„Kein Nischenthema mehr“

„Kein Nischenthema mehr“: Sachsen-Anhalt will bei E-Mobilität an die Spitze

Halle (Saale) - Das Land plant Förderung, um das Netz der Ladestationen enger zu knüpfen. Vor allem abseits der Städte klaffen große Lücken.

Von Ralf Böhme 19.12.2016, 08:00
Tanken mit Strom: Ein Ladestecker steckt in einem Elektroauto.
Tanken mit Strom: Ein Ladestecker steckt in einem Elektroauto. dpa

Sachsen-Anhalt will bei der Elektromobilität an die Spitze. Dazu entwirft  das Land  ein  Förderprogramm.  Mehr als 30 Millionen Euro sollen  zur Verfügung stehen.   Ein beträchtlicher Teil der Mittel stammt von der Europäischen Union. Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) gibt die Richtung vor: „Elektromobilität ist kein Nischenthema mehr.“

Das große Ziel ist die Entwicklung intelligenter Verkehrssysteme, ein erster Schritt der Ausbau von öffentlichen Ladestationen für  elektrisch angetriebene Autos.  Andreas Tempelhof, Sprecher im  Verkehrsministerium: „Das Geld soll kommunale Vorhaben  unterstützen.“   Städte, Gemeinden und Landkreise könnten ab 2017 Förderanträge stellen.

Bis 2023  soll Sachsen-Anhalt  dann zu den Vorreitern auf diesem Gebiet gehören.   Der Weg   ist allerdings weit. Noch gehört die Region, so der  Landesverband Erneuerbare Energie,  bundesweit zu den Schlusslichtern.    In der Statistik, die  die  Ladesäulen pro 1.000 Quadratkilometer berechnet, kommt  Sachsen-Anhalt auf eine Quote  von 2,8. 

Anzahl der Ladestellen nahezu verdoppelt

Das Netz besteht aus  77 Säulen mit 160 Lademöglichkeiten. Damit spielt das Land in einer Liga mit Schleswig-Holstein, erreicht aber  nur  ein  Zehntel des Angebotes von  Baden-Württemberg und Bayern.   Im Vergleich zu 2012 verdoppelte sich  hierzulande zwar die  Anzahl der Ladestellen.  Die Zahl der E-Mobile aber wächst immer  schneller. Mittlerweile sind  in Sachsen-Anhalt 250 Fahrzeuge   angemeldet. Vor fünf Jahren waren es  erst 50 Autos.  

Ein Eckpunkt des Förderprogramms sind direkte Zuschüsse für  den Aufbau neuer Ladestationen. Gedacht ist  an eine Vervierfachung des Fonds auf mindestens 350.000 Euro. Das würde Zuschüsse für 120 bis 180 Ladestellen ermöglichen.

Zur Zeit  werden Nutzer von Elektromobilen am ehesten in den großen Städten fündig. Suchportale weisen für Halle bis zu 17 derartige Hochleistungssteckdosen aus, in Magdeburg sind es neun. In der Lutherstadt Wittenberg können dagegen nur  drei Autos gleichzeitig ihre Batterien schnell auffrischen. Und im ländlichen Raum sieht es noch schlechter aus. „Dieser Mangel muss und soll behoben werden“, sagt Ruth Brand-Schock. Präsidentin des Landesverbandes Erneuerbare Energien. 

„Sachsen-Anhalt muss aufholen“

Das Thema elektrisiert  den Landtag. Die jüngste Debatte zur E-Mobilität zeigte eine seltene Übereinstimmung der Parteien.  Frank Scheurell, verkehrspolitischer Sprecher  der CDU, bringt es so auf den Punkt:  „Sachsen-Anhalt muss aufholen, der erreichte Stand ist nicht zufriedenstellend.“ 

Cornelia Lüddemann von den Grünen zufolge besitzt Sachsen-Anhalt  das Zeug, um Land der Elektromobilität zu werden. Das wäre zudem die logische Ergänzung zu dem, was auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien erreicht  worden sei.

Neue Impulse erwartet  das Land nun vom Forschungsprojekt „Grüne Mobilitätskette“.  4,2 Millionen Euro sind in das Modell geflossen, das Ladesäulen an Bahnhöfen, elektro-mobile Fuhrparks sowie Auskunfts- und Buchungssysteme miteinander verknüpft. Im Verlauf des auf zwei Jahre angelegten Experiments sind zehn E-Autos angeschafft  und 17 Ladesäulen aufgebaut worden.

Was möglich ist, soll auch ein erst   kürzlich beendeter landesweiter Praxistest von Elektrofahrzeugen  in Wirtschaft und Verwaltung zeigen.   Die Auswertung ist allerdings noch nicht abgeschlossen.  (mz)