Therapie gegen Ärztemangel

Therapie gegen Ärztemangel: Kommentar zum medizinischen Versorgungsproblem auf dem Land

Halle (Saale) - Die Diagnose steht fest: Sachsen-Anhalts Ärzteschaft ist überaltert.

03.09.2018, 06:00

Die Diagnose steht fest: Sachsen-Anhalts Ärzteschaft ist überaltert. Ihr Durchschnittsalter beträgt etwa 55 Jahre. Die Ruhestand naht. Und der zieht vielfach ein Versorgungsproblem nach sich.

Zum Zwecke der Linderung wurden bereits umfangreiche Maßnahmebündel geschnürt. Der jüngste Plan sieht eine sogenannte Landeskinderquote vor. Es ist an sich kein schlechter Gedanke, Studienplätze für Sachsen-Anhalter zu reservieren, die sich verpflichten, später als Landarzt in unterversorgten Gebieten zu arbeiten. Lässt er sich aber auch umsetzen? Ganz abgesehen von juristischen Bedenken.

Die Frage ist, ob es 18-, 19-Jährigen, die gerade eine mehr als zehnjährige Ausbildung beginnen, zuzumuten ist, sich schon am ersten Tag auf eine bestimmte Richtung in der Medizin festzulegen. Was, wenn sich Neigungen und Talente in eine ganz andere Richtung entwickeln? Was, wenn es die Familienplanung oder ganz andere Umstände erfordern, Landesgrenzen zu überschreiten? Der Wissenschaftsminister bringt Sanktionen ins Spiel. Das könnte eher abschrecken.

Begeisterung für den Landarztberuf muss während des Studiums geschürt werden. Dass das geht, zeigt seit 2011 die Klasse Allgemeinmedizin an der medizinischen Fakultät in Halle. Hier werden Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, die über die normale Ausbildung hinausgehen.

Das Programm, das inzwischen ausgeweitet wurde, überzeugt Studenten und lenkt sie in Richtung Landarztpraxis. Viele ganz ohne Zwang. Denn nur wer ein speziell für diese Klasse ausgelobtes Stipendium erhält, verpflichtet sich, nach dem Studium für einen bestimmten Zeitraum in Sachsen-Anhalt zu praktizieren. Im Sinne einer stabilen Versorgung braucht es mehr solcher Therapiebausteine.

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