Nord und West fühlen sich vergessen

Darum gibt es Kritik an der Verteilung der Impfangebote im Saalekreis

Salzatal bietet kostenlos Räume an, aber Landrat fehlt Personal.

Von Robert Briest 25.11.2021, 16:00
Im Norden des Saalekreises fehlt ein dauerhaftes Impfangebot.
Im Norden des Saalekreises fehlt ein dauerhaftes Impfangebot. Bernd von Jutrczenka/dpa

Merseburg/Querfurt/Salzatal/MZ - Sie habe den Landrat förmlich angefleht, berichtet Salzatals Bürgermeisterin Ina Zimmermann (CDU) von einem Gespräch mit Hartmut Handschak (parteilos) am Dienstag. Ihr Anliegen: „Dass endlich ein Impfzentrum im Norden kommt.“

Forderung nach dauerhaftem Impfangebot im Norden

Bis September bestand das zentrale Impfangebot des Kreises in Merseburg. Das gibt es nicht mehr. Die mobilen Impfteams des Kreises tingeln derzeit zu verschiedenen Vor-Ort-Terminen im Kreisgebiet. Ein regelmäßiges Angebot gibt es jedoch nur freitags im Einkaufszentrum Nova. Dort wird der Kreis nach aktuellem Stand künftig wohl sogar täglich impfen.

Aus Sicht von Zimmermann sind Günthersdorf oder auch Merseburg für ihre Einwohner aber zu weit. „Wenn eine 80-Jährige mit öffentlichen Verkehrsmitteln dahin fährt, ist sie zwei, zweieinhalb Stunden unterwegs“, hadert die Bürgermeisterin. Sie hat deshalb ihre Offerte an den Kreis erneuert, diesem für ein dauerhaftes Impfangebot im Norden kostenlos Räumlichkeiten der Gemeinde zur Verfügung zu stellen. Am Bedarf zweifelt sie nicht.

Fehlendes Impfangebot im Saalekreis ist Landrat bewusst

Am 9. Dezember soll eines der mobilen Impfteams im Salzatal Station machen. „Das Telefon steht schon jetzt nicht mehr still.“ Auch bei Impfangeboten im Nova und in Merseburg bilden sich seit Freigabe der Boosterimpfungen für alle lange Warteschlangen. Kritik an der derzeitigen Verteilung der Impfangebote im Kreis kam zuletzt auch aus dem Westen. MZ-Leser aus dem Raum Querfurt bemängelten, dass der Weg für sie nach Günthersdorf zu weit sei, es keine oder kaum Angebote vor Ort gebe.

Dem Landrat ist das Problem bewusst. Man habe darüber am Mittwoch im Pandemiestab gesprochen. Das Impfen ist auch für ihn mittlerweile ein Reizthema: „Es war vorgesehen, dass die niedergelassenen Ärzte das Impfen übernehmen. Jetzt, wo ein Mangel herrscht, schauen jedoch alle wieder zum Kreis.“ Der organisiere aber nur ein ergänzendes Angebot. „Eigentlich bräuchten wir wieder ein großes Impfzentrum, aber das müsste jemand bezahlen.“

Pandemiestab hat zunächst keine zusätzlichen Regeln zur neuen Landesverordnung verhängt

Der Kreis prüfe dennoch derzeit, welche Angebote man wo noch machen könnte. Die zuständige Dezernentin Christina Kleinert soll auch das Angebot aus Salzatal prüfen. Knackpunkt ist aus Sicht Handschaks, der auf einige bereits geplante Impftermine im Dezember im Nordkreis hinweist, jedoch das Personal. Davon gebe es zu wenig. „Wir haben schon 20 Leute ins Gesundheitsamt gesteckt. Dennoch schaffen wir die Kontaktnachverfolgung nicht mehr.“ Zimmermann sagt, für das Personal rund um die Impfärzte, hätten sich in Salzatal bereits Freiwillige gemeldet, die helfen wollen. Auch dieses Angebot soll Kleinert nun prüfen.

Derweil hat der Pandemiestab am Mittwoch zunächst keine zusätzlichen Regeln zur neuen Landesverordnung verhängt. Anders der Burgenlandkreis. Dort gelten ab Freitag etwa strengere Kontaktbeschränkungen und 2Gplus-Regeln. Im Saalekreis will der Stab sich dagegen zunächst die neue Verordnungssituation anschauen. Bereits am Freitag tritt er aber zu seinem nächsten Treffen zusammen.