Mitteldeutscher Verkehrsverbund

Mitteldeutscher Verkehrsverbund: Ticketpreise für Bus und Bahn steigen

Merseburg - Im Saalekreis und in Halle werden Fahrten mit Bussen, Zügen und der Straßenbahn teurer. Der Aufsichtsrat des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) hat für ländliche Regionen eine Erhöhung der Ticketpreise zum 1. August 2017 um durchschnittlich zwei Prozent beschlossen. In Leipzig sollen sich Fahrscheine um etwa drei Prozent verteuern. Halle wäre nach MZ-Informationen mit einer Steigerung von 3,5 Prozent der ...

Von Dirk Skrzypczak 16.12.2016, 06:00

Im Saalekreis und in Halle werden Fahrten mit Bussen, Zügen und der Straßenbahn teurer. Der Aufsichtsrat des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) hat für ländliche Regionen eine Erhöhung der Ticketpreise zum 1. August 2017 um durchschnittlich zwei Prozent beschlossen. In Leipzig sollen sich Fahrscheine um etwa drei Prozent verteuern. Halle wäre nach MZ-Informationen mit einer Steigerung von 3,5 Prozent der Spitzenreiter.

„In der Arbeitsgruppe Tarif wird derzeit die Umsetzung diskutiert“, sagte Lothar Riese, Geschäftsführer des kommunalen Busbetriebs PNVG, auf Nachfrage der MZ. Sicher scheint demnach zu sein, dass sich im Saalekreis die Einzelfahrt innerhalb einer Zone nicht verteuert. Sie soll bei 1,90 Euro bleiben. „Wir haben mit dieser Summe eine Schmerzgrenze erreicht. Wenn wir dort den Preis weiter steigern, dann droht die Gefahr, dass uns die Kunden weglaufen“, so Riese. Vielmehr müsse man dort ansetzen, „wo vor 15 Jahren die größten Geschenke verteilt worden sind, nämlich auf den längeren Strecken“.

MDV war am 1. August 2001 an den Start gegangen

Der MDV war am 1. August 2001 an den Start gegangen. Zum Verkehrsverbund gehören die Städte Halle und Leipzig sowie die Landkreise Leipzig, Nordsachsen, der Saalekreis, der Burgenlandkreis und das Altenburger Land. Insgesamt deckt der MDV damit eine Fläche von 7.515 Quadratkilometern mit rund 1,7 Millionen Einwohnern ab. Allerdings werden im Verbund die längeren Strecken sowie Monatskarten besonders stark bevorteilt. Das führt laut Riese allerdings zu dem Effekt, dass sich das heutige Preisniveau etwa für eine Einzelfahrt von Merseburg nach Querfurt auf dem Niveau der Vor-MDV-Ära befindet.

„Im Jahr 2000 musste man 9,20 Euro für die Einzelfahrt auf dieser Strecke zahlen. Jetzt sind es 4,60 Euro. Umgerechnet hat sich also nichts geändert, während andere Tarife spürbar gestiegen sind. Hier sollten wir ansetzen“, meint Riese.

Vorschläge zu alternativen Finanzierungsformen für den Öffentlichen Personennahverkehr

Von den im MDV erarbeiteten Vorschlägen zu alternativen Finanzierungsformen für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hält er allerdings nichts. MDV-Chef Steffen Lehmann hatte unter anderem ein Bürger-Ticket als eine Art Zwangsabgabe ins Spiel gebracht und dafür in der Öffentlichkeit heftige Kritik geerntet. Auch Landrat Frank Bannert (CDU) lehnt die Idee ab, wie er der MZ sagte. „Ich würde mir vielmehr eine breite politische Diskussion zur Zukunft des Nahverkehrs wünschen - übrigens auch zur Finanzierung der Rundfunkgebühren.“

Dabei könnte der Saalekreis mehr Geld für den ÖPNV gut gebrauchen. Fünf Millionen Euro muss der Kreis in diesem Jahr zuschießen, damit die Linien überhaupt bedient werden, weil die Zuweisungen des Landes sowie die Einnahmen aus den Ticketverkäufen nicht ausreichen. Und der Bahnbetreiber Havag aus Halle, der einen Zuschuss von 1,5 Millionen Euro für den Betrieb der Linie 5 erhält, liegt mit dem Kreis nach wie vor über Kreuz, weil die Subvention nach Ansicht von Havag-Chef Vinzenz Schwarz nicht auskömmlich sein soll. Im Frühjahr 2017 drohen deshalb weitere Kürzungen im Fahrplanangebot der Tram.

Dass im MDV-Gebiet die Preise steigen, findet PNVG-Geschäftsführer Riese richtig - wenn das Augenmaß nicht verloren geht. „Bei uns brechen die Fahrgastzahlen nicht ein“, sagte er. Trotz des demografischen Wandels befördere die PNVG vier Millionen Passagiere pro Jahr. Dieser Wert sei stabil geblieben und zeige, dass der Nahverkehr attraktiv sei. (mz)