Mindestsicherung

Sachsen-Anhalt: Bürger brauchen mehr Geld vom Staat

Halle (Saale) - In Sachsen-Anhalt haben im vergangenen Jahr 13,4 Prozent der Bevölkerung staatliche Leistungen zur Mindestsicherung erhalten.

Von Elisabeth Krafft 28.11.2016, 19:57

In Sachsen-Anhalt haben im vergangenen Jahr 13,4 Prozent der Bevölkerung staatliche Leistungen zur Mindestsicherung erhalten. Das sind zwar nur 0,1 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, Sachsen-Anhalt liegt damit jedoch merklich über dem Bundesdurchschnitt.

Bundesweit war 2015 fast jeder zehnte Bürger auf staatliche Unterstützung angewiesen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag mitteilte.

Ende vergangenen Jahres erhielten demnach fast acht Millionen Menschen und damit 9,7 Prozent der Bevölkerung Leistungen zur sozialen Mindestsicherung. In Sachsen-Anhalt bezogen 301 702 Menschen Hartz IV, Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder Regelleistungen nach dem Asylbewerber-Leistungsgesetz.

In Sachsen-Anhalt brauchen mehr Bürger Geld vom Staat als in Berlin, Bremen und Hamburg

Wie schon im Vorjahr waren die Menschen in Berlin mit 19,4 Prozent und Bremen mit 18,5 Prozent dabei am häufigsten auf Leistungen der sozialen Mindestsicherung angewiesen. Sachsen-Anhalt folgt Hamburg (13,9 Prozent) auf Platz vier.

Nachdem die Zahl der Hilfsempfänger im Land seit 2006 kontinuierlich gesunken war, stieg sie 2015 erstmals wieder an. Gut jeder siebte Bürger in Sachsen-Anhalt war im Jahr 2015 demnach auf finanzielle Unterstützung durch den Staat angewiesen.

Der stellvertretende Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, sieht als Grund für Sachsen-Anhalts Abschneiden vor allem die hohe Arbeitslosigkeit. Da viele Menschen im Land keinen Job hätten, seien sie auf finanzielle Unterstützung vom Staat angewiesen.

„Zudem ist die sachsen-anhaltische Bevölkerung im Bundesdurchschnitt am ältesten. Bei uns leben viele Rentner, die natürlich auf öfter krank sind“, sagt Holtemöller. Die Anzahl der Menschen, die 2015 in Sachsen-Anhalt Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung - etwa im Krankheitsfall - erhalten haben, ist im Vergleich zum Vorjahr von 24 017 auf 24.430 gestiegen.

Sachsen-Anhalt leidet unter der Abwanderung junger Menschen

Auch der Wegzug junger Menschen wird für das Land immer stärker zum Problem, wie Holtemöller sagt. „Das Wirtschaftswachstum im Land ist wenig dynamisch, es fehlt weiterhin an Arbeitsplätzen.“ Laut stellvertretendem Präsidenten des IWH ist der Anstieg von Hilfsempfängern im Land dennoch moderat - „immerhin geht es im Vergleich zu 2014 lediglich um 0,1 Prozentpunkte“.

Den bundesweiten Anstieg von Hilfsempfängern um 0,6 Prozentpunkte erklären die Statistiker des Bundesamtes in ihrer Pressemitteilung in erster Linie mit der Zunahme leistungsberechtigter Asylbewerber. Deren Zahl hat sich im Vergleich zu 2014 nämlich fast verdreifacht.

Auch in Sachsen-Anhalt erhielten mehr Menschen Regelleistungen nach dem Asylbewerbergesetz, wenn auch deutlich weniger als im Bundesdurchschnitt. Waren es im Jahr 2014 noch 12.701, sind es 2015 mehr als doppelt so viele: 30.073.

Die größte Gruppe der Hilfsempfänger in Sachsen-Anhalt war mit 80,3 Prozent (301.702 Menschen) jedoch die der Hartz-IV-Empfänger. Und das, obwohl deren Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 14.658 gesunken ist. (mz)