Die Mehlschwalbe

Die Mehlschwalbe hat als Insektenfresser und Gebäudebrüter gleich zwei Probleme: Durch das Insektensterben fehlt ihr die Nahrung. Und ihre Nistplätze werden etwa bei der Sanierung von Gebäuden entfernt. Ihr Wahlkampfslogan lautet darum: „Mieterschutz für Vögel!“

Die Melhschwalbe ist ein eleganter Segler.
Die Melhschwalbe ist ein eleganter Segler.
Foto: M. Schäf

Der Steinschmätzer

Der Vogel mit dem lustigen Namen ist ein Langstreckenzieher und mit 30.000 Kilometern Strecke im Jahr rekordverdächtig unter den Singvögeln, so Liebelt. „Der Vogel ist deutschlandweit vom Aussterben bedroht und auch in Sachsen-Anhalt stark gefährdet.“ Der Steinschmätzer brauche offenes, vegetationsarmes Land. Darum sein Slogan: „Mut zur Brache!“

Der Steinschmätzer ist ein Rekordflieger.
Der Steinschmätzer ist ein Rekordflieger.
Foto: Nabu/Cewe/Armin Siemering

Der Bluthänfling

„Sein gruseliger Name täuscht“, sagt die Nabu-Sprecherin und lacht. Der Bluthänfling ist kein blutrünstiges Tier, sondern eine kleine Finkenart mit roter Brust und einer Vorliebe für vegetarische Kost, wie Körner, Samen und Früchte. Sein Bestand ist gefährdet, weil er in monotonen Ackerlandschaften keine Heimat findet. Er fordert für seinen Brutplatz: „Mehr Hecken zum Verstecken!“

Der Bluthänfling hat eine ganz rote Brust.
Der Bluthänfling hat eine ganz rote Brust.
Foto: Nabu/M.Wlodarczak-Ihrig

Der Feldsperling

Der Feldsperling lebt in den Siedlungen der Menschen und ist nach der Brutzeit auf Grund seines sozial ausgeprägten Verhaltens oft in Hecken und Sträuchern als Trupp zu entdecken. Da er gern in Baumhöhlen und Nistkästen brütet, heißt es bei ihm: „Ohne Gehölz, ohne mich!“

Der Felldsperling liebt die Nähe von Menschen.
Der Felldsperling liebt die Nähe von Menschen.
Foto: Marcus Bosch