Altersversorgung

Rente: In Sachsen-Anhalt haben Senioren mehr von der Altersversorgung

Halle (Saale) - Senioren-Paradies Sachsen-Anhalt? In keinem anderen Bundesland leben Rentner kostengünstiger - das ergab eine Umfrage des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognose.

Von Anja Förtsch 23.05.2016, 17:07

Senioren-Paradies Sachsen-Anhalt? In keinem anderen Bundesland leben Rentner kostengünstiger - das ergab eine Umfrage des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos im Auftrag des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft. Demnach liegen die Kosten für die Lebenshaltung von Rentnern in Sachsen-Anhalt im Schnitt knapp elf Prozent unter dem Bundesmittel.

Günstig in Wittenberg

In Deutschland zahlen Rentner für Miete, Strom, Nahrungsmittel  und Kleidung durchschnittlich 1 000 Euro monatlich. In Sachsen-Anhalts beiden günstigsten Landkreisen Wittenberg und Mansfeld-Südharz sind es hingegen nur rund 875 Euro - das heißt, die Kaufkraft ist dort erheblich größer (siehe Grafik).  Beide Kreise gehören damit zu den zehn günstigsten Regionen in Deutschland. Besonders billig lebt es sich auch im Salzlandkreis, in der Börde und im Altmarkkreis Salzwedel. Selbst in Halle, der für Senioren teuersten Stadt in Sachsen-Anhalt, liegen die Lebenshaltungskosten  mehr als fünf Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Magdeburg ist die günstigste Landeshauptstadt  für Rentner - mit einem Preisniveau von gut sechs Prozent unter dem Durchschnitt. Dessau-Roßlau ist knapp neun Prozent günstiger.

Angelika Zander, Vorsitzende der Landesseniorenvertretung, sieht grundsätzlich keine paradiesischen  Zustände für Rentner. In ihrer alltäglichen Arbeit ließen sich die Ergebnisse der Studie nicht wiederfinden: „Die Altersarmut ist ein großes Thema unter den Senioren im Land“, sagte Zander der MZ. Die Rentner bekämen oft sehr geringe Renten, hätten also nur begrenzte Mittel - und wenn kein Geld da ist, helfen eben auch kleine Preise nicht.

Um die Lebenshaltungskosten zu ermitteln, erstellen Statistiker einen imaginären Warenkorb. Er beinhaltet die Ausgabeposten Nahrungsmittel, Alkohol, Kleidung, Wohnung, Haushaltszubehör, Gesundheitspflege, Verkehr, Kommunikation, Freizeit sowie Unterhaltung, Bildung, Gastronomie und Dienstleistungen. Dafür werden in allen Regionen die jeweiligen Preise ermittelt und verglichen. Weil ein 70-Jähriger anders einkauft als etwa ein 30-Jähriger,  wurden im Fall der Lebenshaltungskosten von Senioren die Anteile der Produkte im Warenkorb an deren typische Ausgaben angepasst. So machen Nahrungsmittel, Alkohol und Tabakwaren einen kleineren Teil aus. Das gleiche gilt für den Bereich Verkehr, also etwa Ausgaben für Autos oder Reparaturen. Auch für Bildung wird deutlich weniger berechnet. Mit höheren Anteilen fließen hingegen Kleidung und  Gesundheitspflege ein.
Stärker gewichtet wurden auch die Kosten für Miete, Wasser, Strom und Gas. Diese machen mit mehr als einem Drittel den größten Teil der Kosten aus. „Vor allem die Wohnkosten haben einen sehr starken Einfluss auf den Wohlstand im Alter“, sagt Prognos-Chefökonom Michael Böhmer.

Teures München

Am tiefsten in die Tasche greifen müssen Rentner in München. Dort betragen die Lebenshaltungskosten im Schnitt 1 300 Euro - knapp ein Drittel mehr als im Schnitt. Zusammen mit dem Landkreis München und dem Kreis Starnberg belegt Bayern die ersten drei Plätze der teuersten Regionen.
Auch   Sachsen ist für Senioren eine günstige Adresse. Im Schnitt liegen die Lebenshaltungskosten dort rund neun Prozent unter dem Mittel. Besonders billig - knapp zwölf Prozent unter dem Bundesdurchschnitt - ist das Leben in Görlitz. Die Stadt an der Grenze zu Polen lockt bereits seit einiger Zeit immer mehr betagte Zuzügler an - besonders aus den alten Bundesländern.