Streit um Parteimitglied

Streit um Parteimitglied : CDU will Ex-NPD-Mann loswerden - Stefan Träger wehrt sich

Halle (Saale) - Aus Sicht der CDU ist Stefan Träger kein Parteimitglied.

Von Hagen Eichler 09.09.2017, 08:00

Mitte Oktober wird es wichtig bei der Börde-CDU. Der 800 Mitglieder starke Verband trifft sich zum Kreisparteitag, um einen Landratskandidaten auszuwählen. Die Personenkontrolle dürfte gründlicher ausfallen als sonst: Die Partei will verhindern, dass auch der frühere NPD-Funktionär Stefan Träger in den Saal gelangt.

Aus Sicht der Partei ist Träger kein Parteimitglied. Am Dienstag hatte der Landesvorstand seine im Vorjahr erfolgte Aufnahme widerrufen. Träger aber pocht auf seine Mitgliedschaft. „Mein Kontakt zur CDU beschränkt sich derzeit auf einzelne Mitglieder meines Kreisverbandes“, teilt Träger auf MZ-Anfrage mit. „Wenn ich in Zukunft wieder mehr Zeit für das Private finde, werde ich mich auch persönlich stärker in die CDU einbringen.“

Stahlknecht: Träger nur durch arglistige Täuschung aufgenommen worden

Für CDU-Kreischef Holger Stahlknecht muss das wie eine Drohung klingen. Er will Träger nicht haben. Als früherer NPD-Kandidat und auch als Angestellter eines AfD-Abgeordneten könne er unmöglich Christdemokrat sein, sagt Stahlknecht. Ohnehin sei Träger nur durch arglistige Täuschung aufgenommen worden.

Davon allerdings will der frühere Rechtsextreme nichts wissen, er spricht von einem „billigen Versuch“. Im Online-Formular zum Parteibeitritt sei er nach früheren Parteimitgliedschaften oder seinem jetzigen Arbeitgeber überhaupt nicht gefragt worden.

CDU steht ein langwieriger und höchst unangenehmer Streit bevor

Damit steht der CDU ein langwieriger und höchst unangenehmer Streit bevor. Bereits der erste Versuch, Träger loszuwerden, war gescheitert. Im Mai hatte Kreisgeschäftsführer Michel Földi in einem Schreiben an Träger bestritten, dass die Partei der Aufnahme zugestimmt hatte. Die zuständigen Gremien hätten dem Antrag „nicht entsprochen“, behauptete Földi - eine Unwahrheit. Tatsächlich hatte der Kreisvorstand am 13. September 2016 die Aufnahme abgesegnet - ohne zu wissen, wer da in die Partei geholt wurde.

Träger gibt sich geläutert. 2012 sei er aus der NPD ausgetreten, den Abschied vom rechtsextremen Milieu habe er aus eigener Kraft geleistet. Heute fühle er sich „konservativ-humanistischen Ideen“ verbunden, die am ehesten in der CDU vertreten würden. Allerdings hatte Träger nach Aussage des AfD-Abgeordneten Jan Wenzel Schmidt noch im vergangenen Jahr beim AfD-Wahlkampf geholfen. Wen er bei der Bundestagswahl wählen werde, wollte Träger nicht offenbaren. „Das entscheide ich traditionell in der Wahlkabine.“ (mz)