Aus für Erdgasbusse im Saalekreis

Aus für Erdgasbusse im Saalekreis: Warum Diesel nun die Zukunft ist

Merseburg - Viele Jahre setzte die PNVG auf eine große Flotte von Erdgasbussen. Warum sich das Unternehmen jetzt allerdings von den umweltfreundlicheren Fahrzeugen trennen wird.

Von Michael Bertram 26.05.2017, 07:21

Dieselfahrzeuge gelten nicht nur als Klimakiller, sondern stellen aufgrund ihrer Emissionen auch ein Gesundheitsrisiko dar. Auch deshalb hatte die Personennahverkehrsgesellschaft (PNVG) vor mehr als zwölf Jahren entschieden, rund 20 mit Erdgas betriebene Busse in ihre Flotte zu integrieren. Die waren in der Anschaffung zwar teurer als Dieselbusse, versprachen aber ein besseres Gewissen. Nun steht die Erdgasflotte jedoch schon wieder vor dem Aus.

Wie die PNVG ankündigte, werden bereits seit 2016 jedes Jahr vier der Fahrzeuge aussortiert. Grund dafür sind die enormen Kosten. „Ich habe mal durchgerechnet, dass ich mit den Erdgasbussen im Jahr 150.000 Euro verliere“, sagt PNVG-Geschäftsführer Lothar Riese. Verantwortlich dafür seien die pro Kilometer anfallenden Kraftstoff- und Ersatzteilpreise. Vor allem letztere sind heute ein echter Schlag ins Kontor: „Nach 15 Jahren werden die Erdgastanks nicht mehr vom Tüv akzeptiert und müssten deshalb ausgetauscht werden“, sagt der PNVG-Chef. Pro Tank wären 45.000 Euro fällig.

Dieselpreis in den letzten Jahren deutlich gesunken

„Erschwerend kommt hinzu, dass der Dieselpreis in den letzten Jahren deutlich gesunken ist, während die Erdgaspreise stabil blieben“, betont Riese. Inzwischen nehmen sich beide Kraftstoffe fast nichts mehr. „Die Hoffnung, dass sich die hohen Anschaffungskosten auch über die geringeren Ausgaben für die Betankung amortisieren könnten, hat sich praktisch zerschlagen“, erklärt Lothar Riese.

Da die damalige Anschaffung der Busse zu 75 Prozent gefördert wurde, musste das Verkehrsunternehmen immerhin nur 60.000 Euro je Fahrzeug beisteuern und kommt nun noch vergleichsweise glimpflich aus der Nummer raus. Zumal die PNVG versucht, jeden Bus für mindestens 6.000 Euro zu verkaufen. Probleme wegen der Fördermittel entstehen laut Riese dadurch nicht, diese waren nur an eine Laufleistung von 400.000 Kilometer beziehungsweise an eine Laufzeit von acht Jahren gebunden.

Künftig werden im südlichen Saalekreis nur Dieselbusse im Einsatz sein

Künftig werden im südlichen Saalekreis also wieder nur Dieselbusse im Einsatz sein, denn auch Elektrobusse seien keine echte Alternative. „Es gibt im Land ein Förderprogramm, bei dem die kleineren Unternehmen jedoch bereits erklärt haben, das Geld lieber nach Halle oder Magdeburg zu geben, weil sich die Ausgaben ansonsten nicht lohnen“, sagt Riese.

Nicht nur, dass die PNVG einen nicht unerheblichen Eigenanteil beim Kauf leisten müsste: „Es muss die Ladeinfrastruktur geschaffen und unsere Werkstatt umgerüstet werden“, erklärt Riese. „Kein Mensch weiß also, was so ein Elektrobus in der Summe eigentlich tatsächlich kostet.“ (mz)