Nach Zwischenfall in Biogasanlage

Nach Zwischenfall in Biogasanlage: Droht ein Fischsterben in der Kabelske und Saale?

Kabelsketal/Halle - Obwohl der kleine Kabelske-Bach für die Gemeinde südöstlich von Halle namensgebend ist, ist der Fluss eher unbedeutend. Weder für Berufsschifffahrt noch für Tourismus oder Angler ist er interessant - bis jetzt. Denn seitdem am Samstag große Mengen Gülle aus einer leckgeschlagenen Biogasanlage in Osmünde (Gemeinde Kabelsketal) in den Bach geflossen sind, werden auch Folgen für Reide, Weiße Elster und Saale befürchtet - und damit für ...

Von Oliver Müller-Lorey 01.08.2019, 06:00

Obwohl der kleine Kabelske-Bach für die Gemeinde südöstlich von Halle namensgebend ist, ist der Fluss eher unbedeutend. Weder für Berufsschifffahrt noch für Tourismus oder Angler ist er interessant - bis jetzt. Denn seitdem am Samstag große Mengen Gülle aus einer leckgeschlagenen Biogasanlage in Osmünde (Gemeinde Kabelsketal) in den Bach geflossen sind, werden auch Folgen für Reide, Weiße Elster und Saale befürchtet - und damit für Halle.

Zwischenfall in Bioanlage: Droht Fischsterben in Kabelske und Saale?

Alarmiert sind insbesondere die Angler, die ein großes Fischsterben befürchten und dass die Verschmutzung nicht in der Kabelske bleiben könnte. „Den Zwischenfall in der Biogasanlage beobachten wir mit größter Sorge“, sagt Ralf Möller, Geschäftsführer des Halleschen Anglervereins. Über Reide und Weiße Elster gebe es eine Verbindung zur Saale. „Gülle in einem Fluss bedeutet für die Fische den Tod. Der pH-Wert verändert sich, Sauerstoff fehlt und hochgiftiges Ammoniak bringt die Tiere um“, so Möller. Ein ähnlicher Zwischenfall mit einer Biogasanlage vor zwei Jahren habe den Fischbestand in der Wipper dezimiert. Nun hoffe man, dass die Gülle in der Kabelske wenigstens verdünnt werde, bevor sie versickert oder gar weiterfließt.

Unterdessen erklärt der Landkreis Saalekreis, dass kaum Schadstoffe in den Untergrund gelangen oder weitergespült würden. Auch die Stadt Halle beruhigt: Die Gefahr, das Verunreinigungen das Stadtgebiet erreichen, bestehe nicht. Dafür seien Wälle im Flussbett errichtet worden. „Parallel wurden die Gärsubstrate abgepumpt, die Gewässersohle beräumt und das Abflussprofil gereinigt“, sagt Steffen Johannemann, Leiter der Unteren Wasserbehörde. Ein weiteres Ausbreiten sei so „ausgeschlossen“. Doch ein schlechtes Gefühl bei den Anglern bleibt.

Auf den Betrieb der Tierhaltungsanlage habe Havarie keinen Einfluss

Besondere Aufmerksamkeit erlangt der Zwischenfall in der Biogasanlage auf dem Bauernhof „Gut Gröbers“ auch deshalb, weil der Hof bereits 2018 in die Schlagzeilen geriet. Damals war in einem Kuhstall ein Feuer ausgebrochen, dem rund 25 Kälber zum Opfer fielen. Damals wollte sich der Hofbetreiber nicht zu dem Brand äußern, und auch dieses Mal gibt er gegenüber der Presse kein Statement ab. Bis auf einen Satz. Man werde sich nicht äußern, aber „alles ist gut“, das könne die Zeitung schreiben, lässt er verlautbaren. Anwohner und Gewerbetreibende in Osmünde, die den stinkenden Bach vor ihrer Haustür haben, sehen das freilich anders. Auf den Betrieb der Tierhaltungsanlage habe die Havarie aber keinen Einfluss, stellte das Landesverwaltungsamt schon einmal klar.

Offen ist auch die Frage, ob das Unglück hätte verhindert werden können. Im Internet ist ein Bericht des Landesverwaltungsamtes, das für die Überwachung der Biogasanlage zuständig ist, zu finden. Die Behörde prüfte wegen erhöhter Geruchsbelastung die Anlage demnach im Mai 2017 und stellte mehrere Mängel fest. So werde Gülle etwa nicht lange genug in einem gasdichten Tank gelagert, Gruben stünden offen und es gebe Verbindungsleitungen, wo keine erlaubt seien. Um die Mängel abzustellen sollten laut dem Bericht „Konzepte erarbeitet“ werden.

Sachverhalt noch ungeklärt: Vor-Ort-Kontrolle durch Landesverwaltungsamt am Montag

Das ist inzwischen geschehen, wie das Landesverwaltungsamt mitteilt. Man habe den Betrieb im September 2018 überprüft und festgestellt, dass die Gülle unterhalb der Erdoberfläche eingeleitet werden muss, um die Gerüche zu beseitigen. Grundsätzlich werde die Anlage alle zwei Jahre kontrolliert und wenn Anlass dazu bestehe. Das war nun wieder der Fall.

„Am Montag erfolgte eine Vor-Ort-Kontrolle durch das Landesverwaltungsamt“, teilte deren Sprecherin, Denise Vopel, mit. Der Sachverhalt sei aber noch nicht aufgeklärt. Dafür scheint die Ursache für den Zwischenfall inzwischen klar: Vermutlich sei ein Defekt an einer Ringdichtung des Güllebehälters Schuld am Auslaufen der Flüssigkeit, sagte Vopel. Wie viel Gülle ausgelaufen ist, habe man aber noch nicht ermitteln können. (mz)