Lotto-Affäre

Lotto-Affäre: Wie eine verdächtige Großspielerin erneut der Befragung entkommt

Magdeburg - In der Affäre um undurchsichtige Sportwetten mit Millionengewinnen gilt Marie H. als Schlüsselfigur. An diesem Freitag sollte die frühere Lottoverkäuferin und Großspielerin vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags aussagen – daraus wird nun aber nichts. Das bestätigte der Ausschussvorsitzende Andreas Steppuhn (SPD) der ...

Von Hagen Eichler
Im Juli mussten die beiden Lotto-Geschäftsführer Maren Sieb und Ralf von Einem ihre Posten räumen. Der Aufsichtsrat wirft ihnen vor, ihn und die Glücksspielaufsicht über die Aktivitäten der Großspieler nicht informiert zu haben. www.imago-images.de

In der Affäre um undurchsichtige Sportwetten mit Millionengewinnen gilt Marie H. als Schlüsselfigur. An diesem Freitag sollte die frühere Lottoverkäuferin und Großspielerin vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags aussagen – daraus wird nun aber nichts. Das bestätigte der Ausschussvorsitzende Andreas Steppuhn (SPD) der MZ. 

„Frau H. hat uns mit einem Schreiben abgesagt“, erklärte er der MZ. Der Grund: H. lebt mittlerweile wieder in ihrer Heimat in Tschechien – und das Land ist mit zahlreichen Infektionen einer der Corona-Hotspots Europas.

Steppuhn sagte, der Untersuchungsausschuss müsse die Absage hinnehmen. „Das Schreiben ist in fehlerfreiem Deutsch abgefasst, vermutlich von einem Juristen.“

Es ist bereits das zweite Mal, dass die Befragung der früheren Verkaufsstelleninhaberin scheitert. Einer ersten Vorladung im Juli war sie zwar gefolgt. Allerdings brachte die Geschäftsfrau die Abgeordneten zur Verzweiflung, weil sie selbst einfache Fragen nicht verstanden haben wollte.

„Für das nächste Mal bestellen wir einen Dolmetscher", hatte Ausschuss-Chef Steppuhn damals angekündigt. Der Ausschuss war nicht einmal sicher, ob die richtige Person erschienen war – die Frau auf dem Zeugenstuhl hatte keinen Personalausweis bei sich.

Marie H. stammt aus einer mährischen Kleinstadt. 2017 hatte sie von Lotto Sachsen-Anhalt für einen Laden in Zerbst eine Konzession erhalten. Sofort schossen die Umsätze bei der Sportwette Oddset nach oben. 2018 war sie die umsatzstärkste Spielerin in ganz Deutschland, drei weitere Personen aus ihrem Umfeld lagen nur wenig hinter ihr. Die Millionengewinne alarmierten die Behörden, allerdings wurde bis heute kein strafbares Verhalten festgesellt.

Nach einem MZ-Bericht über die Vorgänge um den Zerbster Lottoladen ließ das Finanzministerium H. Anfang dieses Jahres die Konzession entziehen. Im Juli mussten die beiden Lotto-Geschäftsführer Maren Sieb und Ralf von Einem ihre Posten räumen. Der Aufsichtsrat wirft ihnen vor, ihn und die Glücksspielaufsicht über die Aktivitäten der Großspieler nicht informiert zu haben.

Zu den für diesen Freitag geladenen Zeugen gehört auch der Aufsichtsratsvorsitzende von Lotto Sachsen-Anhalt, Verkehrsminister Thomas Webel (CDU). (mz)