Angekündigte Kontrollen

Autobahnen in Sachsen-Anhalt: Warum die Polizei ihre Kontrollen jetzt ankündigen will

Schafstädt - Kampf gegen Unfälle: Polizei will Kontrollen jetzt vorher ankündigen

Von Melain van Alst 17.01.2018, 09:05

Der Lkw hängt dem kleinen silbernen Auto schon fast im Kofferraum. Scheinbar ist dem Fahrer des Lasters das Auto zu langsam, er fährt immer näher auf und lässt bei voller Geschwindigkeit auf der A38 nicht mehr als zehn Meter Platz zwischen den beiden Stoßstangen.

Bei einem Unfall wäre das eine fatale Entscheidung: Der tonnenschwere Laster mit Gefahrgutladung würde nicht mehr rechtzeitig zum Stehen kommen. Damit solche Unfälle nicht passieren, haben sich auf der Brücke, von der man die Szene verfolgen kann, Beamte der Autobahnpolizei Weißenfels postiert.

Sie messen am Dienstag zwischen Bad Lauchstädt und Schafstädt Abstand und bilden den Auftakt zu weiteren Aktionen. „Abstand ist die Unfallursache Nummer eins“, so Veit Richter, Sprecher der Autobahnpolizei.

Für den Lkw-Fahrer wird das ein teures Unterfangen. Er wird besonders hart bestraft, weil er Gefahrgut transportiert. Den gesetzlich geforderten Mindestabstand von 50 Metern hat er definitiv nicht eingehalten.

Halber Tacho ist der Mindestabstand für Pkw

„Für Pkw und Motorräder gilt mindestens der Abstand eines halben Tachos“, so Richter. Bei 120 Kilometern pro Stunde müssen sie also mindestens 60 Meter Platz zum Vordermann halten. Je nachdem wie klein der Abstand war, drohen Autofahrern Punkte und empfindliche Geldbußen oder sogar das Fahrverbot.

„Wir kontrollieren in dieser Woche verstärkt auf den Autobahnen der Region und haben das über die Medien angekündigt“, so Richter. Man wolle die Aufmerksamkeit nutzen und vor allem präventiv arbeiten.

In den vergangenen Jahren habe es die Beamten vermehrt mit schweren Unfällen, die teils mit Toten und hohen Sachschäden einhergingen, zu tun gehabt.

Um dagegen vorzugehen, wurde die präventive Arbeit zum Schwerpunkt für 2018 gemacht und wird begleitet von weiteren Maßnahmen auf den Autobahnen 9, 14, 38 und 143.

Drängler verursachen die meisten Unfälle.

Der geringe Abstand gilt jedoch als Hauptursache. „Besonders bei schlechtem Wetter verlängert sich der Bremsweg.“

Abstandsmessungen wie sie bei Schafstädt stattfinden, sind auch bei widrigen Bedingungen möglich, wie Hagel und Regen am Dienstag gezeigt haben. „Für die Kameras ist das kein Problem.“ Auf den roten Blitz werden Verkehrsteilnehmer aber vergeblich warten.

Häufig kontrollieren die Beamten von Brücken und stellen dort Kameras auf, die den Verkehrsfluss durchgehend aufnehmen. Die Geräte selektieren zwar mögliche Abstandssünder schon vor, aber die eigentliche Arbeit wird anschließend auf dem Revier gemacht. „Beamte sichten die Bänder und messen genau nach.

Auf Videoaufnahmen wird nachgemessen

Dabei werden auch die Fälle aussortiert, wo beispielsweise jemand knapp eingeschert ist.“ Um die Situation einschätzen zu können, werden die Autos schon lange vor den bekannten Markierungen aufgenommen.

Sie dienen jedoch dann zur tatsächlichen Messung. „Unsere Geräte sind geeicht und halten auch vor Gericht stand“, sagt Richter. Als Orientierung raten die Beamten übrigens, sich an den Leitpfosten zu orientieren, die immer 50 Meter auseinander stehen.

››Weitere Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen sind für die A9 zwischen Weißenfels und Naumburg, die A14 bei Halle-Peißen, die A38 nahe Merseburg-Süd und Sangerhausen-West sowie auf der A143 bei Halle-Neustadt geplant. (mz)