Blau-Weiß Brachstedt

Landespokal Sachsen-Anhalt: Blau-Weiß Brachstedt besiegt Favorit Imo Merseburg mit 4:2 nach Verlängerung

Brachstedt - Die schöne wie überraschende Nachricht kam am Freitagabend just in jenem Moment, als die Fußballer von Blau-Weiß Brachstedt zur Erwärmung auf den Platz laufen wollten. Per SMS ließ sie ihr Trainer Manoel Arnhold aus seinem Urlaub in Österreich wissen, dass er gerade geheiratet habe und ihnen viel Glück für das anstehende Landespokalspiel gegen den VfB Imo Merseburg ...

Von Karl Ebert 22.08.2016, 06:00

Die schöne wie überraschende Nachricht kam am Freitagabend just in jenem Moment, als die Fußballer von Blau-Weiß Brachstedt zur Erwärmung auf den Platz laufen wollten. Per SMS ließ sie ihr Trainer Manoel Arnhold aus seinem Urlaub in Österreich wissen, dass er gerade geheiratet habe und ihnen viel Glück für das anstehende Landespokalspiel gegen den VfB Imo Merseburg wünsche.

Die Motivation kam offensichtlich genau zum richtigen Zeitpunkt, denn die Blau-Weißen warfen den Favoriten aus Merseburg mit 4:2 nach Verlängerung aus dem Wettbewerb. Ein Erfolg, der nach der 1:3-Heimniederlage zum Landesligastart eine Woche zuvor gegen den Aufstiegsaspiranten 1. FC Weißenfels so nicht zu erwarten gewesen war.

„Die Verunsicherung saß unter der Woche doch ein wenig in den Köpfen. Erst der verpatzte Auftakt, dann Pokal gegen einen starken Verbandsligisten und nächste Woche das Derby in Braunsbedra. Da haben sich einige Spieler doch so ihre Gedanken gemacht, dass das gründlich schiefgehen könnte“, sagte Manager Sirko Dahlmann.

Gründlich schief ging die Nummer aber nur für den VfB Imo. Und das kritisierte VfB-Assistenztrainer auch schonungslos. „Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit bereits aus der Hand gegeben“, sagte Mario Beyer. „Brachstedt war in den Zweikämpfen immer bei der Sache und hat mit seiner Kontertaktik genau richtig gelegen. Individuelle Klasse reicht ohne die nötige Einsatzbereitschaft eben nicht aus gegen eine geschlossene Mannschaftsleistung.“

Keine Spur von Verunsicherung bei Blau-Weiß Brachstedt

Doch von Verunsicherung war dieses Mal von Beginn an nichts zu spüren. Die Blau-Weißen gingen mit hoher Konzentration zur Sache, waren gleichwertig, „auch wenn die Merseburger mehr Ballbesitz hatten“, wie Dahlmann fand.

Doch genau das war die Taktik der Brachstedter: Abwarten, auf Konter lauern und die individuell deutlich besser besetzten, aber noch lange nicht eingespielten Gäste mit einem eigenen Treffer zum Reagieren zwingen. Nach 40 Minuten ging diese Strategie mit dem Führungstreffer von Christian Müller auch auf.

Nabil Daouri bringt Blau-Weiß Brachstedt auf Kurs

Mit Wiederbeginn erhöhte Imo den Druck und kam nach einer guten Stunde durch Michel Hennig auch zum Ausgleich. „Danach haben wir ein wenig gewackelt, schließlich war jetzt klar, dass alle an ihre Grenzen gehen mussten“, sagte Dahlmann.

Doch in dieser Situation bewies Trainer Kevin Kluge ein glückliches Händchen, wechselte Oliver Kühl für Tobias Kuka (58.) und Nabil Daouri für Florian Nagel (84.) aus und damit den Sieg ein.

Denn ausgerechnet Daouri, der erst seit knapp zwei Wochen aus seinem Heimaturlaub in Marokko zurück ist und noch Trainingsrückstand hat, nutzte in der Folge zwei dicke Patzer der Merseburger Defensive aus.

Erst beendete er einen Sololauf gegen Imo-Abwehrchef Marvin Weigt und Torwart Lukas Wurster mit dem 2:1 (99.) und dann war er mit dem feinen Näschen eines Torjägers zur Stelle, als der Schlussmann der Gäste eine flache Eingabe von Thomas Brandt wieder fallen ließ und dafür mit dem 3:1 bestraft wurde (113.).

Marius Hauschild macht den Deckel drauf

„Wir hoffen alle, dass Nabil schnell den Rückstand aufholen kann und in drei, vier Wochen in Topform ist. Denn in der brauchen wir ihn für die Saison“, sagte Dahlmann, der dann doch noch Augenzeuge eines Krimis wurde.

Zwei Minuten vor dem Ende der Verlängerung zeigte Schiedsrichter Dirk Simon auf den Punkt und erneut Hennig brachte die Merseburger noch einmal heran.

Doch fast im Gegenzug sorgte dann Brachstedts Marius Hauschild nach einem zu kurz abgewehrten Ball mit einem herrlichen Distanzschuss für die endgültige Entscheidung - die via Liveticker auch Trainer Arnhold in Österreich mitbekommen hatte. Trainer und Mannschaft hatten nun gleich doppelten Grund zum Feiern.

Blau-Weiß Brachstedt hat Duell gegen SV Braunsbedra im Blick

Und die Ansage an die Adresse des Coaches folgte auch prompt nach dem Spiel: Niemand drückt sich hier heimlich um den Junggesellenabschied, ließen die Spieler ihren Chef in den Bergen nun ihrerseits wissen. „Verbunden mit dem Wunsch, in der zweiten Runde im September vielleicht dann noch einmal den HFC in Brachstedt begrüßen zu können. Denn ein Pokalspiel hat immer noch eine andere Anziehungskraft als ein Testspiel“, ist Dahlmann überzeugt.

Doch bis dahin ist noch viel Land und die nächste Aufgabe heißt SV Braunsbedra. „Im Pokal ist gegen die höherklassigen Mannschaften sowieso irgendwann einmal Schluss. Und so ein Erfolg wie gegen Merseburg ist schnell vergessen, wenn du deine Hausaufgaben in der Liga nicht erledigst und schon früh in der Saison das Feld von hinten aufrollen musst“, erklärt der Blau-Weiß-Manager.

(mz)