Zahnaer bei Extrem-Marsch

Zahnaer bei Extrem-Marsch: Sven Markgraf geht ohne Pause

Zahna - Der Zahnaer Sven Markgraf hat zum 12. Mal an dem sportlichen Event in Holland teilgenommen. Warum er sich das antut.

Von Ute Otto 21.08.2019, 12:11

Zu den größten Laufveranstaltungen der Welt zählen die Viertagesmärsche rund um Nijmegen im Osten der Niederlande (rund 176000 Einwohner). Alljährlich in der letzten Juliwoche treffen sich rund 40 000 Menschen, vom zwölfjährigen Kind bis zum rüstigen Rentner, um per pedes an vier aufeinanderfolgenden Tagen 30 (Kinder), 40 (Frauen) oder 50 Kilometer zu absolvieren.

Einer der Enthusiasten ist der Zahnaer Sven Markgraf. Er hat in diesem Sommer seinen zwölften „Nijmeegse Vierdaagse“ über genau 201,01 Kilometer bestritten. 44 703 Teilnehmer sind bei der 103. Auflage am 16. Juli an den Start gegangen, 41235 haben am 19. Juli das Ziel erreicht.

Initiiert von Königin

Der Marsch hat einen militärischen Ursprung. Die niederländische Königin Wilhelmina soll 1909 zur Leibesertüchtigung ihrer Truppen den Marsch ins Leben gerufen haben, er war aber beizeiten auch für Zivilisten offen. Schon 1932 stellten diese die überwiegende Zahl der Teilnehmer.

Aber bis heute entsenden militärische Organisationen Delegationen. Die Soldaten marschieren an den vier Tagen „nur“ 160 Kilometer, aber das in voller Montur. Es ist aber, das zeigen die Bilder auf der „4daagste“-Homepage, insgesamt eine bunte Völkerwanderung.

Über das Militär, er war 13 Jahre bei der Bundeswehr, ist Markgraf seinerzeit zu dem Marsch gekommen. Es sind ehemalige Kameraden, mit denen gemeinsam er sich immer aufs Neue der Herausforderung stellt. „Meine Frau akzeptiert das. Sie hat mit Laufen nichts am Hut. Ich kann sie nicht mal im Urlaub zum Wandern bewegen“, erzählt der 41-Jährige, der für die AfD im Stadtrat Zahna-Elster sitzt.

Als Sportler - Markgraf ist in Zahna einer von zwei Trainern der Kampfkunstschule Shi-Sei e.V. - ist ihm der Marsch ein wichtiger Gradmesser, „dass ich noch fit bin“. Und er will, so sagt er, damit den Kindern und Jugendlichen, die er trainiert, ein Vorbild geben, dass es viel Durchhaltewillen erfordert, um ein Ziel erreichen zu können.

Mit den Vorbereitungen beginnt er im Frühjahr: Unter anderem läuft er morgens von Zahna auf Umwegen zur Arbeit in die Kreisverwaltung Wittenberg. Nachmittags lässt er sich von Kollegen mit zurücknehmen, um pünktlich die Tochter aus dem Hort abzuholen und beim Training zu sein.

Wie ein vierblättriges Kleeblatt führt der Viertage-Marsch um die Stadt. Die Teilnehmer auf der längsten Distanz starten morgens als Erste um 4 Uhr. Für Markgraf und seine Freunde, die etwas außerhalb von Nijmegen übernachten, bedeutet das: Der Wecker klingelt zwei Uhr. Der entscheidende Unterschied des Nijmegen-Marsches zu einer langen Wanderung oder auch zum Marathonlauf ist, „dass man am nächsten Tag wieder aufsteht und weitermacht“.

Es geht nicht nach Zeit. „Jeder geht wie er kann, bei mir sind es durchschnittlich 7,5 Kilometer pro Stunde.“ Rennen ist nicht erlaubt. Er gehe ohne Pause, sagt Markgraf. „Ich habe gelernt, dass das Durchgehen besser ist um anschließend mehr Regenerationszeit zu haben.“

Was im Kopf passiert

Am ersten Tag habe man noch die Muße, während des Laufens über alles Mögliche nachzudenken. „Ab dem zweiten Tag fängt man an abzuschalten, nur noch zu funktionieren. Da bin ich völlig für mich alleine“. Diesen mentalen Zustand zu erreichen, „das ist einer der Gründe, warum ich da immer hinfahre“. Am dritten Tag „schreit der Körper nur noch nach Erholung“. Aber der Körper gewöhne sich an die Strapazen. „Und am letzten Tag findet man es schade, dass es schon vorbei ist.“

Großen Ansporn geben den Teilnehmern die Menschen, die am Rande der Routen stehen und ihnen zujubeln, Snacks und Getränke reichen. In den Tagen des Marsches sind Hunderttausende Gäste in der Stadt. Die Stimmung sei großartig und überhaupt, so der Zahnaer: „Es ist eine logistische Meisterleistung, eine solche Veranstaltung zu organisieren.“ (mz)