Verkauf „rollt“ wieder an

Corona-Krise und die Automobilbranche: So gingen Fahrzeughändlern im Saalekreis mit der Krise um

Mücheln/Braunsbedra - Corona hat auch den Fahrzeughändlern zu schaffen gemacht. Hierzulande sank die Zahl der Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2020 laut dem Verband der Automobilindustrie um rund 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wie ist es den Autohäusern im Saalekreis ergangen? Gibt es speziell seit Juli einen Ansturm? Denn seitdem kommt den Käufern die gesenkte Mehrwertsteuer von drei Prozent zugute. Bei einem Autokauf lassen sich dadurch bis zu vierstellige Summen ...

Von Diana Dünschel

Corona hat auch den Fahrzeughändlern zu schaffen gemacht. Hierzulande sank die Zahl der Neuzulassungen im ersten Halbjahr 2020 laut dem Verband der Automobilindustrie um rund 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Wie ist es den Autohäusern im Saalekreis ergangen? Gibt es speziell seit Juli einen Ansturm? Denn seitdem kommt den Käufern die gesenkte Mehrwertsteuer von drei Prozent zugute. Bei einem Autokauf lassen sich dadurch bis zu vierstellige Summen sparen.

Corona-Krise sorgt für Kurzarbeit und Verzögerung von Investitionen bei Händlern

Das könnte die Kauflaune der Kunden doch deutlich ankurbeln? Immerhin ist auch hierzulande das Auto des Deutschen liebstes Kind. Am 1. Januar 2020 waren in Sachsen-Anhalt laut dem Statistischen Landesamt im Saalekreis die meisten Personenkraftwagen bezogen auf die Zahl der Einwohner zugelassen, konkret 620 je 1.000 Einwohner. Bei einer MZ-Umfrage wird die Situation unterschiedlich eingeschätzt.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Torsten Schweiger wollte bei einem Besuch anlässlich seiner Sommertour in der Autohaus Reinicke GmbH in Mücheln ebenfalls mehr darüber wissen. Geschäftsführer Frank Reinicke schilderte ihm den Lockdown als Ausnahmezustand. Er sei seit dem Jahr 1991 in der Branche, beschäftige jetzt 28 Mitarbeiter, habe 2019 erst die Werkstatt erneuert. Durch Corona habe er Beschäftigte in Kurzarbeit schicken müssen, habe weitere Investitionen verschoben und seine gesamte Strategie geändert.

Schlechtesten Neuwagenverkaufszahlen, seitdem er in der Branche ist

Die Nachfrage der Kunden werde wieder besser, schätzte der Geschäftsführer weiter ein. Der Werkstatt habe anfangs die Umrüstung auf die Sommerreifen geholfen. Er sei der Politik auch sehr dankbar für die Soforthilfen, die auch er beantragt und erhalten habe. „Das hat erst einmal geholfen.“ Gleiches gelte für seinen zweiten Standort in Weißenfels an der A 9.

Doch momentan verzeichne er die schlechtesten Neuwagenverkaufszahlen, seitdem er in der Branche sei. „Die Mehrwertsteuersenkung lockt die Kunden nicht“, sei seine Erfahrung. Die Kunden erlebe er vielmehr unsicher und unentschlossen. Deshalb frage er sich schon, was erst werde, wenn die vorübergehende Steuersenkung am 1. Januar 2021 wieder aufgehoben werde.

Andere Autohändler im Saalekreis froh über Mehrwertsteuersenkung

Hans-Jürgen Thiele, Geschäftsführer im Autohaus im Geiseltal in Braunsbedra, hat offenbar bessere Erfahrungen gemacht. Er sei froh über die Mehrwertsteuersenkung, sagte er auf eine MZ-Anfrage. Im Juli habe er so viele junge, gebrauchte Fahrzeuge verkauft wie lange nicht mehr.

Von der Stückzahl seien das mehr als im Vormonat und mehr als im Vorjahreszeitraum gewesen. „Das hat sich bei uns also bemerkbar gemacht.“ Das gelte auch für die angeschlossene Werkstatt. Offenbar hätten Kunden nach Ankündigung der Steuersenkung zum 1. Juli mit Reparaturen gewartet, sei da sein Eindruck. (mz)