„Grünes Licht für die Pflege“

Wie Senioreneinrichtungen der AWO auf Notstände aufmerksam machen

Der 12. Mai ist Tag der Pflege. In einer Themenwoche machen Awo-Einrichtungen mit verschiedenen Aktionen auf sich aufmerksam. Welche Forderungen sie an die Politik haben.

Von Laura Nobel
Grün leuchteten die Fenster des Awo Seniorenzentrums Leuna.
Grün leuchteten die Fenster des Awo Seniorenzentrums Leuna. Foto: Awo

Leuna/Merseburg - „Wir brauchen grünes Licht von der Politik für eine Pflegereform - eine echte Pflegereform. Darauf wollen wir aufmerksam machen. Versprechungen allein reichen nicht aus“, sagt Kerstin Sadzik. Sie ist die Leiterin des Awo Seniorenzentrums Leuna, in der am Montagabend symbolisch grünes Licht brannte. Die Einrichtung beteiligt sich an der landesweiten Themenwoche, die die Awo in Sachsen-Anhalt rund um den Tag der Pflege am 12. Mai initiiert. Das Motto lautet: Grünes Licht für die Pflege - gute Versorgung in jeder Lebenslage. Zentrales Anliegen ist ein Umdenken in der Pflegepolitik.

Sind Einordnungen nach ambulanten, teilstationären und stationären Leistungen noch zeitgemäß?

„Wir machen uns für einen Paradigmenwechsel stark, hin zu einer lebenslagenorientierten Versorgung“, so Barbara Höckmann, Vorsitzende des Präsidiums beim Awo Landesverband Sachsen-Anhalt. Eine standardisierte Versorgung, Pflege und Unterbringung von Menschen mit entsprechenden Bedarfen werde zukünftig nicht mehr ausreichend sein. Denn so unterschiedlich wie die Menschen seien auch ihre individuellen Lebenslagen und -umstände, wie ihr Alter, ihre Erkrankungen oder Beeinträchtigungen.

„Zentrale Fragestellungen sollten sein: Sind Einordnungen nach ambulanten, teilstationären und stationären Leistungen noch zeitgemäß? Wer zahlt und wer erbringt künftig welche Leistung? Welche Bedarfe und Bedürfnisse bringen die zu Versorgenden mit? Wie gehen wir zukünftig mit den unterschiedlichen Altersgruppen um? Und wie können wir als Gesellschaft dieser Verantwortung und dem Auftrag, auch mit Blick auf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, gerecht werden?“, zählt die Awo-Vorsitzende auf.

Bedingungen für die Pflegebedürftigen müssen sich bessern

Am Montag begann die Themenwoche mit grünen Lichtinstallationen an rund 40 Awo-Einrichtungen in ganz Sachsen-Anhalt, darunter auch im Seniorenzentrum Leuna. „Da wir keine Lobby haben, müssen wir jetzt lautstark Theater machen, damit wir gehört werden“, betont Sadzik. Sie wünscht sich bessere Arbeitsbedingungen, bessere Bezahlung für Pflegekräfte. Das sei bisher ein Kampf gegen Windmühlen. „Wir wollen gute Arbeit leisten“, betont sie. Im Seniorenzentrum arbeiten 45 Menschen.

Doch auch die Bedingungen für die Pflegebedürftigen müssen sich bessern, führt die Einrichtungsleiterin vor Augen. Die monatlichen Beträge, die sie zahlen, seien mittlerweile sehr hoch. „Das Problem spitzt sich mit der wachsenden Zahl an Pflegebedürftigen weiter zu. Es kann nicht sein, dass das auf dem Rücken der zu Pflegenden ausgetragen wird.“ Deshalb sei eine Deckelung des Eigenanteils notwendig. „Wir brauchen eine Pflegepolitik, die zukunftsgerichtet und nachhaltig ist. Der Mensch muss dabei im Mittelpunkt stehen.“

Auf großen Infowürfeln hat die Awo die aus ihrer Sicht dringlichsten Themen auf den Punkt gebracht

Am Dienstag wurde die Themenwoche mit Straßenaktionen auf öffentlichen Plätzen nahe der Awo-Einrichtungen fortgesetzt. Daran haben sich auch drei Einrichtungen des Awo-Regionalverbands Halle-Merseburg beteiligt. Auf großen Infowürfeln hat die Awo die aus ihrer Sicht dringlichsten Themen auf den Punkt gebracht, darunter ein einheitlicher Tarifvertrag für Pflegepersonal, Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Bürokratieabbau sowie mehr Absicherung für die Sorgearbeit pflegender Angehöriger.

Begleitet wird die Themenwoche von einer Social-Media-Aktion unter dem Motto „Der Mensch im Mittelpunkt – ich wünsche mir…“. Täglich kommen hier Beschäftigte aus Awo-Pflegeeinrichtungen, Bewohner und Angehörige mit ihren Wünschen für die Zukunft auf der Awo-Facebook-Seite zu Wort. (mz)