Hoym, Gatersleben, Nachterstedt

Hoym, Gatersleben, Nachterstedt: Sind Grundschulen in der Stadt Seeland in Gefahr?

Hoym - „Ich bin bitter enttäuscht von unserer Landespolitik“, platzt es aus Mario Kempe heraus. Der Seeland-Stadtrat kann seinen Ohren kaum trauen, als er hört, dass es die vom Land ins Spiel gebrachten und im Koalitionsvertrag aufgeführten Schulverbünde nun doch nicht geben soll. Auf die hatten die Seeländer nämlich ihre Hoffnungen gesetzt, um die in ihrer Stadt noch verbliebenen drei Grundschulen retten zu ...

Von Regine Lotzmann 06.12.2016, 14:10

„Ich bin bitter enttäuscht von unserer Landespolitik“, platzt es aus Mario Kempe heraus. Der Seeland-Stadtrat kann seinen Ohren kaum trauen, als er hört, dass es die vom Land ins Spiel gebrachten und im Koalitionsvertrag aufgeführten Schulverbünde nun doch nicht geben soll. Auf die hatten die Seeländer nämlich ihre Hoffnungen gesetzt, um die in ihrer Stadt noch verbliebenen drei Grundschulen retten zu können.

Stefan Thurmann, Pressesprecher im Bildungsministerium, versucht nach einer MZ-Anfrage, dagegenzulenken. „Die Aussagen unserer Referatsleiterin gegenüber der Seelandbürgermeisterin fußen auf dem aktuellen Gesetz“, erklärt der Ministeriumssprecher. Die Informationen seien faktisch nicht falsch. Denn nach derzeitigem Gesetz seien solche Zusammenschlüsse eben nicht möglich. „Doch politisch sind die Schulverbünde noch nicht vom Tisch. Definitiv nicht“, fügt er hinzu. Für das nächste Jahr kündigt Thurmann eine Schulgesetznovelle an. „Wie die am Ende aussieht, kann derzeit aber noch niemand absehen. Da müssen wir drauf warten.“

Im Seeland ist man skeptisch: Als Seeland-Bürgermeisterin Heidrun Meyer im Hauptausschuss von dem Treffen im Kultusministerium berichtet, verliert Kempe - selbst CDU-Mann - fast die Fassung. Alle drei Koalitionspartner seien vom Vorhaben, Schulverbünde zu genehmigen, einstimmig zurückgetreten, erzählt sie von diesem Gespräch. Und nennt die dort gehörten Gründe: Verbünde seien nicht zum Nulltarif zu haben, das Geld werde aber an anderer Stelle gebraucht.

„Unsere Hoffnung auf Schulverbünde ist damit dahin“, zuckt sie traurig die Schultern und zeigt sich umso enttäuschter, weil Bildungsminister Marco Tullner (CDU) bei seinem Besuch im Juni sogar noch von einem Modellprojekt gesprochen hatte. Das Seeland sei aus seiner Sicht geeignet dafür, meinte er damals.

„Doch was haben diese Worte für einen Wert für uns? Man versucht uns hier unten an der Basis auszulutschen. Wir sollen Entscheidungen treffen und haben keine Grundlage“, schimpft Kempe, der im Seeland-Rat Stadtratsvorsitzender und in seinem Heimatort Frose Ortsbürgermeister ist. Und in diesen Ämtern schon schweren Herzens die Schule in seinem eigenen Heimatort schließen musste. Die hatte es seit fast 1000 Jahren gegeben.

„Also rutscht die Bildung wieder nach hinten“, schüttelt Bernd Voigtländer (Die Linke) den Kopf. Gerade noch hatte sich der Ortsbürgermeister gefreut, dass seine Grundschule in Hoym laut Aussage der Kreisverwaltung sicher sei. Denn hier wurden die Zahlen zu Rate gezogen, die für den im letzten Jahr beschlossenen neuen Schuleinzugsbereich der Hoymer gelten. Doch viele Eltern aus Schadeleben und Friedrichsaue wollen ihre Kinder eben nicht in die Prinzenschule schicken und hoffen auf eine Ausnahmegenehmigung. Weil der Busverkehr durch die Seeländereien von den Verantwortlichen abgelehnt werde und der Schulweg nach Hoym damit länger sei als nach Gatersleben. Reichen die Schülerzahlen dann für die Prinzenschule immer noch aus? Immerhin 60 Kinder müssen eine Grundschule nach Landesvorgaben besuchen. Mit einem Schulverbund wären diese Probleme aus der Welt geschafft, sind sich die Seeland-Räte einig. Doch nun gehe das Gezerre um die Kinder wieder los.

„Wir müssen uns hier wieder die Köpfe einschlagen! Ich bin bitter enttäuscht, dass meine Partei das mitträgt“, ist Mario Kempe erbost und kündigt an, mit seinem Landtagsabgeordneten Kontakt aufnehmen zu wollen. „Wir müssen sehen, dass wir den Bildungsminister und den Abgeordneten noch einmal herbekommen. Dann sollen sie den Eltern an der Basis sagen, warum das nicht geht“, findet Mario Lange (BIG), der Ortsbürgermeister von Gatersleben ist.

Der Ministeriumssprecher bietet den erbosten Seeländern gleich zwei Dinge an: Zum einen wolle der Bildungsminister in dieser Woche mit der Seeland-Bürgermeisterin das Gespräch suchen und ihr den Sachverhalt darlegen. „Zum anderen sind wir dabei zu prüfen, wie wir die größte Not lindern können. Wir suchen nach Möglichkeiten, der Grundschule in Hoym Luft zu verschaffen bis das Gesetz da ist.“  (mz)