Problemschüler in Not

Problemschüler in Not: Sachsen-Anhalts Kinder brauchen besonders viel Hilfe

Magdeburg - In den Schulen des Landes wächst die Sorge um die Weiterbeschäftigung der Schulsozialarbeiter. 380 dieser Kräfte sind derzeit im Einsatz, doch die Finanzierung durch die Europäische Union endet voraussichtlich im Sommer 2020. Der Landtag steht vor der Frage, ob und wie er die Finanzierung künftig selbst schultern ...

Von Hagen Eichler und Jan Schumann
In Sachsen-Anhalt gibt es viele Schüler, die nicht einmal den Hauptschulabschluss schaffen. dpa

In den Schulen des Landes wächst die Sorge um die Weiterbeschäftigung der Schulsozialarbeiter. 380 dieser Kräfte sind derzeit im Einsatz, doch die Finanzierung durch die Europäische Union endet voraussichtlich im Sommer 2020. Der Landtag steht vor der Frage, ob und wie er die Finanzierung künftig selbst schultern kann.

Die Sozialarbeiter sind vor allem in Grundschulen, Sekundarschulen und Gemeinschaftsschulen im Einsatz. Sie sollen Probleme aus dem Weg räumen, die Schüler am Lernerfolg hindern. Dazu zählen etwa Sorgen in der Familie, Krankheit, Mobbing oder Drogenprobleme.

In Sachsen-Anhalt erreichen besonders viele Schüler nicht einmal einen Hauptschulabschluss

Sachsen-Anhalt hat besonders großen Bedarf: Nirgends gibt es einen derart großen Anteil an Schülern, die nicht einmal einen Hauptschulabschluss erreichen. Die Quote gescheiterter Schüler stieg in diesem Jahr auf 11,4 Prozent.

Die Koalition aus CDU, SPD und Grünen will daher die Schulsozialarbeit auf Landeskosten fortsetzen. Für die zweite Jahreshälfte 2020 hat der Haushaltsausschuss bereits 13 Millionen Euro reserviert, mit denen sich das Programm auf dem bisherigen Niveau fortsetzen ließe. Für 2021 sind 19 Millionen vorgesehen. Das ist jedoch zu wenig: Bliebe es bei dieser Summe, müsste die Zahl der Beschäftigten deutlich gekürzt werden.

Unterschriftensammlung soll Politik unter Druck setzen

In einigen Schulen kursieren bereits Unterschriftenlisten, um die Politik unter Druck zu setzen. „Wir wollen nach 2020 nicht auf Schulsozialarbeit, wie sie jetzt an vielen Schulen geleistet wird, verzichten“, heißt es etwa in einem Aufruf der halleschen Lessing-Grundschule.

Am Mittwoch wird die wachsende Unsicherheit Thema im Landtag. Die Regierungsparteien bekennen sich mit einem gemeinsamen Antrag zur Fortführung der Sozialarbeit aus Landesmitteln.

Allerdings lässt der Vorstoß offen, in welchem Umfang das wünschenswert und nötig ist. Bildungsminister Marco Tullner (CDU) solle bis zum Sommer 2019 ein Konzept vorlegen, heißt es in dem Antrag lediglich.

Mehr als die Hälfte der Schulen ohne Sozialarbeiter

Bislang fehlt es an landesweit einheitlichen Regeln, um den Bedarf einer Schule festzustellen. Gut die Hälfte der 760 öffentlichen Schulen im Land hat derzeit keinen Sozialarbeiter, die anderen haben einen, in seltenen Fällen auch zwei.

Entscheidend für die Zuteilung war ein Konzept, das Schulen gemeinsam mit einem freien Träger vorlegen konnten. Vielerorts hat zudem der Landkreis eine Prioritätenliste festgelegt.

Denkbar wäre, jeder Schule mindestens einen Sozialarbeiter zuzuteilen - das würde die Kosten allerdings zusätzlich in die Höhe treiben. Als Alternative könnte das Land lediglich Schulen mit nachgewiesenen Problemen fördern - etwa solche, in denen besonders viele Schüler den Unterricht schwänzen.

Bildungsminister Tullner: Realisierung von Ressourcen abhängig

Bildungsminister Tullner will sich noch nicht festlegen. Über die künftige Gestaltung werde er mit den fachlichen Akteuren sprechen. „Die Realisierung wird natürlich von den zur Verfügung stehenden Ressourcen abhängig sein“, sagte er der MZ.

SPD-Fraktionschefin Katja Pähle hält Schulsozialarbeit für unverzichtbar: „Sie sorgt dafür, dass Schule funktioniert.“ Die Grünen wollen darauf drängen, dass die Beschäftigten eine langfristige Perspektive bekommen. Auf die Bremse tritt hingegen die AfD. „Schulsozialarbeit sollte nur streng nach Bedarf finanziert werden“, sagte Hans-Thomas Tillschneider. (mz)