Nach Brexit-Votum

Nach Brexit-Votum: Bedauern in Sachsen-Anhalt über EU-Austritt der Briten

Magdeburg - Die Entscheidung der Briten über den Austritt aus der EU ist bei Politik und Wirtschaft in Sachsen-Anhalt auf Bedauern gestoßen. „Das ist ein sehr schwieriger Tag für Europa. Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht“, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) laut einer Mitteilung der ...

24.06.2016, 10:53

Die Entscheidung der Briten über den Austritt aus der EU ist bei Politik und Wirtschaft in Sachsen-Anhalt auf Bedauern gestoßen. „Das ist ein sehr schwieriger Tag für Europa. Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht“, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) laut einer Mitteilung der Staatskanzlei.

„Die Europäische Union muss nun die richtigen Schlüsse aus diesem Referendum ziehen und ihre politischen Schwerpunkte überdenken.“ Negative Auswirkungen auf die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt müssten vermieden werden, ergänzte er mit Blick auf mögliche Folgen der Entscheidung für die Konjunktur.

„Es deutet sich bereits jetzt an, dass der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU neben den Folgen für die britische Wirtschaft grundlegende politische Veränderungen mit sich führen könnte“, erklärte der Magdeburger SPD-Europaabgeordnete Arne Lietz. Nachdem sich eine eindeutige Mehrheit in Schottland für den Verbleib in der EU ausgesprochen hat, stellten führende schottische Politiker die Unabhängigkeit des Landesteils erneut zur Debatte.
Die Vorsitzende der Landtags-Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Cornelia Lüddemann, nannte das Ergebnis des Referendums einen zentralen Rückschlag für die EU. „Das Gefühl des Kontrollverlustes und der Angst der Bürgerinnen und Bürger muss endlich ernst genommen werden, nicht nur in England.“ Demokratische Reformen müssten mit spürbaren Angeboten eingeleitet werden.

Europa am Scheideweg

„Keine Frage, der Brexit hat Folgen nicht nur für Großbritannien, sondern für die gesamte Union“, sagte Wulf Gallert, europapolitischer Sprecher der Links-Fraktion im Landtag. Man befinde sich an einem Scheideweg. „Entweder, Europa zerfällt in konkurrierende Nationalstaaten wie in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, oder aber wir schaffen es, europäische Integration so zu gestalten, dass sie einen Gewinn an Demokratie und Transparenz bedeutet und einen sozialen Mehrwert für alle bietet.“

„What a pity - wirklich schade“, sagte Carola Schaar, Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau (IHK). „Wir respektieren die demokratische Volksentscheidung - auch wenn wir sie für problematisch halten.“ Das Vereinigte Königreich sei aktuell der zweitwichtigste Absatzmarkt für Produkte und Dienstleistungen aus Sachsen-Anhalt, erklärte Schaar. 2015 umfassten die Exporte knapp 1,2 Milliarden Euro. Dabei wurden vor allem Metalle, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse sowie Nahrungsgüter dorthin geliefert. (dpa)