Grundschule in Giersleben

Ministerium zeichnet „Wipi“-Schülerbusse aus

Jury würdigt Engagement der Bildungs- und Integrationsgesellschaft. 80 der 135 Grundschüler kommen mit Bürgerbussen nach Giersleben

Von Detlef Anders
Harald Kreibich, Sprecher des Verkehrsministeriums, übergab den Preis an Ortsbürgermeister Peter Rietsch (li.), dahinter die Vorstandsmitglieder der Bildungs- und Integrationsgesellschaft, Kati Melswich und Beate Packhäuser. Foto: Detlef Anders

Giersleben - „Wir tun es einfach. Geht nicht, gibts nicht“, ist einer der Slogans, die Peter Rietsch bemüht, wenn er über Veränderungen in Giersleben spricht. Die Anschaffung und der Betrieb von Schulbussen war so eine Veränderung. Der Bürgermeister und Mitglieder der Bildungs- und Integrationsgesellschaft Giersleben konnten nun einen der Integrationspreise des Landes im Empfang nehmen.

Sie hatten sich mit dem Projekt „Bürgerbusse Wippi 1 und 2“ am seit 2013 jährlich stattfindenden Landeswettbewerb beteiligt. In der Kategorie „Bewegen: Perspektiven für Jung und Alt“ belegten sie Platz zwei. Harald Kreibich übergab als Vertreter des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr den Pokal und einen Scheck über das Preisgeld von 1.000 Euro an Rietsch und Beate Packhäuser, die stellvertretende Vereinschefin, sowie Fahrerin und Kassiererin Kati Melswich.

Seit dem 1. Juni 2015 werden Grundschüler aus den umliegenden Orten nach Giersleben gefahren. Damals hatte es nur noch 56 Grundschüler gegeben, vier zu wenig für den Erhalt, erinnerte Peter Rietsch. Um die Schule zu erhalten, seien Schuleinzugsbereiche aufgehoben und die Schülerbeförderung so organisiert worden, dass auch aus dem 20 Kilometer entfernten Groß Wirschleben Kinder binnen 18 Minuten in der Grundschule sind, berichten die Gierslebener. Entscheidend waren dafür die Busse. Und, dass sich die Kinder wohlfühlen. Letztlich entscheiden die Eltern, wo sie ihre Kinder hinschicken.

„Wir haben jede Menge Zuzug im Ort.“

Peter Rietsch, Ortsbürgermeister in Giersleben

Die Bildungs- und Integrationsgesellschaft, der die inzwischen zwei Busse mit je 22 Plätzen gehören, ließ sogar die Fahrer ausbilden. Mittlerweile besuchen 135 Kinder aus 14 Orten die Schule. 80 davon werden mit den beiden Wippis, die je zwei Touren morgens und nachmittags haben, gebracht. Die Busse rollen bei Wind und Wetter und noch nie seien sie zu spät gewesen, lobte Rietsch Fahrer wie Kati Melswich, die vier Stunden am Tag als Sekretärin des Ortsbürgermeisters arbeitet, als „Integrationshelden“ und „Zugpferde“.

Letztlich wächst dank der Schule auch Giersleben. „Wir haben jede Menge Zuzug im Ort“, betonte Peter Rietsch. Der Ort vertritt Sachsen-Anhalt in diesem Jahr auch im Dorfwettbewerb.

Mit den Bussen werden nicht nur die Schüler befördert. Die Sportler sind damit ebenso unterwegs wie die Senioren. Zur Finanzierung des Eigenanteils können sie auch für Familienfahrten genutzt werden. Sponsoren und die Eltern als Mitglieder helfen bei der Finanzierung. „Wir schauen nach vorne und gucken immer, wie kann man was verändern“, sagte Beate Packhäuser.

Die Wippi-Busse mit Fahrern wie Kati Melswich holen Kinder aus 14 Ortschaften ab und bringen sie täglich zur Grundschule.
Foto: Detlef Anders

Harald Kreibich lobte die Wippi-Busse als „schönes Beispiel für Nachhaltigkeit“. Anderenorts sei ein über EU-Förderung angeschaffter Bus inzwischen ungenutzt. Es sei gut, dass es in Giersleben Menschen gibt, die nicht auf Hilfe oder Ansagen „von oben“ warten, sondern die Ärmel hochkrempeln und im Rahmen ihrer Möglichkeiten Dinge zum Positiven verändern. Rietsch nannte auch die gerade erfolgte Sanierung der Kindertagesstätte als Beispiel. Die Bildungs- und Integrationsgesellschaft will in diesem Jahr noch einen Kleinbus anschaffen, um weitere Kinder transportieren zu können.

189 Vereine und Initiativen des Landes hatten sich 2020 um einen der neun Demografiepreise in drei Kategorien beworben. Eine Jury wählte elf Preisträger aus. Minister Thomas Webel, der nicht mitkommen konnte, betont in einer Pressemitteilung: „Alle Bewerbungen zeugen vom Willen und der Bereitschaft zahlreicher, oft ehrenamtlich tätiger Menschen, sich aktiv für ein lebenswertes und attraktives Sachsen-Anhalt zu engagieren.“

Neben „Bewegen – Perspektiven für Jung und Alt“ gibt es die Kategorien „Aufbauen – Nachwuchs fördern und Fachkräfte sichern“ sowie „Anpacken – Lebensfreude in Stadt und Land“. Zwei von Sponsoren bereitgestellte Sonderpreise kommen hinzu. (mz)