Neue Deiche, neue Polder

Neue Deiche, neue Polder: Werden Anwohner wirklich umgesiedelt?

Röpzig/Oberthau - Werden große Teile der Wälder und Wiesen auf dem Gebiet der Gemeinde Schkopau schon bald riesige Überflutungsflächen? Diese Befürchtung haben offensichtlich viele Bürger, seit Bekanntwerden der neuesten Hochwasserschutz-Pläne des Landes. Die sehen nämlich vor, sowohl an der Weißen Elster nahe Ermlitz als auch an der Saale bei Röpzig zwei gewaltige Polderflächen zu schaffen, um den Flüssen beim nächsten Hochwasser deutlich mehr Platz einzuräumen als bislang. Beide Vorhaben sind Teil einer 365 Millionen Euro schweren Planung zahlreicher Projekte im ganzen Land und stehen auf der Prioritätenliste ganz weit ...

Von Michael Bertram 18.03.2016, 17:34

Werden große Teile der Wälder und Wiesen auf dem Gebiet der Gemeinde Schkopau schon bald riesige Überflutungsflächen? Diese Befürchtung haben offensichtlich viele Bürger, seit Bekanntwerden der neuesten Hochwasserschutz-Pläne des Landes. Die sehen nämlich vor, sowohl an der Weißen Elster nahe Ermlitz als auch an der Saale bei Röpzig zwei gewaltige Polderflächen zu schaffen, um den Flüssen beim nächsten Hochwasser deutlich mehr Platz einzuräumen als bislang. Beide Vorhaben sind Teil einer 365 Millionen Euro schweren Planung zahlreicher Projekte im ganzen Land und stehen auf der Prioritätenliste ganz weit oben.

Nachdem sich die Naturschützer über gravierende Folgen für Wälder und Artenvielfalt im Bereich der Elsteraue beklagt haben, fürchten andere Betroffene wiederum sogar, dass sie womöglich umgesiedelt werden sollen. Konkreter wird die Angst angesichts der Ausführungen in der jüngsten Studie zu den Vorhaben, in denen unter dem Punkt „Raumwiderstände“ auch Umsiedlungen direkt thematisiert werden. Zuvor waren bereits Gerüchte im Umlauf, dass Röpzig, das immer wieder von Hochwassern heimgesucht wurde, vielleicht sogar ganz aufgegeben werden soll.

Auf Nachfrage der MZ beim Umweltministerium in Magdeburg weist man solche Gedankenspiele entschieden zurück. „Umsiedlungen im Bereich Röpzig sind weder vorgesehen noch diskutiert worden“, sagte eine Sprecherin. Laut ihr werde der Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) die Planungen und Entscheidungen bezüglich des Polders bei Röpzig transparent gestalten. Darüber hinaus haben Ministerium und LHW inzwischen Details zu den Polderflächen veröffentlicht. Im Internet können diese eingesehen werden. Die wesentlichen Punkte dazu stellt die MZ an dieser Stelle vor:

Polder Weiße Elster

Im Gegensatz zur ursprünglichen Machbarkeitsstudie hat sich der Polder an der Weißen Elster deutlich nach Osten verschoben und verkleinert. War zunächst vorgesehen, die beiden Tagebauseen mit aufzunehmen und die Fläche von der sächsischen Landesgrenze bis nach Burgliebenau verlaufen zu lassen, liegt der 932 Fußballfelder große Polder nun südlich von Oberthau. Die Grobkosten werden mit 48,8 Millionen Euro angegeben. Er kann bis zu 12,3 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Der Polder besteht aus drei Kammern. An die erste sollen ein Altarm angebunden und in diesem Bereich regelmäßige ökologische Flutungen durchgeführt werden. So soll die Natur schrittweise an mögliche Hochwasserereignisse angepasst werden. Der bestehende Deich nördlich des Polders soll instand gesetzt oder erhöht werden. Im Süden entsteht ein neuer Deich, um weitere Ortschaften zu schützen.

Polder Röpzig

Gut 640 Hektar Fläche soll der Polder einnehmen, der sich bogenförmig zwischen Röpzig und Halle-Passendorf spannt. Für 70 Millionen Euro sind zahlreiche Deiche instand zu setzen oder zu erhöhen. Die übrige Umrandung soll durch Neubauten geschaffen werden. Interessant dabei: Die Ortschaft Röpzig soll komplett hinter einem neuen Deich verschwinden.

Schon länger kritisiert wird das Hochwassermanagement im Bereich Hohenweiden von einem dort aufgewachsenen Leunaer Ingenieur in Ruhestand. Nach dem Hochwasser im Juni 2013 durfte Reinhard Nitzsche seine Lösungsvorschläge, die konkrete Berechnungen enthielten, sogar bei Behörden vortragen - umsetzen wollte man diese jedoch nicht. Nitzsche kritisiert ein verfehltes Talsperrenregime in Thüringen bei den vergangenen Fluten. Im Vergleich zu dem Fassungsvermögen der Thüringer Talsperren seien die geplanten Polderflächen winzig und würden im Ernstfall kaum Puffer bieten, meint er. Hinzu kämen Damm- und Straßenbaumaßnahmen in der Hohenweidener Aue und verschlissene Schutzeinrichtungen, die vor allem die Aue seines Heimatdorfes immer wieder stark in Bedrängnis geraten ließen. (mz)