Mitten in der Coronakrise

Engpass führt zu sofortigem Impfstopp

Die Impfstationen in Aschersleben und Gatersleben machen vorerst dicht. Es stehen einfach keine zu verabreichenden Vakzine zur Verfügung.

Von Regine Lotzmann und Katrin Wurm
Leere Impfdosen: Leere ist in den nächsten Tagen auch in den Impfstationen in Aschersleben und Gatersleben angesagt. (Foto: Frank Gehrmann)

Aschersleben/Gatersleben - Am heutigen Freitag werden in den Impfstationen in Aschersleben und Gatersleben die vorerst letzten Corona-Impfungen verabreicht. Der Grund: Es steht derzeit kein Impfstoff zur Verfügung. Während das Land im April noch 28.000 Impfdosen an den Salzlandkreis verteilen konnte, sind es im Mai lediglich 21.000, informiert Ascherslebens Oberbürgermeister Andreas Michelmann nach einem Telefonat mit dem Salzlandkreis.

„Das Land ist nicht in der Lage, den Impfstoff vernünftig zu verteilen“, ärgert er sich über die Logistik. Der Engpass führe dazu, dass die Impfstation im Ballhaus erst wieder am Sonnabend, 8. Mai, öffnen wird. „Am Freitag, 7. Mai, sind Impfteams unterwegs, die immobile Menschen zu Hause impfen. Das sind aber lediglich 18 Dosen, die verteilt werden können“, sagt Jörg Widder, Leiter der Impfstation im Ballhaus.

„Alle Zweitimpftermine bleiben bestehen!“

Wenn der Betrieb in der Impfstation in Aschersleben am 8. Mai wieder hochfährt, werden vorerst nur die bereits geplanten Zweitimpfungen verabreicht. „Auch wenn es gerade einen Engpass gibt: Alle Zweitimpftermine bleiben bestehen!“, so der Oberbürgermeister. Weil der Landkreis bereits während des Erstimpftermins die Zweitimpftermine und - dosen mit einkalkuliert, sei der Impfstoff dafür verfügbar.

Oberbürgermeister Andreas Michelmann
(FotO: Archiv)

„Wir wissen allerdings nicht, wann wir wieder neue Termine vergeben können. Das hängt davon ab, wann uns Impfstoff zur Verfügung steht“, sagt Michelmann, der sich darüber ärgert, dass seitens der Bundesregierung mit einem „Impfangebot für Alle“ und der„Aufhebung der Impfpriorisierung“ geworben wird. „Wenn wir sehen, dass wir im Mai weniger Impfdosen bekommen als noch im April, frage ich mich, wie wir allen ein Impfangebot machen sollen? Wir verwalten doch hier nur den Mangel, und mit solchen Aussagen werden die Menschen verwirrt. Es zeigt ein verzerrtes Bild der Wahrheit. Und die Wahrheit ist, dass es einen Engpass beim Impfstoff gibt.“

Hinzu komme, bestätigt auch Stationsleiter Jörg Widder, dass das Wirrwarr um das Astrazeneca-Vakzin die Menschen verunsichert habe. „Wir hatten rund 1.200 Impftermin-Absagen und mehr als 1.000 Leute sind einfach nicht zum Impftermin erschienen“, bilanziert Widder. Andreas Michelmann sieht darin ein großes Problem: „Dadurch können wir den Jüngeren erst später ein Impfangebot machen, weil die Älteren zuerst mit einer Astrazeneca-Alternative nachgeimpft werden mussten. Doch es sind doch gerade die noch arbeitenden Jüngeren, die im letzten Jahr enorm belastet wurden. Auch für sie muss es eine Perspektive geben!“

Die Seeland-Impfstation ist im Gaterslebener Bürgerhaus.
(Foto: Gehrmann)

Frust gibt es auch in der Impfstation in Gatersleben. „Die Situation ist nicht zufriedenstellend“, gibt Seeland-Bürgermeisterin Heidrun Meyer zu. Mit viel Aufwand und Mühe hatte die kleine Stadtverwaltung die Station aufgebaut und Helfer geworben, damit auch die Menschen im Seeland einfacher an ihre Corona-Impfung kommen.

Wieder geöffnet werden soll die Einrichtung am Montag, 17. Mai. „Dann geht es mit den Zweitimpfungen weiter. Die sind abgesichert“, so Meyer. Ihr ist es wichtig, dass in der Zwischenzeit die Bürger nicht umsonst vor der Impfstation stehen oder anrufen, um neue Impftermine zu bekommen. „Denn die können wir erst einmal nicht vergeben.“

Bürgermeisterin Heidrun Meyer
(Foto: Archiv)

Und die Leute hätten das Ergebnis gelobt. „Es gab nur positive Reaktionen.“ Und es ging Schlag auf Schlag, die Seeländer waren bereits bei den Über-60-Jährigen angekommen. Die Unterbrechung sei deshalb schwer zu verstehen. „Wir würden gern weitermachen, an uns liegt es nicht“, sagt die Bürgermeisterin und gesteht, dass sie nicht verstehe, dass es nur am fehlenden Impfstoff hapern solle.