Sachsen-Anhalt Sachsen-Anhalt: Weniger Grabsteine auf Friedhöfen

Magdeburg/dpa. - Grün, weitläufig und ohne Grabsteine: DieFriedhöfe in Sachsen-Anhalt werden in Zukunft häufiger wie großeParkanlagen aussehen. Das ergab eine Umfrage der DeutschenPresse-Agentur. «Das Bild hat sich in den vergangenen Jahren deutlichgewandelt», sagte der Obermeister der Landesbestatterinnung, WolfgangRuland. Das liege daran, dass die Sachsen-Anhalter zunehmendpflegeleichte Grabstätten bevorzugten. So würden Gemeinschaftsanlagenfür Urnen immer häufiger nachgefragt. Diese verzichteten aufGrabsteine und -einfassungen. Ruland schätzt, dass auf diesen Anlagenmittlerweile mehr als ein Viertel aller Verstorbenen bestattet wird.
Während bundesweit immer noch die Erdbestattung am beliebtestenssei, überwiege in Sachsen-Anhalt mit bis zu 95 Prozent dieEinäscherung. Das liege unter anderem daran, dass die Lebensmodelleder Menschen sich in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelthätten. «Um Arbeit zu finden, müssen die Leute heute mitunterHunderte Kilometer von ihrer Heimat, ihren Verwandten wegziehen. Dableibt keine Zeit für Grabpflege», erklärte Ruland.
Eine Rolle spiele aber auch die Kostenfrage. Für eine gewöhnlicheFeuerbestattung müsste man in Sachsen-Anhalt zwischen 2000 und 3000Euro bezahlen, sagte Ruland. Eine Erdbestattung schlägt mit bis zu4000 Euro zu Buche.
Der Trend, auf Grabmale zu verzichten, geht auch an denSteinmetzen im Land nicht vorbei. «Wir spüren die Entwicklung hin zuanonymen Bestattungen enorm», sagte Wolfram Zech, Innungsobermeisterder Steinmetze im südlichen Sachsen-Anhalt. Seit etwa zehn Jahrenbedeute das für ihn und seine Kollegen weniger Aufträge - und wenigerUmsatz.
Grabsteine sucht man auch in den sogenannten Friedwäldern undRuheforsten vergebens. Laut Wolfgang Ruland werden solche Ruhestättenimmer beliebter. «Es findet eine Öffnung hin zu neuenBestattungsformen statt.» Bis zu drei Prozent der Toten, schätzt er,seien mittlerweile unter Bäumen beigesetzt - Tendenz steigend. InSachsen-Anhalt gibt es derzeit einen Friedwald in Oranienbaum beiDessau und einen Ruheforst bei Meisdorf im Harz.
Im Meisdorfer Ruheforst etwa sind zwölf Beisetzungsplätze um einenBaum herum vorgesehen. 230 Bäume gibt es, 48 davon seien bereits«verkauft», sagte Annekathrin Nazareth, die für die Verwaltung desForstes beim Kreiskirchenamt in Sangerhausen zuständig ist. Von denmehr als 570 verkauften Plätzen sei der Großteil aber noch nichtbelegt. «Die meisten Leute erwerben einen solchen Platz zuLebzeiten», sagte Nazareth.
Im Oranienbaumer Friedewald gab es seit der Eröffnung 2008 knapp340 Beisetzungen. 1400 Menschen hätten sich bereits einen Platzreserviert, sagte Friedwald-Sprecherin Corinna Brod. An dieVerstorbenen erinnern am Ende Aluminium-Tafeln mit Namen, Geburts-und Sterbedatum, Sprüchen oder Symbolen. «Der Wald soll in seinerursprünglichen Form nicht verändert werden», begründete Nazareth denVerzicht auf Grabsteine. Sowohl im Friedwald als auch im Ruheforstwerden nur Urnen bestattet.