Vandalismus im Saalekreis

Vandalismus im Saalekreis: Jäger regelmäßig Opfer von Angriffen

Lochau - Jäger im Saalekreis verzeichnen regelmäßig Angriffe auf Hochsitze, die vermutlich von Tierschützern begangen wurden.

Von Michael Bertram 18.06.2016, 14:32

Ob umgefahren, angezündet oder einfach nur umgestoßen: Regelmäßig verzeichnen auch im Saalekreis Jäger Angriffe auf Hochsitze, die sie dringend zur Verrichtung ihrer Arbeit benötigen. Hinter den Attacken vermuten die Waidmänner militante Tierschützer, die den Jägern eins auswischen wollen. Der Natur einen Gefallen tun sie damit aber nicht, wie ein Jäger aus Lochau erzählt.

Denn auch Henrik Rosenthal hat es in diesem Jahr schon erwischt. „Unbekannte haben in unserem Revier eine Kanzel umgestoßen und zerstört, auch eine Kastenfalle für Waschbären hatten sie sich vorgenommen“, erzählt der Jagdpächter, der im relativ kleinen Bereich Döllnitz und Lochau für rund 420 Hektar zuständig ist. „Natürlich entsteht dadurch ein finanzieller Schaden, auf dem wir sitzen bleiben“, erzählt er.

Zudem koste der Neubau einer zerstörten Kanzel Zeit, die der Jagdpächter neben seinem normalen Job aufbringen muss. „An so einer Kanzel arbeitet man schon mehrere Wochen.“

Eine echte Plage

In der Bevölkerung wäre eine breite Akzeptanz für seine Tätigkeit als Jäger da. „Die meisten Menschen wissen, dass wir nicht die Feinde der Natur sind, sondern diese durch unsere Arbeit schützen.“ Auch wenn mitunter die wirtschaftlichen Interessen der Landwirte geschützt werden, die auf ihren Feldern wütende Wildschweine fürchten: „Wir passen aber auch auf, dass bestimmte Arten nicht überhandnehmen“, sagt Rosenthal.

Das gilt vor allem für die Waschbären, die sich zu einer echten Plage entwickelt haben. „Seit April haben wir bereits 22 Tiere gefangen - der beste Köder sind Schoko-Cornflakes“, meint der Jäger, der das Revier zusammen mit seinem Sohn Fred betreut. Eine dafür eingesetzte Drahtkastenfalle hatten die beiden auch im Bereich Döllnitz aufgestellt. Unbekannte zerstörten diese jedoch. „Die Leute denken nur an die Waschbären, aber nicht daran, dass sie keine natürlichen Feinde haben.“

Unterstützung für Autofahrer

Um über ihre Arbeit aufzuklären und so Anschlägen vorzubeugen, sind die Rosenthals überall präsent. Bei Festen haben sie einen Stand, mit Kindern und Jugendlichen unternehmen sie Touren durch die Natur und bringen ihnen die Artenvielfalt näher.

Aber auch für die Autofahrer sind sie sowas wie der Freund und Helfer. Denn durch nach Quoten geregelten Abschuss versuchen sie, an stark frequentierten Straßen Wildunfälle zu minimieren. „Aber nicht nur durch Abschuss“, betont Rosenthal. „Wir haben auch spezielle Wildwarnreflektoren installiert, die die Tiere fernhalten.“ Gleichzeitig warnt er Autofahrer, bei denen es doch zur Kollision mit Reh oder Wildschwein gekommen ist, das Tier einfach mitzunehmen und zu verspeisen. „Man sieht ihnen nie an, ob sie womöglich krank sind und das Fleisch somit ungenießbar ist“, erzählt Rosenthal. Zudem macht man sich strafbar - wegen Wilddieberei. (mz)