Lehrstellen bleiben unbesetzt

Lehrstellen bleiben unbesetzt: Immer weniger Frauen im Land streben eine Ausbildung an

Halle (Saale) - Immer mehr junge Frauen in Sachsen-Anhalt streben in gut bezahlte Berufe. Der Ausbildung kehren sie daher den Rücken. Das ist das Ergebnis einer Datenanalyse der Landesarbeitsagentur. Die Unternehmen haben auch deswegen immer größere Probleme, ihre freien Ausbildungsplätze zu ...

Von Steffen Höhne
Ein Friseur schneidet einer Kundin die Haare. (Symbolbild)
Ein Friseur schneidet einer Kundin die Haare. (Symbolbild) dpa-Zentralbild

Immer mehr junge Frauen in Sachsen-Anhalt streben in gut bezahlte Berufe. Der Ausbildung kehren sie daher den Rücken. Das ist das Ergebnis einer Datenanalyse der Landesarbeitsagentur. Die Unternehmen haben auch deswegen immer größere Probleme, ihre freien Ausbildungsplätze zu besetzen.

In den vergangenen Jahren gab es aufgrund der demografischen Entwicklung einen regelrechten Azubi-Aderlass. Die Zahl der Lehrlinge ging zwischen Ende 2012 und Ende 2017 um rund 13 Prozent auf knapp 30 000 zurück. Zum Vergleich: Im Bundesschnitt lag das Minus nur bei drei Prozent. Die Zahl der weiblichen Azubis ist in dem Zeitraum um 18 Prozent gesunken, während es bei den jungen Männern lediglich neun Prozent waren.

Höherer Bildungsabschluss wird bei jungen Frauen immer beliebter

Als Grund für den deutlichen Unterschied führt der Chef der Landesarbeitsagentur, Kay Senius, an, dass „immer mehr junge Frauen einen höheren Bildungsabschluss machen“. Sie würden den klassischen weiblichen Ausbildungsberufen in geringer entlohnten Bereichen wie Friseurhandwerk und Einzelhandel den Rücken kehren. „Die jungen Frauen machen lieber eine schulische Ausbildung, eine Beamtenausbildung oder starten ein Hochschulstudium“, erklärte Senius. Sie versprechen sich davon bessere Karrierechancen.

Auch bei den Männern gebe es den Trend zum höheren Schulabschluss. Der Rückgang fällt aus mehreren Gründen jedoch geringer aus. Ein Faktor: Es gibt mehr ausländische Azubis. Ihre Zahl stieg von 2012 bis 2017 von 276 auf 991, teilte die Arbeitsagentur mit. Die Mehrheit komme aus EU-Staaten. Ein Großteil der Azubis mit Migrationshintergrund sei männlich.

Finanz- und Versicherungsdienstleister sind besonders betroffen

Die verschiedenen Wirtschaftszweige sind vom Azubi-Schwund unterschiedlich betroffen. Besonders stark ist der Rückgang laut Senius zum Beispiel bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen mit einem Minus von rund 38 Prozent. Positiv entwickelte sich die Zahl der Auszubildenden mit einem Plus von fast 27 Prozent etwa im Bereich „Logistik und Lagerei“ und bei der „Information und Kommunikation“ mit einem Zuwachs von fast zwölf Prozent.

Aufgrund eines Facharbeiter-Mangels in vielen Betrieben wirbt Senius für die Ausbildung. „Es muss nicht immer ein Studium sein. Für viele junge Menschen ist die Ausbildung die bessere Wahl.“ Gerade bei jungen Männern würden viele Studienabbrecher sich dann für eine Lehre entscheiden. Nach Einschätzung von Senius eröffnet auch eine Ausbildung gute Karrieremöglichkeiten. (mz)