Amtsgericht stimmt Schutzschirmverfahren zu

Bahnunternehmen Abellio ist insolvent 

Von Steffen Höhne
Das Firmenlogo des Verkehrsunternehmens Abellio  auf einem Triebwagen.
Das Firmenlogo des Verkehrsunternehmens Abellio auf einem Triebwagen. (Foto: dpa/symbol)

Halle (Saale)/MZ - Der Bahnbetreiber Abellio muss saniert werden. Das Unternehmen hat die Einleitung eines sogenannten Schutzschirmverfahrens beantragt.  Das Amtsgericht Berlin Charlottenburg hat dem zugestimmt.  „Der Schritt unter den Schutzschirm ist nach über anderthalb Jahren intensiver Verhandlungen mit den regionalen Aufgabenträgern die beste Option, den Unternehmenserfolg langfristig zu sichern“, sagte Abellio-Chef Michiel Noy. Der Bahnbetrieb soll zunächst unvermindert weitergehen. „Eine Einschränkung für die Fahrgäste soll es nicht geben“, so Noy weiter. 

Abellio betreibt mit mehr als drei Milliarden Euro Förderung in Sachsen-Anhalt zwei große Liniennetze, dazu zählen so nachfragestarke Strecken wie Halle-Erfurt oder Magdeburg-Wolfsburg. Die Verträge laufen bis Ende 2030 und Ende 2032. Das Unternehmen hatte bei Ausschreibungen den Zuschlag erhalten, weil es jeweils das günstigste Angebot abgegeben hatte. Kritiker sprachen damals von Kampfpreisen. 

Abellio: Massive Kostensteigerungen zwingen Bahnbetreiber in die Knie

Der Bahnbetreiber begründet die finanzielle Schieflage mit massiven Kostensteigerungen, die nicht absehbar gewesen waren. Konkret heißt es: „Es handelt sich dabei um Kosten für höhere Personalbedarfe als Ergebnis neuer Tarifvereinbarungen sowie gestiegene Rekrutierungs- und Ausbildungskosten angesichts zusätzlichen Bedarfs an Zugpersonal. Hinzukommen erhebliche Baustellenfolgekosten durch umfangreiche Investitionen in das Schienennetz.“ Das Unternehmen verhandelte zuletzt unter anderem mit dem Land Sachsen-Anhalt über zusätzliche Zuschüsse für den Bahnverkehr. Eine Einigung gab es aber nicht in allen Punkten. 

Das nun eingeleitete Schutzschirmverfahren ist eine spezielle Form der Insolvenz, bei der die Unternehmensführung aber weiter die Führung des Unternehmens Inne hat. Das Unternehmen hat den halleschen Insolvenzverwalter Lucas Flöther engagiert, der als Generalbevollmächtigter die Sanierung unterstützen soll. „Abellio verfügt über eine gute Perspektive, sich mit geeigneten Restrukturierungsmaßnahmen zu sanieren“, sagte Flöther. Die Löhne und Gehälter für die etwa 3.100 Mitarbeiter in Deutschland seien gesichert.