Einwegplastik verboten

Wie Gastronomen im Saalekreis mit den neuen Regelungen umgehen

Seit 3. Juli sind EU-weit verschiedene Einwegprodukte aus Plastik und Styropor verboten. Warum sich einige Händler über Ungleichheiten ärgern.

Von Julia Bachmann
Die typischen Styroporboxen sind bald passé.
Die typischen Styroporboxen sind bald passé. Foto: Gerald Matzka/dpa

Mücheln/Braunsbedra/MZ - Seit vergangenem Samstag gelten in der Europäischen Union gesetzliche Regelungen, die viele Einwegprodukte aus Plastik sowie Essensverpackungen und Becher aus Styropor verbieten. Vorhandene Ware darf noch aufgebraucht werden, genauso wie Händler gelagerte Ware noch verkaufen dürfen. Ziel der Verbote ist es, Müll zu verringern und zum Schutz der Umwelt beizutragen.

Mehrere Alternativen vorhanden, aber sie kosten

Viele Gastronomen stehen nun zwangsweise vor der Umstellung auf nachhaltigere Alternativen, so auch das Bistro Mix Döner in Mücheln. Inhaber Ömer Yildirim sieht es gelassen: Seine Lager seien noch voll, deshalb mache er sich darüber im Moment noch keine Gedanken. „Wir schauen nächste Woche“, sagt er mit Blick auf die Styroporboxen auf dem Tresen, die er vor allem für Nudelgerichte verwendet. Dass es Alternativen gibt, ist Yildirim bewusst: „Es gibt alles Mögliche, aber es wird eben teurer.“ Das werden vor allem seine Kunden merken: „Wenn der Döner jetzt vier Euro kostet, dann werden es dann vielleicht fünf sein.“ Gerne mache er das allerdings nicht.

Im Kostenpunkt sieht auch Carmen Stahr ein Problem: „Trinkhalme aus Papier sind sechsfach teurer als die aus Plastik“, erzählt die Besitzerin des Eiscafés Cappuccino in Braunsbedra. Bei ihnen im Café betreffen die Verbote neben Trinkhalmen vor allem Becher für Eis und Kaffee zum Mitnehmen sowie Deckel und Löffel. „Manche Kunden wollen gar nicht von einem Holzlöffel essen oder einen Mehrwegbecher für ihren Kaffee to go. Das wird ja auch zur Kostenfrage.“

Einige Geschäfte setzen bereits auf biologisch abbaubare Verpackungen

Stahr befürchtet, dass sich das Geschäft mit Speisen und Getränken zum Mitnehmen künftig kaum mehr lohnen wird. Vorerst bleibt ihre Sorge, zumindest für den Kaffee to go, unbegründet, da zunächst nur Becher aus Styropor, nicht die aus Pappe verboten sind. Aktuell hat sich im Eiscafé ohnehin noch nichts geändert, da vorerst die Restbestände aufgebraucht werden. Danach will die Inhaberin sehen, wie sich die Situation entwickelt, auch in Hinblick auf eine mögliche weitere Coronawelle und der damit drohenden nächsten Schließung des Geschäfts. Über Alternativen könne sie sich dann noch immer Gedanken machen.

Für die Naturkostbar Basilikum von Franziska Spiegel in Querfurt ergeben sich durch die neuen Regelungen kaum Veränderungen. Seit der Eröffnung des Bistros vor neun Jahren setzt die Naturkostbar auf biologisch abbaubare Verpackungen: Menüschalen und Suppenbecher aus Zuckerrohr und Deckel aus Maisstärke gehören von Beginn an zum Inventar.

Verbot von Plastikprodukten soll dazu beitragen, dass weniger Müll die Natur verschmutzt: Trotzdem Ärger über Ungleichheit

„Abgesehen davon, wo es am Ende landet, möchte ich selbst auch nicht aus Plastik essen. Da spielen viele Faktoren mit rein, unter anderem die Weichmacher darin“, erläutert Spiegel Gründe, warum sie Wert auf kompostierbare Verpackungen und nachhaltige Alternativen legt. Lediglich die im Bistro verwendeten Salatschüsseln wurden Ende Juni aufgrund der eingeführten Verbote ausgetauscht. Die Schüsseln aus Zuckerrohr sind mit 20 Cent statt bisher fünf Cent deutlich teurer als zuvor, was sich künftig auch in den Preisen der Gerichte zeigen werde.

Das Verbot von Plastikprodukten soll dazu beitragen, dass weniger Müll die Natur verschmutzt, und so die Umwelt schützen. Vor allem für kleine Gastronomen hat es jedoch spürbare Folgen und sorgt für Verärgerung – gerade in Anbetracht dessen, dass sich in den Supermarktregalen weiterhin Plastikverpackungen stapeln dürfen. „Wir sind die Kleinen, wir sind nur Staub. Rewe, Netto, Edeka – da müssten sie anfangen“, findet Ömer Yildirim und auch Carmen Stahr sagt, dass man viel eher auf die Mengen an Plastik in Supermärkten schauen sollte. „Ich bin dafür, dass man allgemein Plastik und Müll einspart“, erklärt die Gastronomin, „aber wenn dann alle oder keiner. So sind wir wieder die Sündenböcke, wie jetzt schon in der Pandemie.“