Lockerungen in der Pandemie

Lockerungen in der Pandemie: Verreisen im eigenen Land ist wieder möglich

Aschersleben/Seeland - Die Corona-Krise hat viele Urlaubspläne für dieses Jahr über Bord geworfen - Reisen ist stark eingeschränkt. Das Auswärtige Amt hat bis zum 14. Juni eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen. Auch innerhalb von Deutschland waren touristische Reisen lange verboten. Das änderte sich am Donnerstag.

Von Kristina Hammermann

Die Corona-Krise hat viele Urlaubspläne für dieses Jahr über Bord geworfen - Reisen ist stark eingeschränkt. Das Auswärtige Amt hat bis zum 14. Juni eine weltweite Reisewarnung ausgesprochen. Auch innerhalb von Deutschland waren touristische Reisen lange verboten. Das änderte sich am Donnerstag. Seitdem sind Reisen nach Sachsen-Anhalt für Touristen aus dem Inland wieder erlaubt. Somit dürfen Hotels, Pensionen und andere Unterkünfte Touristen aus anderen Bundesländern wieder beherbergen.

Manch einer hat bereits nach Urlaubsmöglichkeiten im eigenen Land gesucht. Und der Harz ist scheinbar ein inländisches Sehnsuchtsziel während der Corona-Pandemie. Bei einem Ranking des Vergleichsportals „vergleich.org“ landete der Harz auf Platz 2 - zumindest was die Häufigkeit der Suchanfragen deutscher Reiseziele bei Google anbelangt. Monatlich tippten 806.980 Internetnutzer das Wort in die Suchmaschine ein. Mit 1.024.940 monatlichen Suchanfragen landete die Ostsee auf dem ersten Platz und der Schwarzwald mit 635.090 auf dem dritten.

Könnten auch Hotels in Aschersleben bald von mehr Gästen profitieren, vor allem von Wanderlustigen, die in den Harz wollen?

Beatrix Lampadius, Inhaberin vom Ascherslebener „City Hotel“ denkt das nicht, denn „der Harz saugt die Leute direkt ein. Wer dorthin verreisen will, übernachtet nicht in Aschersleben.“ Allerdings seien die Ferienwohnung und das Appartement „für Familien gut geeignet, die Aschersleben im Rahmen eines Urlaubs als Basis für Sternfahrten nutzen wollen.“

Langsam bemerke sie einen Anstieg bei den privaten Buchungen. „Aber ich will noch kein Lobeslied singen“, so die Hotel-Chefin, „ich bin da sehr verhalten und beobachte die Sache ganz genau.“ Dennoch freue sie sich über die weiteren Lockerungen und auf zukünftige Gäste.

Klaus Respondek vom Hotel und Restaurant „Zum Schwan“ in Nachterstedt hingegen könne sich jetzt schon über ein ausgebuchtes Pfingstwochenende freuen - mit Bikern, die eine Motorrad-Tour durch den kurvigen Harz machen wollen.

„Man merkt schon, dass die Leute wieder in einem Restaurant essen gehen“

Auch der Inhaber der Ascherslebener „Villa Westerberge“, Daniel Winkelmann, habe alle Zimmer restlos über das Wochenende vermieten können. Für Sachsen-Anhalter stehen Hotel und Restaurant schon länger offen, und das sei auch gut angelaufen: „Man merkt schon, dass die Leute wieder in einem Restaurant essen gehen oder in kleiner Runde einen Geburtstag nachfeiern wollen“, erzählt der Hotelier.

Nachdem die „Villa Westerberge“ wegen eines Corona-Falls eine Woche vor dem bundesweiten Shutdown schließen musste, freuen sich seine Mitarbeiter, nun wieder arbeiten zu können. „Alle Corona-Tests waren glücklicherweise negativ“, so der Chef.

Deutlicher Mehraufwand mit strengeren Auflagen

Damit der Aufenthalt für Gäste möglichst gesund und sicher abläuft, müssen viele Regeln befolgt werden. Da jedes Bundesland das ein bisschen anders handhabt, sei für viele Gäste verwirrend, was nun gilt und was nicht. „Aber wir machen da viel Aufklärungsarbeit“, so Daniel Winkelmann.

Den betrieblichen Maßnahmenkatalog hat die „Villa Westerberge“ zum Nachlesen auf ihrer Webseite öffentlich gemacht. Unter anderem muss stets der Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden, Mitarbeiter müssen einen Mundschutz tragen und statt freundlichem Händeschütteln gibt es nun eine Plexiglasscheibe an der Rezeption.

„Auch wenn die Hotellerie seit eh und je sehr hygienisch ist, geht mit den strengeren Auflagen natürlich ein deutlicher Mehraufwand einher“, erzählt Daniel Winkelmann, „aber es gibt nichts, was wir nicht umsetzen konnten.“ So wird in der „Villa Westerberge“ beispielsweise eine Alternative zum Selbstbedienungsbuffet angeboten: Die Frühstücksvorlieben werden am Abend zuvor abgefragt, und die Gäste bekommen ihr Wunsch-Frühstück dann am nächsten Morgen an den Tisch serviert. „Wir haben dafür jetzt extra einen Frühstückskoch“, erzählt der Hotelier. Die Mittags- und Abendspeisekarte gibt es digital.

Traurig für die Gäste: Kein Frühstücksbuffet

Beatrix Lampadius bedauert vor allem, dass es kein Frühstücksbuffet mehr geben darf, was auch die meisten ihrer Gäste traurig stimmt. „Trotzdem: Ein duftender Kaffee schafft es, dass sich das Hotelerlebnis schon wieder normaler anfühlt“, sagt sie und erzählt außerdem, dass das „City Hotel“ nun aufrüste: Es werde jetzt extra eine Frühstücksterrasse aufgebaut, damit die Gäste bald gemütlich draußen zum Essen sitzen können.

„Das ist coronatechnisch am sichersten“, so die Hotel-Chefin. Und das sei besser, als „nur ein Lunch-Paket an die Türklinke zu hängen.“ Hinzu kommt, dass der Biergarten seit Donnerstag auch wieder geöffnet werden konnte, was die Inhaberin freut.

Klaus Respondek habe mittlerweile eine „Einsicht in die Notwendigkeit“ entwickelt, wie er lachend sagt. „Die Regelungen sind halt so, da wird auch nicht diskutiert.“ Er findet sie sinnvoll und habe alles umsetzen können.

Von der Suche zur Buchung

Und auch wenn der Nachterstedter von dem Ranking des Vergleichsportals noch nichts gehört hat, sei er voller Hoffnung, dass der Tourismus in der Region bald wieder aufblüht und es nicht nur bei einer bloßen Suchanfrage bleibt. Der Hotel-Inhaber freut sich schon sehr auf Harz liebende Reisende, die dann bei ihm „Zum Schwan“ unterkommen möchten. Buchungen jedenfalls sollen sowieso möglichst mit einem Klick online abgeschlossen werden.

„Und wenn man auf die allgemeinen Hygieneregeln achtet, dann sollte nichts schiefgehen“, so Beatrix Lampadius und witzelt: „Es haben ja alle genügend Zeit zum Üben gehabt.“ (mz)