Trainerlegende Arthur Lambert

Trainerlegende Arthur Lambert: Sensation in der Sportprovinz

Wittenberg - Rainer Schultz präsentiert die Trainerlegende „Arthur Lambert“.

Von Michael Hübner 18.12.2016, 11:00

Langstreckenläufer Rainer Schultz - unter anderem Teilnehmer am Kirchenmarathon in Hannover - hat seinen Wettlauf gegen die Zeit gewonnen. Der 67-Jährige präsentiert pünktlich zum 125. Geburtstag von Arthur Lambert am 24. Dezember sein Erstlingswerk: ein Buch über die Wittenberger Trainerlegende. Sein Wunsch ist es, dass der „große alte Mann der Leichtathletik“ in seiner Heimatstadt nicht in Vergessenheit gerät.

Der ehemalige Pressesprecher der Kreisverwaltung erinnert bei der Buchpräsentation am Donnerstagabend in der Stadtbibliothek- es bleibt kein Stuhl unbesetzt - an den Anfang seiner Recherchen. Anlass ist das Jubiläum vor 25 Jahren, als die Legende mit einem internationalen Gedächtnislauf zum 100. in der Lutherstadt geehrt wird. „Für mich bot sich die einmalige Chance, Olympiakämpfer von 1936 und damit Weggefährten Lamberts noch einmal persönlich kennenzulernen“, erinnert sich Schultz.

Der Buchautor steht ab diesem Zeitpunkt im Bann der Wittenberger Leichtathletikgeschichte. „50 Jahre nahezu in Vergessenheit geraten, stöberte ich fortan in Archiven, korrespondierte mit der Witwe, kam mit einstigen Nachkommen der Olympiateilnehmer ins Gespräch und vertiefte mich immer mehr in dieses spannende Thema“, berichtet der Autor seinem Publikum.

Entstanden ist ein Werk, das an eine Zeit erinnert, als plötzlich die Sportprovinz Wittenberg weltweit in die Schlagzeilen geriet und Tausende zum Sportplatz in der Wallstraße, der seit 1993 den Namen des Meistertrainers trägt, pilgerten, um die Idole zu bewundern. Die Aktiven wurden wie Popstars gefeiert. Und die Journalisten rätselten weltweit: Wie kam es zu den sensationellen Leistungen?

„Es war einmal“, so beginnt Schultz bewusst sein Buch über die märchenhafte Geschichte eines Mannes, der nach dem Ersten Weltkrieg für sich kaum noch Chancen für die eigene Lauf-Karriere sieht und sich deshalb für eine Laufbahn als Trainer entscheidet. Trotzdem ist er bis ins hohe Alter aktiv und läuft sogar mit 79 Jahren noch Marathon. „Er ist seinem Alter einfach davon gelaufen“, kommentiert Schultz und berichtet von einem Gespräch mit seiner Ehefrau. „Langweilig war er nie“, erzählt Hanni Lambert über ihren Mann. Was Schultz nicht erzählt, aber in seinem Buch schreibt: Lambert wird mit 71 Vater einer Tochter.

Schultz spricht von einem jungen Methusalem, der mit seiner „ewigen Jugend“ als Kritiker der Ärzte gilt. Seine Schützlinge schafften es zum Weltruhm - allen voran Max Syring. Der „Eiserne Max“ - so sein Spitzname - wurde in Wittenberg von den Klängen einer Blaskapelle praktisch von der ganzen Stadt am 8. Juli 1932 verabschiedet. Zehn Tage dauerte seine Reise in die USA. Er erfüllte alle Erwartungen. In Chicago gewann Syring die 10.000 Meter mit 200 Metern Vorsprung vor 35.000 Zuschauern. Die Amerikaner feierten den Deutschen frenetisch. Hollywoodstar Marlene Dietrich ließ sich mit Syring ablichten.

Der Stadtwerkechef spürt täglich den „Spirit des Altmeisters der deutschen Leichtathletik“. Das ehemalige Firmengebäude der Wäscherei vom Unternehmer Arthur Lambert ist heute der Sitz der Wittenberger Stadtwerke. „Auf dem ehemaligen Dachboden, dort wo sich heute Speise- und Konferenzraum befinden, trainierten vor 80 Jahren in den Wintermonaten Deutschlands Spitzenläufer, aber auch Aktive aus Finnland und Argentinien“, so Geschäftsführer Hans-Joachim Herrmann. Auch der Oberbürgermeister ist Stolz auf die Trainerlegende. „In der kleinen Provinzstadt löste er einen Sturm der Begeisterung aus. Neben Luther, Melanchthon und Cranach war plötzlich auch der Sport zum Aushängeschild geworden. Heute, acht Jahrzehnte später, kann die Stadt zwar nicht mehr mit Spitzensport glänzen, dafür hat der Breitensport einen großen Platz im Wittenberger Alltag gefunden“, so Torsten Zugehör.  

Ein anderer Topathlet ist Werner Böttcher, der es ins olympische Finale 1936 über 1500 Meter schafft. Sein Sohn Hans Peter Böttcher, der zur Buchvorstellung extra aus Chemnitz anreist, erinnert sich noch heute gern an „Onkel Arthur“. 1943 ist er als Kind Gast bei den Lamberts. „Es gab Kakao und Kuchen und andere Süßigkeiten. Das war etwas ganz Besonderes, denn die Kriegsrationierung hatte schon begonnen“, so Böttcher.

Das Lambert-Buch gibt es in bei Thalia im „Arsenal“ und in der Buchhandlung Kummer für 6,80 Euro. (mz)