Motocross-WM

Motocross-WM: Warum Kimi Räikkönen beim Rennen in Teutschenthal vorbeischaut

Teutschenthal - Der Chef blieb lieber im Hintergrund. Im hintersten Eck der Boxengasse hatte Kimi Räikkönen in einem Zelt seines „Ice One“-Rennteams Platz genommen. Abgeschirmt durch einen Sicherheitsmann blieb er unbehelligt von den tausenden Motorsport-Fans, die am Wochenende zum Motocross-WM-Rennen in den Talkessel nach Teutschenthal gepilgert ...

Von Fabian Wölfling 09.05.2016, 09:37

Der Chef blieb lieber im Hintergrund. Im hintersten Eck der Boxengasse hatte Kimi Räikkönen in einem Zelt seines „Ice One“-Rennteams Platz genommen. Abgeschirmt durch einen Sicherheitsmann blieb er unbehelligt von den tausenden Motorsport-Fans, die am Wochenende zum Motocross-WM-Rennen in den Talkessel nach Teutschenthal gepilgert waren.

Max Nagl ist bester Fahrer

Reden wollte der Formel-1-Star nicht. Mit einem kurzen, bestimmten „Nein“ schmetterte der Ferrari-Pilot die Anfrage nach einem Interview ab. Das verwunderte wenig: Der Finne ist bekannt für seine wenig redselige Art. Der Spitzname des Formel-1-Weltmeisters von 2007 ist Iceman.

Und so überließ er auch in Teutschenthal das Reden lieber anderen. Max Nagl zum Beispiel, den besten deutschen Fahrer in der Motocross-Weltmeisterschaft und zugleich Aushängeschild jenes „Ice One“-Teams. Und Nagl gewährte tatsächlich ein paar Einblicke in die Zusammenarbeit mit dem schweigsamen Finnen.

Kimi Räikkönnen besser organisiert

Wie es denn sei, als Motocross-Ass ein Formel-1-Ass zum Chef zu haben? „Ich bin selbst ein großer Formel-1-Fan“, berichtete Nagl im Gespräch mit der MZ. „Und wenn so ein Star wie Kimi dein Chef ist, dann ist es das Beste, was dir passieren kann.“

Es ist aber nicht nur die Begeisterung eines Fans, die die Zusammenarbeit mit Räikkönen für Nagl zu etwas Besonderem macht. Einen Rennfahrer als Teamchef zu haben, zahlt sich auch ganz praktisch im Rennalltag aus. „Man merkt das einfach. Bei uns ist alles viel besser organisiert als bei den anderen Teams im Fahrerlager“, erzählte Nagl. „Zum Beispiel sparen die anderen Teams bei den Reisekosten. Aber Kimi weiß, dass es besser ist, ein bisschen mehr zu investieren, damit wir Fahrer ausgeruht zu den Rennen kommen.“

Rennen auf der ganzen Welt

Ausgedehnte Reisen rund um den Globus sind schließlich für Räikkönen wie für Nagl Teil des Berufsalltags. Teutschenthal war am Sonntag das siebte Saisonrennen, die Stationen zuvor hießen Katar, Thailand, Niederlande, Argentinien, Mexiko und Lettland. Ein solches Programm hat Auswirkungen auf den Kontakt zwischen Teamchef und Fahrer: „Während der Saison sieht man sich selten, Kimi ist viel unterwegs und hat selbst Rennen. Daher tauscht man sich hauptsächlich übers Telefon aus - und das auch eher unregelmäßig.“

In Teutschenthal konnten sich Teamchef und Fahrer aber mal wieder direkt und ohne technische Hilfsmittel austauschen. Da die Formel 1 am vergangenen Wochenende eine Pause einlegte, nutzte Kimi Räikkönen die Gelegenheit, um seinen Vorzeigefahrer in Aktion zu erleben. „Es freut mich natürlich, dass Kimi hier dabei ist. Wir haben auch schon ein bisschen geredet, aber viel Zeit bleibt dafür nicht“, sagte Nagl.

Keine Feierrunde mit dem Finnen

Immerhin müssen die Motocross-Fahrer an einem Rennwochenende ein echtes Mammutprogramm absolvieren: Am Samstag Zeittraining und Qualifying im Rennformat, am Sonntag zwei Rennläufe. „Das ist ein volles Programm bis abends. Danach will man eigentlich nur noch ausruhen“, erklärte Nagl. Also keine Feierrunde mit Räikkönen.

Zumal Nagl mit seinem Heim-Grand-Prix noch eine Rechnung offen hatte. Im vergangenen Jahr war er als WM-Führender nach Teutschenthal angereist, zog sich aber bei einer Kollision im Qualifying eine Fraktur am Schienbein zu und musste dadurch seine Rennteilnahmen absagen. Erinnerungen an den Unfall verfolgten Nagl bei seiner Rückkehr in den Talkessel aber nicht: „Als Rennfahrer ist man das gewohnt, daran denkt man nicht.“

Knapp am Podium vorbei

Im Rennen verfehlte Max Nagl das Podium denkbar knapp. Nach einem starken dritten Platz im ersten Lauf warf ihn im zweiten Lauf ein Sturz auf den sechsten Platz zurück, so blieb in der Gesamtwertung nur der undankbare vierte Platz. Den Sieg sicherte sich der Italiener Tony Cairoli vor dem Slowenen Tim Gajser und dem Russen Evgeny Bobryshev.

Nagl war trotzdem zufrieden mit seiner Leistung: „Ich habe mir am Samstagabend noch einen bakteriellen Infekt eingefangen und war in den Rennen nicht richtig fit. Deshalb bin ich froh, dass ich trotzdem noch den vierten Platz geschafft habe.“ (mz)