Zwischen Wein und Virus

Corona-Modellprojekte in Sachsen-Anhalt laufen an

Deutschland debattiert über einen neuen Lockdown, Sachsen-Anhalt öffnet Harzer Gastronomie und zwei Hotels. Andere Kommunen wollen folgen.

Magdeburg. Mit der Öffnung der Freiluftgastronomie in neun Städten im Harz wagt Sachsen-Anhalt von diesem Freitag an die nächsten Lockerungsschritte in der Corona-Politik. In Quedlinburg, Wernigerode, Ballenstedt, Blankenburg, Falkenstein, Harzgerode, Ilsenburg, Oberharz und Thale dürfen Cafés, Gaststätten und Restaurants Gäste im Freien bedienen. Voraussetzung ist ein tagesaktueller negativer Corona-Test. Gastronomen und Veranstalter in anderen Landesteilen wollen nachziehen.

Mit Modellprojekten wie diesen will die Landesregierung die Möglichkeiten für weitere Lockerungen austesten. Eine flächendeckende Freigabe ist nicht geplant. Neben den Wirten der neun Harz-Städte hat auch der Hotelier Clemens Ritter von Kempski eine Erlaubnis erhalten, seine zwei Hotels in Stolberg (Mansfeld-Südharz) zu öffnen.

Ab dem 16. April können Urlauber aus ganz Deutschland einchecken, auch hier ist ein negativer Test nötig. „Wir sind bundesweit die erste Hotelkette, die mit einem selbstkonzipierten Modellprojekt touristische Gäste aufnehmen darf“, sagte Kempski. „Wir machen das, auch wenn wir da hochdefizitär rausgehen.“ Nach seinen Angaben werden nur 70 Prozent der Zimmer belegt.

Corona-Modellprojekte sind hochumstritten

Die Öffnungsversuche sind umstritten. Ende März hatten die Bundeskanzlerin und die Regierungschefs der Länder beschlossen, befristete Modellprojekte „in einigen ausgewählten Regionen“ zu erlauben. Das Saarland erklärte daraufhin die gesamte Landesfläche zum Modellprojekt. Seit Dienstag sind dort Außengastronomie, Fitnessstudios, Theater und Kinos geöffnet. Bayern hingegen entschied am Mittwoch, die Modellversuche um mindestens zwei Wochen zu verschieben.

Voraussichtlich am Montag wollen sich die Regierungschefs von Bund und Ländern treffen, um über den weiteren Kurs in der Pandemie zu beraten. Bundeskanzlerin Angela Merkel?(CDU) hat signalisiert, dass sie einen konsequenten und bundesweit einheitlichen Lockdown befürwortet.

Eine Regierungssprecherin in Berlin verwies zur Begründung auf die hohe Zahl von Corona-Erkrankten auf den Intensiv-stationen. Die Zahl der freien Intensivbetten fiel am Donnerstag bundesweit auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Pandemie vor mehr als einem Jahr. Sachsen-Anhalt liegt bei den Infektionszahlen bundesweit an dritter Stelle. Die Sieben-Tage-Inzidenz betrug am Donnerstag laut Landesgesundheitsministerium 148.

Sachsen-Anhalt hält an Modellprojekten fest

Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) sieht die Modellprojekte als wichtige Versuchsballons. „Wir wollen herausfinden, ob die Tests und die elektronische Nachverfolgung funktionieren“, sagte er der MZ. Bei einem Erfolg könne dann beispielsweise auch der Einzelhandel öffnen. Auch die CDU-Fraktion im Landtag drängt darauf, Einschränkungen für die Wirtschaft zurückzunehmen. Überall dort, wo das Infektionsgeschehen überschaubar sei, müsse sich das gesellschaftliche Leben normalisieren, forderte der CDU-Wirtschaftspolitiker Ulrich Thomas.

Interesse an Modellprojekten gibt es in vielen Landkreisen. Der Landkreis Börde möchte die Außengastronomie und die Hotels öffnen. „Die Genehmigung durch das Ministerium steht derzeit noch aus“, sagte ein Kreissprecher. Im Landkreis Wittenberg plant das Veranstaltungsgelände Ferropolis ein Konzert mit 5.000 Besuchern und die Öffnung des Campingplatzes. Magdeburg arbeitet an einem Antrag für kulturelle Veranstaltungen, Öffnungen in der Gastronomie und im Sport. Andere Kommunen, darunter Halle, haben wegen hoher Infektionszahlen auf Modellprojekte verzichtet. (mz/Hagen Eichler)