Maßregelvollzug Maßregelvollzug: Ausschuss kritisiert Sanktionen
BERNBURG/MAGDEBURG/MZ. - Der Psychiatrieausschuss des Landes hat erneut mit Nachdruck eine Aufstockung des Personals im Maßregelvollzug gefordert.Gleichzeitig kritisierte das Gremium die Entscheidung des Sozialministeriums, eine Ausgangssperre für alle Insassen zu verhängen. Die Entscheidung hatte das Ministerium getroffen, nachdem mehrere Insassen aus der Einrichtung in Bernburg (Salzlandkreis) geflohen waren.
Diese Regelung, so der Ausschuss, würde auch die Patienten treffen, „die nach wie vor motiviert an der Erreichung des Therapieziels mitarbeiten“. Mit Blick auf die angestrebte Resozialisierung seien Lockerungen im Vollzug weiter ein „unverzichtbarer Faktor“. Die Maßnahmen müssten „jederzeit den konkreten Umständen jedes einzelnen Patienten“ angepasst werden.Der Personalbestand müsse schon allein deshalb erhöht werden, weil die therapeutischen Anforderungen gestiegen seien. So gebe es immer mehr Insassen, die neben einer Suchterkrankung auch unter Persönlichkeitsstörungen leiden würden, so der Ausschuss. Hinzu komme, dass im September festgestellt worden sei, dass von den 194 Stellen nur 183,5 besetzt gewesen seien. Ferner habe sich herausgestellt, dass bei der Ermittlung des Bedarfs eine durchschnittliche Belegung von 167 Patienten zu Grunde gelegen habe. Tatsächlich aber seien im Schnitt 185 Insassen in der Einrichtung.
Zwei der geflohenen Patienten wurden unterdessen am Mittwoch im Harz gefasst. Zeugen hatten die beiden Männer in Halberstadt gesehen und anschließend die Polizei informiert, sagte eine Sprecherin in Bernburg. Die Männer seien wieder in die Einrichtung zurückgebracht worden, in der psychisch kranke und damit nicht schuldfähige Straftäter behandelt werden. Die Männer waren mit zwei weiteren Patienten vor einer Woche von einem Gruppenausgang nicht zurückgekehrt.