Ausbildung

Ausbildung Sachsen-Anhalt: Pflege-Azubis sind jetzt Topverdiener

Halle (Saale) - Auszubildende in der Krankenpflege verdienen in Sachsen-Anhalt das meiste Geld.

Von Steffen Höhne

Zwischen den höchst- und niedrigstbezahlten Azubis in Sachsen-Anhalt klafft eine riesige Lohn-Lücke. Auszubildende in Pflegeberufen erhalten im ersten Lehrjahr eine Vergütung von 1040 Euro brutto im Monat. Damit verdienen sie sogar mehr als Lehrlinge in Banken.

Am Ende der Skala befinden sich Friseure mit 153 Euro - das ist gleichzeitig die geringste Vergütung im dualen Ausbildungssystem bundesweit. Die Entgelte wurden in Tarifverträgen vereinbart. Nicht tarifgebundene Firmen dürfen davon nur um 20 Prozent abweichen, erklärte das Arbeitsministerium Sachsen-Anhalt.

Die vergleichsweise hohe Bezahlung in den Pflegeberufen geht vor allem auf die kirchlichen und kommunalen Arbeitgeber wie Diakonie, Caritas und DRK zurück, die ihre Löhne an den Öffentlichen Dienst anlehnen. „Die ordentlichen Entgelte führen dazu, dass die Ausbildungszahlen seit Jahren steigen“, sagt Friedhelm Fiedler, Vizepräsident des Arbeitgeberverbandes Pflege.

Ganz anders bei den Friseuren: Seit Jahren sinken die Bewerberzahlen. Stand August 2017 gab es in Sachsen-Anhalt laut Landesarbeitsagentur 131 Bewerber im Friseurgewerbe. Diesen standen 229 offene Lehrstellen gegenüber. Das heißt, die Firmen können nicht alle Plätze besetzen. „Neben der geringen Vergütung macht auch die mangelnde Ausbildungsqualität die Lehre unattraktiv“, sagt Oliver Greie, Landesbezirksleiter der Gewerkschaft Verdi. Azubis müssten von Sozialhilfeleistungen leben.

Friseur-Ausbildung trotz schlechter Bezahlung vor allem bei Mädchen gefragt

Trotz des Niedriglohns gehört Friseurin weiter zu den Top zehn der Mädchenberufe. Da der Großteil der Auszubildenden noch bei den Eltern wohnt, beziehen sie meist keine Sozialleistungen.

Die Innungsobermeisterin Heidrun Grille der Friseur-Innung Weißenfels hält die niedrigen Entgelte zwar auch für problematisch. Die Kunden seien aber anspruchsvoller geworden und akzeptierten häufig keinen Haarschnitt von Lehrlingen.

„Erst nach eineinhalb Jahren können die Azubis mitarbeiten, davor entstehen meist nur Kosten.“ Grille hält Löhne von über 250 Euro im Monat durchaus für möglich. „Dann muss die Ausbildung aber auch straffer organisiert werden“, so die Friseurmeisterin. Viele Betriebe hätten sich aus der Ausbildung bereits ganz verabschiedet.

Arbeitsmarktexperte Steffen Müller vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht die Vergütungen als eine Frage des Wollens. „Es gibt umfangreiche Forschung, die zeigt, dass die Löhne immer stärker davon abhängen, bei welchem Arbeitgeber man beschäftigt ist“, sagt Müller.

Die betriebliche Leistungsfähigkeit sei nur in sehr geringem Maße verantwortlich. Nach seinen Worten neigten „vor allem kleine Betriebe in der Vergangenheit dazu, Lehrlinge über Bedarf auszubilden und sie eher als billige Arbeitskräfte zu verwenden“.

Nach Einschätzung des Wissenschaftlers und auch der Handwerkskammer Halle sind vor allem die Berufsperspektiven und persönlichen Neigungen für die Wahl der Lehrstelle entscheidend. Für Müller ist aber eines klar: „Wenn die Bewerberlage dünn ist, muss mehr gezahlt werden.“ (mz)