Wie das Kaninchen vor der AfD

Die Abgrenzungsdebatte zeigt die Unsicherheit in der Landes-CDU

Von Kai Gauselmann
Anfang Juni wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. (Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa)

Halle (Saale) - Den Christdemokraten in Sachsen-Anhalt flattern offenbar die Nerven. Die Maskenaffäre im Bundestag und das Gezerre um die Kanzlerkandidatur haben Punkte gekostet: In einer „Bild“-Umfrage kommt die CDU in Sachsen-Anhalt auf 26 Prozent - lediglich zwei Prozentpunkte mehr als die AfD. Und es ist nur noch gut einen Monat hin bis zur Landtagswahl.

Für eine Partei, für die es zuletzt normal war, mit ordentlich Abstand Wahlen zu gewinnen, ist das ein neues und ungewohntes Gefühl: den heißen Atem der Konkurrenz im Nacken zu spüren - und kämpfen zu müssen, um nicht das Nachsehen zu haben.

Tatsächlich könnte es richtig spannend werden. Sollte die AfD am 6. Juni erstmals die stärkste politische Kraft werden, wäre das ein historischer Einschnitt, der das politische System schwer erschüttern würde - mit unabsehbaren Folgen für Sachsen-Anhalt.

Was-wäre-wenn-Debatten wirken vor diesem Hintergrund nicht selbstbewusst und kämpferisch, sondern eher so, als erstarre das CDU-Kaninchen vor der AfD-Schlange. Objektiv gesehen gibt es dafür keinen Grund. Keine Umfrage zeigt eine Wechselstimmung. Ministerpräsident Reiner Haseloff hat die höchsten Popularitätswerte. Und gerade eben erst hat ein Christdemokrat gezeigt, wie man die AfD besiegt: Götz Ulrich hat nie versucht, mit der AfD zu kooperieren oder sie rechts zu überholen - er hat sein Amt als Landrat mit einem liberalen Kurs der Mitte locker verteidigt. Dabei war sein Burgenlandkreis bei der Landtagswahl 2016 noch ein Zentrum des AfD-Erfolgs.

Klarer als Haseloff und Landesparteichef Sven Schulze kann man eine Zusammenarbeit mit der teilweise rechtsextremen AfD nicht ausschließen. Dass dennoch eine solche innerparteiliche Debatte aufkommt, zeigt, wie verunsichert die CDU-Basis ist. (mz)

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