Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen

Saalekreis hisst blaue Fahnen als Zeichen gegen Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen

Am 25. November geht es in der ganzen Welt um freies Leben für Frauen - selbstbestimmt und ohne Prügel. Warum das auch im Saalekreis wichtig ist.

Von Undine Freyberg 25.11.2021, 13:27
Die Gewalt gegen Frauen im Saalekreis nimmt weiter zu.
Die Gewalt gegen Frauen im Saalekreis nimmt weiter zu. Foto: DPA

Merseburg/MZ - Seit 40 Jahren gibt es den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen. Seit 2004 werden auch im Saalekreis die blauen Fahnen gehisst, die darauf aufmerksam machen sollen, dass Diskriminierung und Gewalt jeder Form gegenüber Frauen und Mädchen zu verurteilen ist. Und es gibt einen Aktionskreis zum Thema, dem neben Landkreis und Polizei auch das Frauenschutzhaus und verschiedenste Beratungsstellen angehören.

Bei einem Einsatz mit Gewalt gegen Frauen gehen Informationen an die Interventionsstelle

Die Erfahrungen, die dort gemacht werden, sind alarmierend, denn die Gewalt gegenüber Frauen nimmt immer noch zu. „Obwohl es seit 2002 das Gewaltschutzgesetz gibt und die Polizei den Täter für 14 Tage der Wohnung verweisen kann“, sagt Anna Beatrice Brommund, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises und Leiterin des Aktionskreises. „Für viele Frauen ist das eigene Zuhause der gefährlichste Ort, und 25 Prozent der Arbeitsausfälle ist auf häusliche Gewalt zurückzuführen.“

Kommt es zu einem Polizeieinsatz wegen häuslicher Gewalt und die Frauen stimmen zu, dass ihre Daten weitergegeben werden, dann geht vom Revier Saalekreis direkt eine Information an die Interventionsstelle „Häusliche Gewalt und Stalking“ beim Awo-Regionalverband Halle-Merseburg, die sich dann meldet, um die Frauen in ihrer Notsituation zu beraten. „Bis zum 23. November dieses Jahres hatten sich 199 Betroffene an uns gewandt“, sagt Silke Voss von der Interventionsstelle.

Zahlen häuslicher Gewalt gegen Frauen im Saalekreis hoch

153 Meldungen davon seien direkt von der Polizei gekommen - 148 wegen häuslicher Gewalt und fünf wegen Stalking. „Im gesamten Jahr 2020 waren es 175 und im Jahr 2019 noch 120. Die Situation hat sich also verschärft“, so Voß. Das Polizeirevier Saalekreis erklärte auf MZ-Anfrage, dass es im Jahr 2019 im Kreis insgesamt 187 Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen und 36 Fälle von Stalking gegeben habe, die durch Polizeieinsätze oder Anzeigen bekannt geworden sind. 2020 waren es 271 Fälle von häuslicher Gewalt und 27 von Stalking.

Die Zahlen für das Jahr 2021 könnten noch nicht veröffentlicht werden, hieß es, doch die werden sehr wahrscheinlich noch höher ausfallen. „Wir hatten 2020 insgesamt 795 Betroffene aus Halle, dem Saalekreis, Mansfeld-Südharz und dem Burgenlandkreis. In diesem Jahr sind wir jetzt schon bei einer Zahl von 795, und die wird noch steigen“, befürchtet Voß. Im Saalekreis sei die Polizei aber besonders sensibilisiert für das Thema, so dass es auch mehr Meldungen gebe.

Aktuell seien im Frauenschutzhaus drei Frauen, vier Kinder und ein Hund

„Gewalt gegen Frauen ist die am weitesten verbreitete Form der Menschenrechtsverletzung“, erklärt Bianka Winkler, die Leiterin des Frauen- und Kinderschutzhauses Merseburg. Und diese habe unterschiedlichste Gesichter. „Es bedeutet nämlich nicht nur Prügel, sondern auch seelische und ökonomische Gewalt.“ Es gebe Frauen, denen ihre Partner Kontakt zu Freunden und Familie untersagen. „Wir kennen auch Fälle von Frauen, die kein eigenes Konto haben dürfen.

Über das Geld, das sie verdienen, dürfen sie nicht selbst verfügen, oder die Partner verhindern sogar, dass sie arbeiten gehen können.“ Aktuell seien im Frauenschutzhaus drei Frauen, vier Kinder und ein Hund untergebracht. Platz wäre für sechs Frauen und sechs Kinder. „Es ist etwas Besonderes, dass Frauen zu uns auch ihre Haustiere mitbringen dürfen. Das minimiert den Stress für die Frauen.“

Beratungsangebote des Frauenschutzhauses und der Interventionsstelle hilfreich sein

Nach Ansicht der Experten ist die Dunkelziffer derer, die unter Gewalt leiden, viel höher als die bekannten Zahlen. „Viele schämen sich, zugeben zu müssen, dass sie geschlagen werden. Sie wissen nicht, was auf sie zukommt, wenn sie sich trennen und viele wissen nicht, wohin sie sich wenden können“, sagte Bianka Winkler. Hier könnten die Beratungsangebote des Frauenschutzhauses und der Interventionsstelle hilfreich sein.

Das Frauenschutzhaus bietet jeden Dienstag von 9 bis 11 Uhr Beratungen am Markt 1 in Merseburg an. Weitere Infos unter www.bbrz.de (Angebote und Leistungen) oder unter Tel. 03461/ 21 10 05; Kontakt zur Interventionsstelle unter Tel. 0345/ 68 67 907, E-Mail: interventionsstelle@awo-halle-merseburg.de