Naturschutz in Frose

Nach langer Trockenheit explodiert das Leben

Das Feuchtbiotop existiert nun seit 15 Jahren. Wie Pflanzen und Tiere die Schlammflächen zurückerobern.

Von Regine Lotzmann
Ein Pfeifentenweibchen. Foto: Nielitz

Frose - Staubtrocken waren die letzten drei Jahre. „Doch nach dem schneereichen Winter und dem vielen Regen jetzt explodiert das Leben in den Seeländereien förmlich“, freut sich Uwe Nielitz über das Feuchtbiotop bei Frose, das es mittlerweile seit 15 Jahren gibt.

„15 Jahre - und in jedem davon konnte man Veränderungen in diesem Gebiet entdecken“, findet der Ascherslebener Naturschutzbeauftragte und spricht von neuen Vegetationsstufen, die den vernässten Äckern folgten - wie den Schilfbereichen. Von neuen Wasserflächen.

Durch Verdunstung entstandene Schlammareale. „Und diese Dynamik ist immer noch so toll, weil diese vielen kleinen Mosaike einer Vielzahl von verschiedenen Tieren einen Lebensraum geben.“ Vor allem Vögeln - weit über 200 verschiedenen, auch seltenen Arten - und Amphibien, aber auch sehr vielen Insekten, wie etwa den Libellen.

„Das Ganze steht und fällt jedoch immer mit dem Wasser“, weiß der Naturschutzbeauftragte, der auch ehrenamtlich für den Naturschutzbund (Nabu) tätig ist. Die Trockenheit der letzten Jahre hatte einen sehr großen Einfluss auf das Gebiet. „Im Sommer war es meist vollkommen ausgetrocknet.“

Wildschweine ganz nah.
Foto: Nielitz

Und Pflanzen eroberten die trocken gefallenen Schlammflächen zurück. „Und so wuchsen einige Teiche, die man dort draußen sieht, mit der Zeit etwas zu“, erklärt Nielitz. Und weiß, dass sonst Graugänse diese Flächen abgeweidet hätten. „Aber das hat sich durch die Trockenheit geändert.“ Umso mehr freut sich der Ascherslebener, dass es in diesem Jahr endlich wieder Wasser gibt. Ausreichend Wasser. Und hofft, dass es auch nach der Brutzeit noch bleibt.

Wie die Tiere ihr Revier zurückerobern, könnten die Menschen vom neuen Beobachtungsturm aus sehen, den die Stiftung ProArtenvielfalt im vergangenen Jahr bauen ließ. Wildschweine kommen bis auf wenige Meter heran. Rehe. Vögel sowieso. „Die ganze Natur ringsum fühlt sich ungestört“, schwärmt er von der Anlage, die nicht nur die Einheimischen, sondern auch Ornithologen aus ganz Deutschland und dem Ausland nutzen.

„Jeden Tag gibt es dort etwas Neues zu sehen, kann man mit irgendetwas Besonderem rechnen. Gerade jetzt zur Zugzeit der Vögel“, sagt Nielitz und erzählt etwa von den Kranichen, die sich sofort wieder eingestellt hätten, nachdem auch das Wasser da war. Bis zu 300 hatten dort auf ihrem Weg aus dem Winterquartier längere Zeit Rast gemacht, darunter auch einige beringte. Ein polnischer und ein finnischer waren dabei.

Feuchtgebiet bei Frose.
Foto: Lotzmann

Allerdings bleiben auch einige Paare hier und brüten. Erst im vergangenen Jahr war der allererste Seeland-Kranich flügge geworden. Auch dieses Jahr gab es ein Paar, das schon gebrütet hatte. Aber leider wurde das Gelege von Wildschweinen zerstört.

Derzeit kann man auf den Teichen verschiedene Entenarten entdecken. Löffel- und Schnatterenten, Krick-, Knäk- und Reiherenten, Pfeif- und Stockenten und sogar Brandgänse, zählt der Ornithologe auf. „Es ist also eine vielfältige Vogelschar an Wassergeflügel dort“, resümiert der Naturschützer mit einem Lachen. Und berichtet sogar von quiekenden Schweinen im Schilf. Na ja, zumindest akustisch. Denn der ungewöhnliche Quieklaut stammt in Wirklichkeit von Wasserrallen. „Und auf fast jeder Wasserfläche brütet schon ein Höckerschwan-Paar.“

Auf fast jeder Wasserfläche brütet ein Höckerschwan-Paar.“

Uwe Nielitz, Naturschutzbund (Nabu) Sachsen-Anhalt

Auch den Froser Weißstörchen dienen die Sumpf- und Wasserflächen als Jagdrevier. Vor kurzem hielt sich dort sogar ein Schwarzstorch auf. „Aber nur auf dem Durchzug.“ Entlang des Feldweges seien jetzt regelmäßig Blaukehlchen zu sehen, noch besser zu hören. Ganz früh am Morgen. Und Nielitz, der jede freie Minute im Seegelände verbringt, weiß, dass im Moment in den Schilfflächen immer noch größere Trupps an verschiedenen Singvögeln schlafen. „Die fallen dort abends regelrecht ins Schilf ein.“ Stare. Grünfinken. Grauammer.

„Leider gibt es bis jetzt noch keine Rohrdommel - die Ochsen des Sumpfes“, bedauert der Ascherslebener. Die hätten das Areal in den letzten Jahren auf Grund des niedrigen Wasserstandes verlassen. Aber: „Wir sind wirklich guter Hoffnung, dass dieses Jahr wieder welche kommen.“ Genau wie die Watvögel, wie Kiebitz und Schnepfen, die für den Sommer erwartet werden. Oder die bunten Bienenfresser.

Wie sich das alles entwickelt? „Wir werden sehen“, meint der Naturschützer und hofft auf neue Überraschungen. Denn der viele Schnee im Winter habe das alte Schilf niedergedrückt, sodass es in diesem Jahr wieder ganz andere Bedingungen gibt. „Es werden neue Arten auftauchen, worauf alle mit Spannung warten.“

Klar ist, dass sich wieder zahlreiche Amphibien hier tummeln. „Eine Vielzahl an Wechselkröten trillert gerade.“ Und vor ein paar Tagen hat Nielitz einen großen Trupp Moorfrösche entdeckt. Die, die ganz blau sind, wenn sie balzen. Etwas ganz Besonderes.

Deshalb hat auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) das Gebiet zum Modellprojekt gemacht, wo es um Amphibienschutz geht. Und die Stiftung Pro Artenvielfalt will dort weiteres Land aufkaufen, um die Tiere noch besser schützen zu können. (mz)