Große Pläne ohne Chance?

Saale-Elster-Kanal: Saalekreis tritt bei Plänen auf die Euphorie-Bremse

Günthersdorf - Beteiligt sich der Saalekreis am Ausbau des Saale-Elster-Kanals? Der stellvertretende Landrat hat Zweifel am Sinn des Projekts für den Kreis.

Nach dem jüngsten positiven Votum eines Ausschusses des Stadtrats in Halle zum Ausbau des Saale-Elster-Kanals hat der stellvertretende Landrat des Saalekreises, Hartmut Handschak, kräftig auf die Euphoriebremse getreten. „Man darf gern Visionen haben, aber man muss dann auch die dazugehörigen Zahlen realistisch betrachten“, sagte Handschak in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses auf eine Anfrage zum Thema Kanal-Ausbau.

„Dieses Vorhaben würde mitsamt Schiffshebewerk wahrscheinlich 100 bis 120 Millionen Euro kosten“, führte Handschak weiter aus. In diesem Zusammenhang müsse man doch hinterfragen, wie es um die Wirtschaftlichkeit des Projektes bestellt ist und welchen touristischen Mehrwert insbesondere der Saalekreis daraus ziehen könnte.

Zweifel an Nutzen des Saale-Elster-Kanals für den Saalekreis

„Mir fehlt deshalb der Glaube, dass der Ausbau tatsächlich irgendwann zustande kommt“, sagt der stellvertretende Landrat. Aus seiner Sicht würde ja vor allem die Stadt Leipzig von einem Weiterbau profitieren, da sie so die neu entstandenen Seen anschließen könnte. „Im Fall unseres Geiseltalsees ist dies ja nicht der Fall.“ Einer weiteren Diskussion werde sich der Saalekreis nicht verschließen. Laut Handschak müsse man dabei jedoch mit Vernunft herangehen.

Der jüngst in den Landtag Sachsen-Anhalts nachgerückte CDU-Abgeordnete Frank Bommersbach wiederum wollte das Thema nicht so schnell ad acta legen. „Erst wenn die konkreten Zahlen auf dem Tisch liegen, sollte der Landkreis zu dem Ausbau eine klare Position beziehen“, meinte Bommersbach. „Vom Ausbau des Saale-Elster-Kanals könnte ein Impuls für die gesamte Region ausgehen, deshalb ist die Überlegung an sich erst einmal interessant.“

Halle und Leipzig könnten enger zusammenrücken

Ende Februar hatte man sich in Halle für den Ausbau stark gemacht. Zumindest Halle und Leipzig könnten auf diese Weise auf dem Wasserweg näher zusammenrücken. Halle soll sich demnach am möglichen Ausbau des Saale-Elster-Kanals zwischen den beiden Großstädten beteiligen. Dafür hatte der Wirtschaftsausschuss gestimmt.

Ein Ausbau würde vor allem Touristen nach Halle bringen, so die Argumentation. So würde eine durchgängige Beschiffung von Hamburg bis Leipzig möglich - und eben über Halle, hieß es in dem Ausschuss. Ob sich die Stadt tatsächlich beteiligen wird, ist aber noch offen. Dazu sind noch weitere Abstimmungen nötig. (mz/ram)