Annaburger Impfzentrum geschlossen

Was der Bürgermeister zum großen Finale alles mitgebracht hat

Annaburger Impfzentrum ist geschlossen. 84 Einwohner haben am letzten Tag ihre Zweitimpfung bekommen. Was der Bürgermeister alles mitgebracht hat.

Von Von Thomas Tominski
Bürgermeister Klaus-Rüdiger Neubauer  bedankt sich  bei Franka Fröhn (rechts) und Sabine Elß für ihre geleistete Arbeit  im  Impfzentrum.
Bürgermeister Klaus-Rüdiger Neubauer bedankt sich bei Franka Fröhn (rechts) und Sabine Elß für ihre geleistete Arbeit im Impfzentrum. Foto: Thomas Tominski

Annaburg/MZ - Mit dem Hinweis, dass die Brötchen fertig sind, läutet Franka Fröhn das Finale ein. „Zum Abschluss sind es noch einmal 84 Zweitimpfungen“, sagt die Seniorenbetreuerin aus Prettin, die zusammen mit Sabine Elß drei Monate ehrenamtlich für die Stadt Annaburg im Impfzentrum an der Otto-Heintze-Straße gearbeitet hat.

Mitstreiterin Sabine Elß ist froh, dass die Räume neben der Kita „Abenteuerland“ künftig wieder der Volkssolidarität zur Verfügung stehen. „Da mache ich am 14. Juli ab 14 Uhr mit den Annaburger Senioren gleich eine Grillparty“, sagt sie hörbar gut gelaunt. Franka Fröhn und Sabine Elß sind sozusagen die Empfangsdamen gewesen. Sie haben Namen abgehakt, Anrufe erledigt, den Besuchern den Ablauf ausführlich erklärt - stets mit einem netten Wort auf den Lippen.

Franziska Friedemann setzt Lothar Tittel die zweite Spritze.
Franziska Friedemann setzt Lothar Tittel die zweite Spritze.
Foto: Thomas Tominski

Traurig über Abschied

„Das kann ich nur bestätigen“, sagt Susan Könnecke, die zusammen mit Marie Greiner im Nebenraum sitzt und die Formalitäten für Arzt Janco Oberbandscheid aus Magdeburg und Franziska Friedemann vom Medizinischen Personal des Landkreises Wittenberg vorbereitet, damit bei der Impfung alles seine Ordnung hat. Susan Könnecke betont, dass sie traurig sei. Fröhn und Elß haben einen super Job gemacht. „Wir haben uns hier sehr gut aufgehoben gefühlt“, meint sie, der Hinweis auf fertige Brötchen sei nicht der erste dieser Art.

Probleme mit den Besuchern, da sind sich alle Frauen einig, habe es in den drei Monaten nie gegeben. „Die ältere Generation ist doch cool. Da hat keiner Angst vor einer Spritze“, ergänzt Susan Könnecke, die künftig noch in Kemberg und der Wittenberger Polizeisporthalle zum Einsatz kommt. Das Impfzentrum, so Elß, war maßgeschneidert für ältere Leute oder Rollstuhlfahrer. Keine Stufen, keine Barrieren - im Nachgang haben sich viele dafür bedankt. Annaburgs Bürgermeister Klaus-Rüdiger Neubauer (parteilos) erscheint mit mehreren Blumensträußen und einer großen Geschenktüte im Impfzentrum. In seiner kurzen Rede würdigt er die Arbeit aller Helfer, der eingesetzten Ärzte sowie das Engagement der Bundeswehrangehörigen und erklärt, dass Jessen Vorreiter in Sachen mobiles Impfzentrum in der eigenen Stadt gewesen sei und er diese Idee aufgegriffen und umgesetzt hat. Den Applaus gönnt der Bürgermeister jedoch den Personen, die wie erwähnt wesentlich dazu beigetragen haben, dass im Endeffekt alles reibungslos über die Bühne gegangen ist. „Dankeschön“ und „vielen Dank“ sind in den Sätzen immer mit dabei.

Susan Könnecke (re.) und Marie  Greiner kümmern sich um die  Formalitäten.
Susan Könnecke (re.) und Marie Greiner kümmern sich um die Formalitäten.
Foto: Thomas Tominski

Keine Komplikationen

Hinter den Namen, die im Eingangsbereich auf mehreren Listen vermerkt sind, ist fast überall ein Haken gesetzt. „Wenn noch Impfstoff übrig ist“, informieren Elß und Fröhn, „wird dieser am Nachmittag ins Impfzentrum nach Wittenberg gebracht.“ Lothar Tittel aus Annaburg ist als Nächster an der Reihe. Der 73-Jährige erzählt, dass er die erste Spritze mit Biontech super vertragen hat und schiebt vor Franziska Friedemann schwungvoll den Ärmel seines Hemdes nach oben. Kleiner Pieks, fertig!

Lothar Tittel wirkt entspannt. Nach der ersten Spritze, blickt der gebürtige Abtsdorfer zurück, habe er nichts von Nachwirkungen gespürt. „Der Arm war nicht geschwollen oder hatte eine rote Stelle“, sagt er , überhaupt habe er nie Bedenken gehabt, sich mit Corona anzustecken. „Wir wohnen hier doch sozusagen auf dem Dorf. Was soll groß passieren. Mit meinem Nachbarn kann ich am Zaun auch auf Abstand sprechen“, meint Kittel, der auch die zweite Impfung „nur nebenbei mitbekommen“ hat. Trotzdem: Der Annaburger ist glücklich, dass es mit den Inzidenzzahlen seit Wochen bergab geht und damit ein Stück Normalität zurückkehrt. Vor allem freut sich Tittel auf ein Wiedersehen mit seinen ehemaligen Arbeitskollegen. „Ich habe früher als Mechanikermeister im Piesteritzer Gummiwerk gearbeitet. Unsere Jahrestreffen sind wichtig, damit die sozialen Kontakte nicht abreißen.“