Millionen Geldeinlagen

Menschen im Saalekreis sparen mehr als in den Vorjahren

Kunden der Volks- und Raiffeisenbank Saale-Unstrut haben 2020 mehr Geld als in den Vorjahren zurückgelegt.

Von Jakob Milzner
Die Geldeinlagen bei der Volks- und Raiffeisenbank Saale-Unstrut sind im vergangenen Jahr ungewöhnlich stark angestiegen.
Die Geldeinlagen bei der Volks- und Raiffeisenbank Saale-Unstrut sind im vergangenen Jahr ungewöhnlich stark angestiegen. (Foto: IMAGO / Manngold)

Merseburg/MZ - Die Geldeinlagen bei der Volks- und Raiffeisenbank Saale-Unstrut sind im vergangenen Jahr ungewöhnlich stark angestiegen. Das Volumen des angelegten Kapitals wuchs 2020 laut Unternehmensangaben um 9,4 Prozent auf insgesamt 429,8 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg demnach auch die Summe des in Krediten ausgegebenen Geldes stark an. Privatkunden liehen sich bei der Bank im Jahr 2020 10,1 Prozent mehr Geld als noch im Vorjahr. Noch schneller, nämlich um 15,7 Prozent, sei der Bestand an Unternehmenskrediten gewachsen.

Eher keine Insolvenzwelle: Saalekreis weniger betroffen als andere Regionen

Zur Erklärung dieser Entwicklungen wird seitens der Bank vor allem auf die Ausnahmesituation des Jahres 2020 verweisen. „Grundsätzlich hat das Sparverhalten der Kunden deutlich zugenommen“, betont Prokurist Ulrich Baumann. „Gerade in der Pandemiezeit waren die Möglichkeiten der Geldausgabe beschränkt, was etwa Urlaub, Gastronomie und kulturelle Angebote betrifft.“ Die so eingesparten Mittel seien sowohl in klassische Sparkonten als auch in spekulativere Anlagen geflossen, etwa in Aktien und Fonds, ergänzt Vorstandsmitglied Beate Lyga.

Ob man im Bereich der Unternehmenskredite mit vermehrten Ausfällen infolge von Insolvenzen rechne müsse, sei aktuell noch nicht gut abzuschätzen. „Sicherlich wird es so sein, dass man gewisse Ausfälle zu verzeichnen hat“, sagt Baumann. Aktuell sehe es aber nicht so aus, als würde eine Insolvenzwelle im Saalekreis bevorstehen. Grund hierfür sei auch die diversifizierte Wirtschaft der Region. Andere Gegenden in Deutschland, die in ihrer Unternehmensstruktur stärker auf einzelne Branchen fokussiert sind, seien von den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie teils stärker betroffen. „Wir sind guten Mutes“, sagt der Prokurist.

Kontogebühren vieler Banken in den vergangenen Jahren stark gestiegen

Gleichwohl sei es zu früh, bereits ein abschließendes Fazit zu ziehen. „Es fehlt der Überblick. Wer schafft die Krise, wer schafft sie nicht?“ Baumann verweist in diesem Kontext auf die unsichere Entwicklung des Infektionsgeschehens angesichts offener Fragen wie etwa der weiteren Verbreitung der Delta-Variante. Mitglieder der genossenschaftlich organisierten Bank erhalten für das letzte Jahr eine Dividende von 1,5 Prozent auf ihre Anteile. Diese sei angesichts niedriger Zinsen „weiterhin attraktiv“, heißt es dazu. Gleichzeitig verlieren Menschen, die ihr Gespartes auf einfachen Girokonten verwahren, sukzessive Geld.

Zwar werden auf entsprechende Einlagen bei der Volks- und Raiffeisenbank Saale-Unstrut keine Negativzinsen erhoben. Doch kostet ein typisches Girokonto inklusive Bank- und Kreditkarte jährlich 106,80 Euro an Gebühren, wozu sich noch Kosten etwa für Überweisungen und Lastschriften addieren. Bei einer Einlage von 10.000 Euro entspricht das einer negativen Rendite von über einem Prozent. Relativ treffen die Gebühren Menschen mit wenig Geld noch stärker: So würde eine Summe von 1.000 Euro innerhalb eines Jahr um mehr als zehn Prozent schrumpfen.

Laut Statistischem Bundesamt sind die Kontogebühren vieler Banken in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Im Oktober 2020 zahlten Kontoinhaber 6,4 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Kürzlich urteilte jedoch der Bundesgerichtshof, dass nicht alle Erhöhungen zulässig waren. Denn teils informierten Banken zwar darüber, werteten ausbleibende Antworten der Kunden aber als Zustimmung. Von dieser Praxis Betroffene haben laut Verbraucherzentrale einen Anspruch auf Rückerstattung.