Internetversorgung

Internetversorgung: 2019 sollen weiße Flecken im Saalekreis geschlossen sein

Obhausen/Merseburg - Der Saalekreis erhält nach langem Warten 2,4 Millionen Euro für den Breitbandausbau. Das Ministerium formuliert derweil klare Ziele.

Von Robert Briest 28.06.2018, 09:00
Deutlich mehr Haushalte sollen einen schnellen Internetzugang bekommen.
Deutlich mehr Haushalte sollen einen schnellen Internetzugang bekommen. imago stock&people

2019 sollen die weißen Flecken der Internetversorgung im Saalekreis geschlossen sein, das versprach Theo Struhkamp, Referatsleiter für digitale Infrastruktur im Landeswirtschaftsministerium am Mittwoch bei einer Stippvisite in den Kreis. Im Gepäck hatte er dabei ein Schriftstück, das die Umsetzung dieses Ziels erleichtert: ein Förderbescheid über 2,38 Millionen Euro aus dem EU-Topf Efre.

Hinzu kommen weitere 1,78 Millionen Euro vom Bund und 460.000 Euro Eigenmittel vom Kreis. Für das Geld soll die Telekom bis Mitte 2020 in Leuna, Braunsbedra, Schkopau und Landsberg insgesamt 1.900 Haushalte und 240 Unternehmen mit Internetverbindungen mit einer Geschwindigkeit von mindestens 50 Mbit/s ausstatten.

Die wollte der Kreis bis 2018 eigentlich flächendeckend erreichen. Doch Probleme bei den Förderanträgen machten einen Strich durch die Rechnung. Für den Ausbau in den übrigen zehn Kommunen, für den Geld aus einem anderen EU-Topf namens Eler kommen soll, läuft aktuell noch eine Neuausschreibung, die jüngst bis Mitte Juli verlängert wurde.

Die von den Telekommunikationsunternehmen noch nicht eigenwirtschaftlich ausgebauten Gebiete, also vor allem der ländliche Raum, sollen nun – zumindest für die privaten Nutzer – nach dem FTTC-Verfahren erschlossen werden. Dies bedeutet, dass das schnelle Glasfaserkabel zunächst nur bis zum Verteilerkasten verlegt wird. Den restlichen Weg muss das Signal dann über die klassischen Kupferkabel zurücklegen mit je nach Entfernung zunehmenden Verlusten.

In ihrem Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung dagegen bis 2025 ein flächendeckendes Gigabitnetz als Ziel niedergeschrieben. Dafür wären wohl Glasfaserkabel bis in die Häuser notwendig. Wird hier also in alte Standards investiert? Struhkamp verneint: Die jetzige Investition sei sinnvoll, weil so die Glasfaserkabel zumindest schon mal bis in jede Ortschaft führen. „Im nächsten Schritt könnte Glasfaser dann bis ins Haus gelegt werden.“ Dies heißt in der Fachsprache FTTH. Mit diesem FTTH-Ausbau könnte man dann ab 2021 beginnen, sagt der Referatsleiter.

Ein flächendeckendes Gigabitnetz bis 2025 – das Land hatte dies ursprünglich bis 2030 angepeilt – hält er für realistisch. Aber nur wenn vier Bedingungen erfüllt seien: Dass wieder Fördermittel von Bund und EU kommen, bei Planungs- und Baufirmen ausreichen Kapazitäten vorhanden sind, was sich zuletzt schwieriger gestaltete, und die Antragsverfahren zügig ablaufen. Das ist, wie das Beispiel Saalekreis zeigt, ein Problem. Struhkamp nahm dessen Verwaltung in Schutz. Gerade die Bundesförderung sei zu komplex., habe zu viele Vorgaben. „Die Verfahren müssen effizienter werden.“

Als vierte Voraussetzung nannte Struhkamp die Akzeptanz in der Bevölkerung. „Derzeit gibt es noch nicht viel Nachfrage von privaten Kunden nach Glasfaser.“ Viele seien mit dem aktuellen Angebot von 50 Mbit/s zufrieden. Deshalb formulierte er die Ambitionen bis 2025 als Kann-Variante: „Das Ziel ist, dass jeder, der einen Glasfaseranschluss möchte, ihn haben kann.“ Das heiße aber ausdrücklich nicht, dass jeder einen nehmen muss.

In den Gesprächen mit dem Kreis wurde hingegen ein deutlich konkreteres und näheres Ziel erörtert: „Bis Ende 2020 soll jede Schule einen Glasfaseranschluss haben. Für viele Bildungseinrichtungen im Kreis wäre das ein Quantensprung, denn von den 27 Schulen in Trägerschaft des Saalekreises hatten zuletzt 18 eine Internetgeschwindigkeit von sechs MBit oder weniger. Das Land investiert derzeit in die digitale Ausrüstung der Schulen. Ein schneller Internetanschluss wäre für deren Nutzung von Vorteil. (mz)