17.000 Betroffene

Spielsucht: Hilfsangebote in Sachsen-Anhalt stehen auf der Kippe

Magdeburg - 17000 Menschen in Sachsen-Anhalt zeigen Sucht-Symptome wie Spielsucht. Hilfsangebote stehen auf der Kippe.

Von Sophie Elstner

Hilfsangebote für Glücksspielsüchtige in Sachsen-Anhalt stehen auf der Kippe. Das Projekt „Prävention des Pathologischen Glücksspiels“ läuft zum Jahresende aus. Drei Suchtberatungsstellen in Sachsen-Anhalt, jeweils eine in Magdeburg, Halle und Wernigerode, kümmerten sich dabei bislang um Betroffene.

„Im schlechtesten Fall gibt es im kommenden Jahr keine spezielle Beratung für Glücksspielsüchtige mehr“, sagte Sozialpädagogin Katrin Dobbert von der Beratungsstelle der Magdeburger Stadtmission. „Die Lage ist wirklich prekär.“

Nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen in Sachsen-Anhalt rund 17 000 Menschen entsprechendes Suchtverhalten. Viele von ihnen tragen hohe Schulden mit sich herum.

Laut Innenministerium sind die Beratungszahlen in den letzten Jahren stetig gestiegen. „Nach acht Projektjahren war es, auch aus haushaltsrechtlichen Gesichtspunkten, geboten, die bisherige Förderung zu überprüfen“, erklärte Ministeriumssprecher Danilo Weiser.

Sachsen-Anhalt: Neue Förderrichtlinie für Projekte gegen Glücksspielsucht

Ab 2018 solle eine neue Förderrichtlinie für Projekte der Glücksspielprävention gelten. Ein Entwurf sei erarbeitet und werde derzeit mit dem Sozialministerium und dem Landesverwaltungsamt abgestimmt. Die Richtlinie solle zum 1. Januar 2018 in Kraft treten und so weiterhin Projekte der Glücksspielprävention ermöglichen.

Das Land Sachsen-Anhalt stellt laut Ministerium in jedem Jahr 200.000 Euro dafür zur Verfügung. „Auch im kommenden Jahr wird die Beratung von Glücksspielsüchtigen in Sachsen-Anhalt projektbezogen gefördert.“ Wie diese Förderung aussehen wird und welche möglichen Partner für die Betreuung Glücksspielsüchtiger in Frage kommen, sei noch unklar.

Laut Magdeburger Sozialministerium sind die meisten Glücksspielsüchtigen (70 Prozent) männlich und im Alter von 21 bis 25 sowie von 36 bis 45 Jahren. Besonderes Gefährdungspotenzial habe das Automatenspiel - rund 73 Prozent der Betroffenen seien Automatenspieler.

Doch auch der Markt des Online-Glücksspiels nehme zu. Mit neuen Angeboten würden neue Zielgruppen angesprochen. Nach Einschätzung des Ministeriums gibt es im Netz ein erhöhtes Gefährdungspotenzial. Wenn niemand zusieht, fühlen sich Spieler weniger kontrolliert. Und wer mit Kreditkarte zahlt, spürt den Geldverlust weniger.

„Glücksspielsucht ist noch einmal eine andere Hausnummer als Alkohol- oder Drogensucht“, erläuterte Katrin Dobbert. Denn bei einer Glücksspielsucht würden keine Gehirnzellen geschädigt. Jedoch: „Betroffene leiden häufig unter Wesensveränderungen“, so die Expertin. „Sie müssen ihre Sucht befriedigen, alles andere wird egal. Frauen berichten mir in der Beratung häufig, dass ihre Männer gefühlskalt werden.“ Das Spielen bringe das Belohnungssystem im Gehirn durcheinander.

Vor allem das Automatenspiel habe ein hohes Suchtpotenzial, weil in sehr kurzer Zeit Gewinne erzielt werden können. So werde viel Dopamin, ein „Glücksbotenstoff“, ausgeschüttet. Das Gedächtnis merke sich die hohe Dopaminmenge, und ähnlich wie bei einer Drogenabhängigkeit müsse der Betroffene nach und nach die Dosis steigern, um noch eine Wirkung zu spüren. Das heiße: Öfter spielen, mehr Geld einsetzen. Das sei eine Abwärtsspirale, deren Bremse häufig nur eine Therapie sein könne, sagte Dobbert. (mz/dpa)