Trotz entspannter Infektionslage

Erster Delta-Fall im Saalekreis entdeckt

Chefin des Gesundheitsamtes sieht derzeitige Lage entspannt.

Der erste Fall einer Infektion mit der Delta-Variante sei bestätigt, erklärte Gesundheitsamtschefin des Saalekreis Muchow.
Der erste Fall einer Infektion mit der Delta-Variante sei bestätigt, erklärte Gesundheitsamtschefin des Saalekreis Muchow. (Foto: imago images/Christian Ohde)

Merseburg/MZ/ROB - So gelassen wie an diesem Mittwoch hat man Gesundheitsamtschefin Annegret Muchow in den vergangen 15 Monaten selten gesehen, wenn sie über die Pandemiesituation im Kreis sprach: „Die ist entspannt“, fasste sie die Lage zusammen. „Wir profitieren als Kreis davon, dass die Zahlen insgesamt zurückgehen.“ Einen neuen Fall registrierte ihr Haus am Mittwoch. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 4,3.

Das ist weniger als ein Hundertstel des Höchstwertes im Winter. Und doch warnt Muchow vor als zu großer Sorglosigkeit. „Es heißt nicht, dass man die Vorsicht fallen lassen darf.“ Es sei wichtig, dass die gängigen Hygienemaßnahmen wie Abstände und regelmäßiges Händewaschen fortgesetzt würden: „Es gilt weiterhin, unnötige Kontakte zu vermeiden. Man sollte sich schon überlegen, was man jeden Tag so macht.“

Gesundheitsamtschefin: Mutationen könnte Infektionszahlen im Saalekreis wieder steigen lassen

Grund zur Sorge sind für Muchow die Virusmutationen. Aktuell vor allem die nach griechischem Alphabet als Delta-Variante deklarierte Version, die gerade in Großbritannien für erneut hohe Ansteckungszahlen sorgt und zunehmend auch in Deutschland das Infektionsgeschehen bestimmt. Der Saalekreis war da bisher offiziell verschont, doch das hat sich am Mittwoch geändert. Der erste Fall einer Infektion mit der Delta-Variante sei bestätigt, erklärte Muchow. Sie rechnet mit weiteren, denn der Fall sei in einer Familie aufgetreten, doch die Untersuchung der Proben der Angehörigen laufe noch.

Die Gesundheitsamtschefin geht angesichts der Mutationen davon aus, dass die Infektionszahlen im Kreis wieder steigen könnten. Wie hoch? „Eine Glaskugel habe ich nicht“, antwortet Muchow. „Ich erwarte aber nicht, dass es so stark wird wie im vergangenen Herbst.“ Das liegt auch daran, dass die Ausgangssituation nun eine andere ist. „Das Virus trifft nicht auf eine völlig ungeschützte Bevölkerung.“ Es gäbe mehr Menschen, die bereits eine Erkrankung durchgemacht und so eine gewisse Immunisierung hätten und vor allem gäbe es mehr Geimpfte.

Trotz der ungewissen Aussichten normalisiert sich die Situation im Gesundheitsamt zunehmend

Allerdings schränkte Muchow ein: Eine Herdenimmunität gäbe es noch nicht, noch immer hätten zu viele Bürger keinen oder einen nicht ausreichenden Schutz. Denn gegen einen schweren Verlauf durch die Delta-Variante helfe nur eine vollständige Impfung weitgehend. „Deshalb ist der Appell an die Leute: Nutzt das Impfangebot. Es ist jetzt die Frage, was ist schneller: die Delta-Variante oder die Impfungen.“

Trotz der ungewissen Aussichten normalisiert sich die Situation im Gesundheitsamt zunehmend. Am Mittwoch verabschiedete Muchow die letzten Bundeswehrsoldaten, die etwa bei der Kontaktverfolgung geholfen hatten. Teile der aus anderen Verwaltungsbereichen ausgeliehenen Kräfte sind bereits wieder in ihre ursprünglichen Felder gewechselt. Und auch die Gesundheitsamtsmitarbeiter selbst können wieder zuletzt liegengebliebene Aufgaben, wie die Zahnuntersuchungen und die Schuluntersuchungen in Klasse drei und sechs, aufgreifen. Die Einschulungsuntersuchungen, so Muchow, seien jedoch auch in den vergangenen Monaten durchgeführt worden: „Unsere Kinder, die dieses Jahr zur Schule kommen, sind alle untersucht.“