Wissenschaft statt Kohleförderung

In Sachsen-Anhalt entsteht Forschungszentrum - Ausrichtung noch unklar

Von Von Steffen Höhne
Die Kohlebagger gehen, ...
Die Kohlebagger gehen, ... Foto: DPA

Halle (Saale) - Für die Bewältigung des Braunkohle-Ausstiegs sollen Milliarden nach Sachsen-Anhalt fließen. Dass als eines der ersten Projekte die Reinigung des Naumburger Doms vorgenommen wurde, stieß vielen Menschen im Revier auf. Die Kritik an der Mittelvergabe war groß. Nun nehmen auch die wissenschaftlichen Großprojekte Fahrt auf, auch wenn die inhaltliche Ausrichtung noch offen ist.

.. Spitzenforschung soll kommen.
.. Spitzenforschung soll kommen.
(Foto: dpa)

In Sachsen-Anhalt soll ein Teil eines neuen länderübergreifenden Großforschungszentrums entstehen. Bund und Länder haben die Ansiedlung am Mittwoch beschlossen, wie die Staatskanzlei in Magdeburg mitteilte. Die Investitionshöhe ist immens: Bis 2038 sollen 1,2 Milliarden Euro fließen - davon 380 Millionen nach Sachsen-Anhalt. „Arbeitsplätze in Zukunftsbranchen sind unser wichtigstes Ziel. Deshalb wollen wir den Strukturwandel gestalten, um langfristige wirtschaftliche Perspektiven in den Braunkohleländern zu eröffnen“, erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU).

Welche Zukunftsbranchen gemeint sind, kann Karliczek allerdings noch nicht sagen. Dazu heißt es lediglich: „Aktuell läuft für die inhaltliche Ausrichtung und den Aufbau des Forschungszentrums ein international ausgeschriebener Ideenwettbewerb.“ Kurz: Das Geld ist da, man weiß aber noch nicht so genau, wofür man es eigentlich ausgeben will. Laut Staatskanzlei liegen inzwischen 100 Projektskizzen vor, bis Mitte 2022 soll entschieden werden.

Neues Forschungszentrum: Standort in Sachsen-Anhalt und in Sachsen

Sicher ist, dass das neue Forschungszentrum sowohl in Sachsen-Anhalt als auch in Sachsen Standorte haben wird. Welche das sind, ist noch offen. „Es ist wichtig, dass wir das Mitteldeutsche Revier als einen gemeinsamen Wirtschaft- und Innovationsstandort entwickeln - Landesgrenzen dürfen dabei keine Rolle spielen“, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Doch nicht nur länderübergreifend soll kooperiert werden. Es soll laut Karliczek eine enge Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Forschung geben. Das heißt, es dürfte sich nicht um Grundlagenforschung handeln.

Laut dem „Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen“ soll die Gründung „eines Großforschungszentrums nach Helmholtz- oder vergleichbaren Bedingungen“ vorgenommen werden. Zur Helmholtz Gemeinschaft gehören unter anderem das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum in Köln (Nordrhein-Westfalen) und das Umweltforschungszentrum in Leipzig (Sachsen). Insgesamt arbeiten 18 Forschungszentren unter diesem Dach. In Sachsen-Anhalt gibt es bisher jedoch keinen Standort.