Schilfsegelboot-Expedition

Schilfsegelboot-Expedition: Neuer Ort für Stapellauf der Abora

Braunsbedra - Warum der Archäologe Dominique Görlitz seine Expedition, für die er auf dem Geiseltalsee trainierte, umplanen muss.

Von Diana Dünschel 14.04.2019, 13:00

Es gibt eine wichtige Planänderung für die kommende Schilfsegelboot-Expedition der „Aboranauten“ um den Experimentalarchäologen Dominique Görlitz. Das bulgarische Varna an der Goldküste wird der neue Startort für die große Fahrt der „Abora IV“ diesen Sommer, wie der Chemnitzer mitteilt.

Dabei war doch ursprünglich vorgesehen, die Fahrt auf den Spuren früherer Seefahrer vom Schwarzen Meer bis nach Ägypten vom russischen Sotschi aus zu starten. Doch wenigstens waren die Trainingsfahrten, die Dominique Görlitz in den vergangenen beiden Jahren auf dem Geiseltalsee unternahm, nicht für umsonst.

Schilfboot-Expedition: Bürokratische Verzögerungen bei der Transportabwicklung

„Bürokratische Verzögerungen bei der Transportabwicklung des in Bolivien geernteten Schilfs sowie die länger als zu erwartende Transportdauer per Frachtschiff lassen es nicht zu, das Schilfboot in Sotschi früher als im Juli zu Wasser zu lassen“, so der Archäologe. Die zu dieser Zeit einsetzenden Wetterbedingungen im Schwarzmeerraum, insbesondere eine unvorteilhafte Änderung der Windrichtung im Sommer, würden es unmöglich machen, die Expedition in Sotschi beginnen zu lassen. Deshalb sei der Startort jetzt nach Varna verlegt worden. Dort soll das Expeditionsschiff ab Juni am Ufer des Varna-Sees montiert werden.

Die Vorbereitungen zur Montage sollen ab Anfang Mai in Bulgarien anlaufen. Für Mitte Juli ist schließlich der Stapellauf geplant. Für das notwendige Probesegeln erhält das internationale „Abora“-Team mit Mitgliedern aus sechs Nationen Unterstützung durch Segelsportfreunde vor Ort. Wenn alles gelingt, kann die Expedition zwischen Ende Juli und Anfang August in See stechen, um Kurs zum Ausgang des Schwarzen Meers aufzunehmen.

Vermutlich haben schon vorantike Völker Seewege befahren

Im Unterschied zum Kaukasus wehen in dieser Jahreszeit die Winde hauptsächlich in südliche Richtung, so dass die „Abora IV“ in diesem Abschnitt der Expedition mit günstigen Winden starten kann, so der durch die drei vorangegangenen Fahrten im Mittelmeerraum und im Nordatlantik erfahrene Schilfboot-Segler.

Dominique Görlitz hofft, zur Lösung eines der großen Rätsel der Archäologie beizutragen. Er möchte mit seiner neuen Expedition beweisen, dass die Kulturen des Schwarzen Meeres mit den Ländern jenseits des Bosporus in einem permanenten Kulturaustausch standen. Seine These: Vermutlich haben schon die vorantiken Völker seit Beginn der Metallkultur und lange vor den Griechen diese Seewege befahren.

Alles über „Abora“ in der Pfännerhall

In der Zentralwerkstatt Pfännerhall in Braunsbedra hat Dominique Görlitz vor wenigen Wochen die ersten deutschlandweite Dauerausstellung zu seinen „Abora“-Expeditionen eröffnet. Sie steht unter dem Motto „Kam Kolumbus 15.000 Jahre zu spät? - Globaler Verkehr in der Steinzeit“. Auf über 150 Quadratmeter Fläche berichtet er über seine ersten drei „Abora“-Expeditionen 1999 bis 2007 und die Erkenntnisse, die er daraus gewann. Ausgestellt sind nicht nur Schautafeln mit Fotos und Texten. Eines der Exponate ist auch das Experimentalfloß „Dilmun IV“, ein Miniatur-Nachbau der Schilfsegelboote. Außerdem ist ein kurzer Kinofilm zu sehen. Der Besucher erfährt so etwas über prähistorischen Seefahrt und ihre Zusammenhänge mit Archäologie, Astronomie, Kartographiegeschichte, Anthropologie, Vegetationsgeographie und Materialforschung. Auch über seine neue Seereise wie in der Frühzeit, die Dominique Görlitz dieses Jahr mit der „Abora IV“ auf dem Schwarzen Meer plant, berichtet er.

Geöffnet ist die Ausstellung im Grubenweg 4 in Braunsbedra mittwochs bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Infos im Internet unter: pfaennerhall-geiseltal.de (mz)