Hotelaffäre

Hotelaffäre: AfD-Vize lockte die gekündigte Referentin mit einer Stelle - warum?

Magdeburg - Sachsen-Anhalts AfD-Vize lockte die gekündigte Referentin mit einer Stelle - warum?

Von Hagen Eichler

Am Mittwoch versucht es der AfD-Abgeordnete Andreas Mrosek noch mit einem Dementi. Nein, von einem sexuellen Übergriff durch den Kollegen Matthias Büttner habe er nichts geahnt. „Ich habe davon erst aus den Medien erfahren“, beteuert er auf Nachfrage der Mitteldeutschen Zeitung. Am späten Donnerstagabend räumt er dann ein, dass es doch anders war. Schon am 11. Dezember wusste er, dass die AfD-Mitarbeiterin Lena K. Büttner beschuldigte. Damit steht erneut in Frage, warum der Frau zehn Tage später gekündigt wurde: Ging es um Vertuschung?

Sprachnachricht von Mrosek: Die Frau sei „einfach krank, echt krank“

Mrosek ist nicht irgendwer in der Partei. Er ist stellvertretender Landesvorsitzender und wurde als Bundestagskandidat nominiert. Dass er am Donnerstag seine Aussage korrigieren muss, hat einen Grund: Jegliches Leugnen ist zwecklos. Es existiert eine Sprachnachricht vom 11. Dezember, in der Mrosek einem Mitglied der AfD-Jugendorganisation Neuigkeiten aus der Landtagsfraktion berichtet. Er schildert vor allem einen Konflikt zwischen Büttner und dessen Referentin Lena K. Die Frau sei „einfach krank, echt krank“, erzählt Mrosek. Wörtlich: „Die rennt über den Landtagsflur und schreit: ,Er hat mich sexuell belästigt’ und so weiter.“

Als Mrosek diese frühere Aussage am Mittwoch gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung dementiert, platzt dem Empfänger der Sprachnachricht der Kragen. Kay S. verschickt die aufschlussreiche Datei kurzerhand über eine parteiinterne WhatsApp-Gruppe. Er sei schockiert darüber, welche Zustände in der Fraktion herrschen, schreibt der Student. Er sei enttäuscht, „vor allem von dir, Andreas“. Die AfD reagiert auf so viel Offenheit sofort: S. wird aus der Gruppe geworfen.

Mrosek gerät nun durch neue Details in noch größere Erklärungsnot. Denn am Silvestertag war er ein weiteres Mal in den Fall Lena K. verwickelt. Das belegen Chat-Nachrichten, die der Mitteldeutschen Zeitung vorliegen.

Vergewaltigungsvorwurf gegen Büttner: Mrosek machte überraschend Avancen auf einen Job in Berlin

Ende Dezember berichteten erstmals Medien über den Vergewaltigungsvorwurf. Mrosek meldet sich daraufhin bei der entlassenen Referentin. Und er macht jener Frau, die er noch kurz zuvor als psychisch krank dargestellt hatte, überraschend Avancen auf einen Job in Berlin. „Wenn ich es schaffen sollte, in den Bundestag einzuziehen, bin ich weg von Magdeburg“, schreibt Mrosek. „Ich brauche dort Referenten.“ Als K. seinen Magdeburger Mitarbeiter vorschlägt, lehnt Mrosek ab. Der sei allenfalls gut für Sachsen-Anhalt, schreibt er und ergänzt kaum verklausuliert: „Was machen Sie jetzt beruflich?“

Doch Mrosek lockt nicht nur - er hat ein Anliegen. Offensichtlich treibt ihn die Frage um, was K. über Mitwisser weiß. Er selbst habe vom Vorwurf sexueller Nötigung nichts geahnt, schreibt er - wahrheitswidrig. Und er bohrt nach: „Wem war es bekannt? Namen nennen! ... Ich will die absolute Wahrheit wissen, ohne Presse.“

Letzteres scheiterte. Mrosek sagt auf Nachfrage, mit der Job-Avance habe er Lena K. „Informationen darüber entlocken wollen, was wirklich passiert ist.“ Als Referentin für Berlin sei sie nie in Frage gekommen, „nach all dem, was ich von ihr wusste“.

(mz)