Der Osten arbeitet länger

Der Osten arbeitet länger: So viele Überstunden leisten Sachsen-Anhalter

Halle (Saale) - Beschäftigte in den neuen Bundesländern arbeiten länger als im Westen - und verdienen weniger. Im vergangenen Jahr leisteten Arbeitnehmer im Westen im Schnitt 1.279 Arbeitsstunden, im Osten mit Berlin waren es 1.346 Stunden. Zugleich lagen die Jahres-Bruttolöhne je Arbeitnehmer im Westen mit 35.084 Euro um fast 5.000 Euro höher als im Osten mit ...

Beschäftigte in den neuen Bundesländern arbeiten länger als im Westen - und verdienen weniger. Im vergangenen Jahr leisteten Arbeitnehmer im Westen im Schnitt 1.279 Arbeitsstunden, im Osten mit Berlin waren es 1.346 Stunden. Zugleich lagen die Jahres-Bruttolöhne je Arbeitnehmer im Westen mit 35.084 Euro um fast 5.000 Euro höher als im Osten mit 30.172 Euro.

In Sachsen-Anhalt wird dabei mit 1.362 Stunden am zweitlängsten gearbeitet, aber mit 28.607 Euro am zweitwenigsten verdient. Das ergeben Daten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern, die die Linke-Bundestagsfraktion ausgewertet hat.

Darum verdient der Osten weniger - und arbeitet länger

„Die Hauptursache für geringere Löhne und höhere Arbeitszeit im Osten ist in der immer noch deutlich niedrigeren Arbeitsproduktivität hierzulande zu suchen“, bewertet Steffen Müller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) die Zahlen. Die Wirtschaftsleistung pro Beschäftigtem liege im Osten um knapp 20 Prozent unter dem westdeutschen Niveau.

„Um trotz geringerer Produktivität wettbewerbsfähig zu sein – das heißt um die gleichen Lohnstückkosten zu erreichen – muss pro Beschäftigtem mehr Stunden gearbeitet werden und/oder geringere Löhne gezahlt werden“, sagte der Arbeitsmarktexperte der MZ. Beides geschehe und im Ergebnis lägen die Lohnstückkosten pro Beschäftigtem trotz längerer Arbeitszeit und geringeren Löhnen in Ostdeutschland leicht über denen in Westdeutschland.

Osten muss Produktivität steigern

Der Schlüssel zu höheren Löhnen und kürzerer Arbeitszeit liegt laut Müller in Produktivitätssteigerungen. „Dies erfordert eine gemeinsame Anstrengung von Beschäftigten und Betrieben“, so Müller. Die Ost-Arbeitgeber müssten in eine Erhöhung der Produktivität investieren.

Sabine Zimmermann, Sozialexpertin der Linken im Bundestag, kritisiert die Spaltung am Arbeitsmarkt mehr als ein Vierteljahrhundert nach der Wende. „Die Bundesregierung hat sich offensichtlich mit einem Sonderarbeitsmarkt Ost abgefunden. Das ist nicht akzeptabel.“

Ein wesentlicher Schlüssel für eine weitere Angleichung sei eine Stärkung der im Osten deutlich schwächeren Tarifbindung. Die Linken fordern deshalb unter anderem eine Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro die Stunde.

Verdienste auch regional unterschiedlich

Als Ursachen für Unterschiede gelten unter anderem tarifliche Regeln. Wochenarbeitszeiten von 40 Stunden hatten im Westen noch acht Prozent der Tarifbeschäftigten, im Osten aber 40 Prozent, wie eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung von 2017 ergab. Einfluss haben etwa auch die Zahl der Feiertage und der Anteil von Vollzeit, Teilzeit und geringfügiger Beschäftigung.

Wie hoch Verdienste regional ausfallen, kann davon abhängen, ob es Firmen mit gut bezahlten Jobs gibt. Einfluss auf die Gehaltshöhe hat auch die Qualifikation von Arbeitnehmern. Über die Kaufkraft sagt die Höhe der Bruttolöhne allein noch nichts aus - dies hängt von den Lebenshaltungskosten ab, die sich regional ebenfalls unterscheiden. (mz/dpa)