Feuerfalle

Feuerfalle: Warum Elektroautos für Feuerwehren im Ernstfall ein großes Problem sind

Magdeburg - E-Autos sollen Deutschlands Straßen sauberer machen. Doch für die Feuerwehren sind sie im Ernstfall ein großes Problem, wie ein aktueller Fall zeigt.

Von Jan Schumann 24.01.2019, 11:00

Für viele sind sie die Hoffnung auf einen sauberen Verkehr, da diese Fahrzeuge lokal keine Schadstoffe ausstoßen. Immer mehr E-Autos auf den Straßen beschäftigen aber auch die Retter, die im Notfall ausrücken: Vor allem die Lithium-Batterien der Fahrzeuge stellen die Feuerwehren vor große Probleme.

Jüngstes Beispiel aus Sachsen-Anhalt: Im November brennt ein elektrischer „Streetscooter“ der Deutschen Post in Runthal (Burgenlandkreis) vollständig aus. Das Unternehmen hat eine ganze Flotte dieser Transportwagen - doch das Wrack des modernen E-Autos ist am Ende so verkohlt, dass nicht einmal das Nummernschild zu sehen ist. Die Feuerwehr Teuchern dokumentiert den Fall mit Fotos.

Bei Brand in Runthal trat hochtoxischer und ätzender Fluorwasserstoff aus

Der Brand war hochgefährlich. Denn die Lithium-Ionen-Hochspannungsbatterien standen in Flammen, es trat „hochtoxischer und ätzender Fluorwasserstoff aus“, wie SPD-Innenpolitiker Rüdiger Erben schildert. Die Landesregierung räumt auf seine Anfrage ein: „Bei Bränden von Lithium-Batterien besteht die Gefahr der explosionsartigen Freisetzung des Inhalts der Akkumulatoren, die Gefahr der Brandausbreitung sowie die Gefahr durch elektrischen Strom.“

Für Feuerwehrleute ist dies ein enormes Problem. Zumal diese in Sachen-Anhalt offenbar nur bedingt auf solche Fälle vorbereitet sind. Feuerwehrverbandschef Kai-Uwe Lohse sagt: „Ich würde in solchen Brandfällen zu Pulver oder Schaum greifen - Selbstschutz geht aber vor.“ Denn sobald die Autoakkus brennen würden, bestehe äußerst hohe Explosionsgefahr.

„Dann würde ich in Deckung gehen“, so Lohse. In diesen Fällen könne es am sichersten sein, die Fahrzeuge abbrennen zu lassen, wenn davon keine weitere Gefahr ausgehe. „Ich würde grundsätzlich mit äußerster Vorsicht agieren. Das sind Hochenergieakkus. Das ist in etwa so, wie wenn man zu Hause an der Hochspannung herumspielt.“ Mit Wasser sei das Löschen ohnehin nicht möglich.

Immer mehr Elektroautos - Gefahren für Einsatzkräfte steigt

Offenbar sieht auch die Landesregierung Nachholbedarf bei den Feuerwehren: Sie will im laufenden Jahr ein Merkblatt mit dem Titel „Einsätze und Zusammenhang mit Lithium-Ionen-Akkumulatoren“ erstellen. Zugleich erklärt sie, das richtige Verhalten bei Akkubränden gehöre bereits zur Polizeiausbildung. SPD-Mann Erben sieht großen Bedarf an weiterer Schulung - vor allem für die Feuerwehren.

„Die Zahl der Fahrzeuge mit Hochvolt-Batterien nimmt auf unseren Straßen beständig zu“, damit würden auch die Gefahren für Einsatzkräfte steigen. „Bis zu 72 Stunden nach dem Brand können sich solche Batterien noch selbst entzünden“, sagt Erben. „Die Feuerwehren wissen viel zu wenig über diese Gefahren. Deshalb müssen sie einen Ausbildungsschwerpunkt bilden. Auch sehe ich die Hersteller in der Pflicht.“

Allerdings gilt: Der Anteil der E-Autos auf Sachsen-Anhalts Straßen ist minimal. 2017 machten sie 0,05 Prozent aller zugelassenen Wagen aus. Trotzdem warnt Feuerwehrverbandschef Lohse davor, den Anschluss beim Technikwissen zu verpassen. „Die Fahrzeuge werden immer populärer und größer, die Entwicklung ist rasant. Es vergeht kein Monat, in dem nicht ein neues Batteriefahrzeug auf den Markt kommt.“ Auch er durchschaue die technische Entwicklung kaum noch - am Ende sei dies ein Problem jener Retter, die im Notfall helfen sollen. (mz)