Rettung am Sonntag

Kleiner Kater überlebte im Fallrohr der Dachrinne: Feuerwehr Belleben rettete drei Wochen altes Tier

Belleben - Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Belleben ziehen völlig durchnässten Kater aus einem Schacht. Nun wird er mit Flasche aufgezogen.

Von Katharina Thormann 09.06.2020, 13:56

Kein begossener Pudel, dafür das Schicksal eines völlig durchnässten Katzenbabys bewegt derzeit die Einwohner von Belleben. Wahrscheinlich in allerletzter Minute ist das Tier vor wenigen Tagen von den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr vor dem Tod gerettet worden. Per Zufall.

„Ich war am Pfingstsonntag mit meinen Hunden im Ort unterwegs, als ich ein lautes Wimmern hörte. Es kam aus dem Gully“, erzählt Thomas Skorsetz. Der 42-jährige Feuerwehrmann zögerte nicht lange, griff zum Telefon und wählte die Nummer seines Wehrleiters. Kurze Zeit später standen auch schon die Retter in voller Montur für die Tierrettung am Regenschacht bereit.

Im Fallrohr der Dachrinne wurde schließlich der kleine Kater entdeckt

Doch die Suche nach dem wimmernden Tier gestaltete sich schwierig. „Wir haben alle Zugänge in der Umgebung geöffnet und vorsichtig gespült - aber nichts“, berichtet Thomas Skorsetz. Die letzte Chance, das Tier noch lebend zu finden, war die Regenrinne des dortigen Gebäudes.

Und tatsächlich: Nachdem ein Stück abmontiert und mit Wasser durchgespült wurde, tauchte ein schwarzes, durchnässtes Etwas im Schacht auf. „Wir sind dann gleich zum Tierarzt, der den Kater auf gerade einmal drei Wochen schätzte“, sagt Thomas Skorsetz.

Doch einen sorgenden Besitzer gibt es wohl nicht. Das hatten die Gespräche mit Anwohnern ergeben, die kurz zuvor bereits eine kleine tote Katze im Hof entdeckt hatten. Vermutlich wurden beide auf dem Dachboden einer verlassenen Scheune durch eine Wildkatze geboren. Deshalb blieb nur noch die Handaufzucht.

Thomas Skorsetz aus Belleben kümmert sich nun um den kleinen Kater

Und so steht Thomas Skorsetz nun täglich fünfmal in der Küche, um die Milch für Knöpfchen anzurühren und ihn mit einer speziellen Mininuckelflasche zu füttern. Der Name Knöpfchen kommt nicht von ungefähr, wie der „Katzenvater“ erzählt: „Einem der Kameraden ist beim Bücken nach dem Tier der Hosenknopf abgerissen, so war der Name für das Tier gleich klar.“

Klar war für die Tochter von Thomas Skorsetz auch, dass Knöpfchen bei der Familie ein dauerhaftes Zuhause findet. „Sie hatte sich sehnlichst einen neuen schwarzen Kater gewünscht, nachdem wir vor zwei Jahren ihre Katze einschläfern lassen mussten“, sagt der gebürtige Thüringer, der in Brandenburg aufwuchs und erst seit zwölf Jahren in Belleben mit seiner Familie heimisch geworden ist.

Und obwohl er nun auch seit fünf Jahren schon Retter bei der Feuerwehr ist, ging ihm das Schicksal des kleinen Katers diesmal besonders nah. Kein Wunder, dass er deshalb gern seiner Tochter Sara mit dem neuen Familienmitglied ein lang ersehntes Geschenk gemacht hat - und das sogar passend einen Tag vor dem Internationalen Kindertag. (mz)