Reservierung von Medizin-Studienplätzen?

Landärzte dringend gesucht: Haseloff will Abiturienten aus Sachsen-Anhalt beim Medizinstudium bevorzugen

Magdeburg - Ministerpräsident Haseloff will Abiturienten aus Sachsen-Anhalt beim Medizinstudium bevorzugen. Warum nun gleich zwei seiner Minister abwinken.

Von Hagen Eichler 02.09.2018, 22:00

Die von Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) angekündigte Reservierung von Medizin-Studienplätzen für Bewerber aus Sachsen-Anhalt hat keine Aussicht auf Erfolg. Zu diesem Schluss kommen die zuständigen Minister Petra Grimm-Benne (Gesundheit) und Armin Willingmann (Wissenschaft, beide SPD). „Wir halten das für rechtlich nicht durchsetzbar“, sagte Willingmann auf MZ-Nachfrage. Bereits vor Jahrzehnten habe das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass Landeskinder-Quoten unzulässig seien.

Im April hatte die Landesregierung in einer Sondersitzung nach Antworten auf den Ärztemangel gesucht. Laut Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen-Anhalts (KV) sind aktuell 150 Hausarztstellen unbesetzt. Von wenigen Städten wie Halle, Magdeburg oder Bernburg abgesehen, fehlen Allgemeinmediziner im ganzen Land. Im Umland von Halle wären sofort 13 Stellen zu besetzen, in Dessau-Roßlau 13,5 und in Bitterfeld-Wolfen 10,5. „Außerdem haben wir sehr viele ältere Kollegen, die in den nächsten Jahren ausscheiden“, sagt KV-Chef Burkhard John. Die Situation werde sich dadurch noch verschärfen.

Kommt der Studienplatz gegen Verpflichtung?

Zwar bildet Sachsen-Anhalt in Halle und Magdeburg viele Mediziner aus. Ein Großteil davon verlässt das Land jedoch nach dem Studium. Die Landesregierung hatte daher im April beschlossen, einen Teil der Studenten vertraglich an sich zu binden. Fünf Prozent der Studienplätze - das wären etwa 22 pro Semester - sollten für solche Bewerber reserviert werden, die später zehn Jahre lang in Gegenden mit Ärztemangel arbeiten. Ministerpräsident Haseloff legte sich darüber hinaus darauf fest, dass diese Landärzte auch aus Sachsen-Anhalt kommen sollen. Bereits in der damaligen Kabinettssitzung gab es Bedenken, ob das rechtlich möglich ist.

Dennoch bekräftigte Haseloff: „Das dürfen ausschließlich Landeskinder sein.“ Die für Gesundheit und Wissenschaft zuständigen Minister setzen nun darauf, dass die Landarztquote auch ohne Beschränkung auf Landeskinder funktioniert. Bei der Auswahl soll nicht nur die Abiturnote zählen, sondern auch Vorerfahrung etwa als Pfleger oder Rettungssanitäter. Das Praktizieren in unterversorgten Gebieten soll per Vertrag geregelt werden.

Kassenärztliche Vereinigung will Auswahl von Quoten-Studenten übernehmen

„Wir prüfen, wie man das mit Sanktionen verbinden kann“, sagte Wissenschaftsminister Willingmann. Er verweist auf die Erfahrungen der Bundeswehr - die bietet seit Jahrzehnten einen Studienplatz gegen die Verpflichtung, anschließend eine Anzahl von Jahren in Uniform zu praktizieren.

Federführend für das Thema ist Sozialministerin Grimm-Benne. Sie soll dem Kabinett noch im September eine Regelung vorlegen. Im Herbst kommenden Jahres sollen die ersten Quoten-Studenten anfangen.

Die Auswahl geeigneter Kandidaten will die Kassenärztliche Vereinigung übernehmen. KV-Chef John glaubt, dass die Idee Erfolg verspricht. „Oft heißt es, dass sich niemand auf eine spätere Tätigkeit als Allgemeinmediziner festlegen will. Die Universität Halle hat das aber widerlegt.“ Dort gibt es die „Klasse Allgemeinmedizin“ - Studenten in dieser Klasse können ein Stipendium von monatlich 800 Euro erhalten und müssen dafür anschließend als Landarzt arbeiten.

In einem anderen Programm hat die Kassenärztliche Vereinigung für zwölf Studenten die Studiengebühren an der Privat-Uni Witten/Herdecke übernommen. Dieses Programm werde aber nicht fortgesetzt, so KV-Chef John. (mz)